Morning Briefing: Warum der Kursrutsch beim Gold auch für Aktien nichts Gutes verheißt

Morning Briefing: Warum der Kursrutsch beim Gold auch für Aktien nichts Gutes verheißt

Handelsblatt Morning Briefing

SpaceX: Raumfahrtfirma fusioniert mit KI-Unternehmen / Handelsabkommen: Trump verkündet Deal mit Indien

vor 13 Min.
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Elon Musk legt die Raumfahrtfirma SpaceX und seinen KI-Entwickler xAI zusammen. Gemeinsam sollen die Unternehmen unter anderem Rechenzentren im All bauen, wie der Unternehmer am Abend ankündigte. Er schätze, dass in zwei bis drei Jahren dies der günstigste Weg sein werde, um Rechenleistung für Künstliche Intelligenz zu generieren, schrieb er in einem Blogeintrag.

Zunächst wird der Deal es Musk aber ermöglichen, xAI mit Milliarden aus den Kassen von SpaceX zu versorgen. Die KI-Firma hat einen hohen Kapitalverbrauch.

SpaceX und xAI sind beides nicht an der Börse notierte Unternehmen, was eine Fusion erleichtert. Dem Finanzdienst Bloomberg zufolge wurde bei SpaceX aber auch ein potenzieller Zusammenschluss mit Tesla durchgespielt. Für SpaceX steht ein möglicher Börsengang in diesem Jahr im Raum, bei dem die Firma mit bis zu 1,5 Billionen Dollar bewertet werden könnte.

Nasa’s Kennedy Space Center in Florida: SpaceX und xAI sollen fusionieren. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Trump verkündet Handelsdeal mit Indien

Gerade erst hat die Europäische Union ihr Handelsabkommen mit Indien abgeschlossen, prompt hat auch Donald Trump einen „Handelsdeal“ mit dem bevölkerungsreichsten Land der Erde verkündet. In einem Post auf Truth Social avisierte er, die von ihm verhängten Zölle gegen Indien von 25 auf 18 Prozent zu reduzieren. Im Gegenzug habe der indische Regierungschef Narendra Modi in einem Telefonat zugesagt, Zölle und andere Handelshemmnisse für US-Produkte auf null zu reduzieren und deutlich mehr amerikanische Güter zu kaufen.

Der US-Präsident verband die Ankündigung in seinem Post mit der Aussage, dass Modi zugestimmt habe, kein russisches Öl mehr zu beziehen und stattdessen deutlich mehr Öl aus den USA und möglicherweise Venezuela zu kaufen. Trump:


Das wird dazu beitragen, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Vorsicht ist angeraten. Laut Trump hatte Modi ihm bereits im Oktober versichert, dass sein Land kein Öl mehr aus Russland kaufen werde. Eine Bestätigung aus Indien gab es dafür nie. Auch dieses Mal äußerte sich der indische Premierminister auf „X“ zwar erfreut, dass die Zölle sinken sollen. Ob Indien tatsächlich kein Öl mehr aus Russland beziehen wird, ließ er aber erneut im Unklaren.

US-Präsident Donald Trump (r.) und Indiens Premierminister Narendra Modi auf einer Konferenz im vergangenen Jahr: Nun haben sie sich auf ein Handelsabkommen geeinigt. Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Merz: Mercosur wird vorläufig angewandt

Wir kommen zum nächsten Handelsdeal: Das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird nach Einschätzung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch vor Abschluss einer Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof angewandt werden können. „Nach heutigem Stand haben die Versuche, es doch noch auf den letzten Metern zu verzögern, nämlich im Europäischen Parlament, keinen Erfolg“, sagte Merz beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse. „Es wird ein vorläufiges Inkrafttreten dieses Handelsabkommens geben, in dem Augenblick, wo der erste südamerikanische Staat es ratifiziert.“

Goldcrash verheißt nichts Gutes für Aktien

Die Preise für Gold, Silber und Platin haben am Montag ihre Talfahrt fortgesetzt – wenn auch gegenüber Freitag in verringertem Tempo. Der Goldpreis fiel bis zum Montagmorgen gegenüber dem Rekordstand vom vergangenen Donnerstag um zeitweise mehr als 20 Prozent, von 5595 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm) auf etwa 4400 Dollar. Im Verlauf des gestrigen Handelstags stabilisierte sich der Preis bei rund 4750 Dollar pro Unze.

Experten zufolge hatte sich die Edelmetallrally in den vergangenen Wochen von fundamentalen Markttrends entkoppelt – auch getrieben durch eine Schar von Privatanlegern, die mit gehebelten Wetten die Preise auf immer neue Höhen trieben. So brauchte es nur einen kleinen Auslöser, um Panik bei den Anlegern zu verursachen.

Dieser Auslöser kam, als Trump überraschend Kevin Warsh für den Vorsitz der US-Notenbank Fed nominierte. Trump hatte monatelang niedrigere Zinsen gefordert. Aus Sorge vor einem schwachen Dollar waren Gold und Silber daraufhin stark gestiegen. Warsh gilt jedoch eher als ein Verfechter einer straffen Geldpolitik. Viele Anleger wurden mit ihren Wetten auf steigende Gold- und Silberpreise daher auf dem falschen Fuß erwischt.

Gold, Silber und Bitcoin: Die Edelmetalle und die Kryptowährung verzeichnen seit Freitag deutliche Verluste. Foto: Getty Images [M]

Der unabhängige Analyst Ed Yardeni sieht in der Entwicklung am Terminmarkt den eigentlichen Grund für den Ausverkauf:


Diese zwang viele Teilnehmer dazu, ihre Positionen in den letzten Handelsstunden am Freitag zu liquidieren, was zu einer Beschleunigung des Preisverfalls beitrug.

Junge Union will Einbürgerung erschweren

Manchmal kommt es mir vor, als arbeite die CDU im Vorfeld ihres Bundesparteitags sehr diszipliniert an einem Programm mit dem Titel „Wir wollen unsere alte Bundesrepublik zurück“. Nachdem die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) bereits ein Ende des Rechts auf „Lifestyle-Teilzeit“ verlangt hatte, fordert nun die Junge Union (JU) eine Verschärfung des Staatsbürgerschaftsrechts. In einem Parteitags-Antrag spricht sich die Nachwuchsorganisation dafür aus, die unter der Ampelkoalition eingeführten Regeln für erleichterte Einbürgerungen in Deutschland weitgehend zurückzunehmen. Das Papier liegt Handelsblatt-Reporter Dietmar Neuerer vor.

Konkret, so heißt es darin, müsse „die regelmäßige Zeit bis zur Einbürgerung wieder auf acht Jahre erhöht werden“.

Teile der Ampel-Reform hat Schwarz-Rot bereits zurückgenommen, etwa die „Turbo-Einbürgerung“ nach nur drei Jahren Aufenthalt in Deutschland bei besonders guter Integration. Die Verkürzung der regulären Frist auf fünf Jahre gilt jedoch weiter.

Verschärfen möchte die Junge Union auch die Anforderungen bei Sprachkenntnissen und Weltanschauung. Es brauche „eine wirksamere Prüfung“, damit die Staatsangehörigkeit nur Personen erhielten, „die mit den Grundsätzen unserer Verfassung und den zentralen Wertentscheidungen unserer Gesellschaft übereinstimmen“.

Meine Meinung: Solch eine Prüfung sollte es in jedem Fall geben. Aber würden dabei nach acht Jahren wesentlich mehr Antidemokraten auffliegen als nach fünf? Und ist die Einbürgerungsfrist angesichts der vielen Mängel in unserer Migrationspolitik wirklich der drängendste?

Wichtiger erscheint mir, dass jeder Neudeutsche das Wort „Symbolpolitik“ korrekt buchstabieren kann. Sonst wird das nie was mit der Integration.

JU-Chef Johannes Winkel (M.) mit Fraktionskollegen im Bundestag: Warnung vor Einbürgerung aus Asyl. Foto: Michael Kappeler/dpa

Tabak-Mogul auf Abwegen

Zollfahnder haben in einer Wohnung im bayerischen Landkreis Amberg-Sulzbach eine selbstgebaute Zigarettenmaschine beschlagnahmt. Ein 40-Jähriger soll die Eigenkonstruktion betrieben haben, um mutmaßlich unversteuerten Tabak in den eigenen vier Wänden zu verarbeiten. Die kleine, vollautomatische Maschine konnte den Angaben zufolge 500 Zigarettenhülsen pro Stunde mit Tabak befüllen. Der Beschuldigte soll die fertigen Zigaretten in Schachteln einer von ihm erfundenen Marke gesteckt und vertrieben haben.

Die hier demonstrierte Verbindung von Gründergeist, Tüftlergen, Marketing-Expertise und ethischer Flexibilität erscheint mir außergewöhnlich. Nach Verbüßung seiner Strafe sehen wir den Täter hoffentlich als Kandidaten bei „Höhle der Löwen“ wieder.

Ich wünsche Ihnen einen Dienstag, an dem sich was dreht.

Herzliche Grüße

Ihr

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Christian Rickens

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