Pharma: Risikoreduktion „bemerkenswert“: Neuer Schlaganfall-Wirkstoff verspricht Milliardenumsätze für Bayer

Pharma: Risikoreduktion „bemerkenswert“: Neuer Schlaganfall-Wirkstoff verspricht Milliardenumsätze für Bayer

Düsseldorf. Die Bayer AG kann auf die zügige Zulassung eines neuen Medikaments mit Milliardenpotenzial hoffen. Der Konzern legte am Donnerstag starke Ergebnisse in finalen Tests für den Wirkstoff Asundexian vor. Das Mittel soll erneute Schlaganfälle bei Herzerkrankten verhindern und könnte Nachfolger des bisherigen Bayer-Bestsellers Xarelto werden.

Das potenzielle Medikament ist einer von fünf Hoffnungsträgern, mit denen Bayer die Pharmasparte in den kommenden Jahren wieder auf Wachstumskurs bringen will. Im November 2025 hatte Bayer bereits angekündigt, dass Asundexian in Tests gut abschnitt. Die Aktie legte daraufhin um elf Prozent zu. Jetzt könnten die Detailergebnisse den Kurs noch einmal bewegen.

Laut Bayer reduzierte der Wirkstoff das Risiko einer bestimmten Art von Schlaganfällen bei den Testpatienten um 26 Prozent. Diese Höhe erfüllt die behördlichen Anforderungen an neue Wirkstoffe, die eine substanzielle Wirkung zeigen müssen.

In der entscheidenden dritten Testphase werden die Mittel an Tausenden Patienten weltweit getestet. Studienleiter Ashkan Shoamanesh vom Population Health Research Institute nannte die erzielte Risikoreduktion „bemerkenswert“.

Asundexian überrascht auch deswegen, weil der Wirkstoff unter Analysten eigentlich schon als abgeschrieben galt. Bayer hatte im Herbst 2023 finale Tests in einer anderen Anwendung abbrechen müssen, weil sich keine ausreichende Wirkung zeigte.

Damals war die Bayer-Aktie anschließend um zehn Prozent eingebrochen. Das Mittel war zu der Zeit für Patienten mit Herzrhythmusstörung konzipiert, bei denen das Schlaganfallrisiko sehr hoch ist.

Danach haben sich die Bayer-Forscher auf eine andere Therapie konzentriert: die Vorbeugung sogenannter ischämischer Schlaganfälle. Sie entstehen durch eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns, die meist durch den Verschluss einer Arterie verursacht wird. Überlebt ein Mensch dies, ist das Risiko eines erneuten Schlaganfalls sehr hoch.

Das Verkaufspotenzial mit Millionen weltweit Erkrankten ist groß. Das Medikament stellt Bayer vor allem deswegen hohe Umsätze in Aussicht, weil es bisher in der Therapie noch kein vergleichbar einsetzbares Mittel gibt. Die Leverkusener hätten also den „First-Mover-Advantage“ in einem Multi-Milliardenmarkt.

Experten zeigten sich am Donnerstagabend beeindruckt von den vorgelegten Ergebnissen. Die Daten seien „sehr überzeugend“ hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit, sagte Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. Die Analysten der Bank of America unterstrichen ihre Kaufempfehlung für die Bayer-Aktie.

Bayer selbst bleibt vorsichtig und spricht von einem Wirkstoff mit Blockbuster-Potenzial. So werden Medikamente genannt, die mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz erzielen können. Analysten rechnen aber mit deutlich mehr und schätzen das Potenzial auf mehr als drei Milliarden Dollar.

„Das größte Produkt, das Bayer je hatte“ – Dax-Konzern erwartet Milliardenumsatz mit Krebsmittel

Zunächst muss Asundexian aber das Zulassungsverfahren durchstehen. Bayer will die Unterlagen dazu schnellstmöglich bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA einreichen. Die Behörde hatte dem Wirkstoff zuvor schon einen „Fast-Track-Status“ gegeben, wodurch er bevorzugt bereits in der Testphase von den Prüfern begleitet wird. Einen solchen Status bekommen Wirkstoffe bei Erkrankungen, für die es bislang keine wirksame Therapie gibt.

Deswegen könnte die FDA Asundexian einen bevorzugten und schnellen Zulassungsprozess einräumen. Dann könnte das Mittel noch dieses Jahr auf den Markt kommen, andernfalls 2027.

Vorteilhaft dürfte sich ebenso auswirken, dass Asundexian in den Tests keine schwerwiegenden Nebenwirkungen zeigte. Forscher sprechen dann von einem starken Sicherheitsprofil, was ebenfalls relevant für eine schnelle Zulassung ist.

Bayer-Standort Wuppertal: Hier ist die Forschung des Konzerns an neuen Herz-Kreislaufmitteln konzentriert. Foto: dpa

Allerdings könnte Bayer bei dieser speziellen Schlaganfallvorbeugung nicht lange der einzige Anbieter sein. Der US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb hat einen Wirkstoff in der Testphase, der medizinisch im Körper nach dem gleichen Prinzip therapiert. Jedoch liegen für das Präparat Milvexian noch keine Ergebnisse aus den Testreihen vor. Diese werden frühestens 2027 erwartet.

Bayer könnte mit einem Asundexian-Erfolg seine jüngste positive Entwicklung in der Pharmasparte fortsetzen. Der Konzern braucht umsatzstarke neue Medikamente, weil bei mehreren bisherigen Bestsellern die Patente auslaufen und Generikakonkurrenz die Umsätze drückt.

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Bei dem Topprodukt Xarelto zeigt sich das deutlich: 2024 kam der Gerinnungshemmer auf einen Erlös von 3,5 Milliarden Euro, in den ersten neun Monaten 2025 ist der Umsatz um 30 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gefallen. Beim zweiten Bestseller, dem Augenmedikament Eylea, laufen ebenfalls Patente aus.

Zwei neue und stark wachsende Medikamente hat Bayer bereits gut am Markt positioniert: das Krebsmittel Nubeqa und das ­Nierenmedikament Kerendia. Nubeqa wird mittlerweile ein Spitzenumsatz von vier Milliarden Euro zugetraut. Auch ein in den USA und Europa zugelassenes neues Bayer-Mittel gegen Beschwerden von Frauen in den Wechseljahren könnte mehr als eine Milliarde Euro Umsatz einbringen.

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