Endlich mehr Aufträge in der Industrie: Kommt jetzt die große Wirtschaftswende?
30 Prozent Plus in der Metall-Branche ++ Arbeitgeber-Chef mahnt Reformen an
Licht am Ende des Tunnels am Container-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen? Es gibt wieder mehr Aufträge für die deutsche Industrie
Berlin – Ist das schon die große Wirtschaftswende? Die deutsche Industrie freut sich plötzlich über immer mehr Aufträge. Im Dezember erhielten die Unternehmen im vierten Monat in Folge mehr Bestellungen – die Zahl stieg gemessen am Vormonat um 7,8 Prozent. Der Auftragseingang im 4. Quartal 2025 lag sogar fast 10 Prozent höher als im 3. Quartal.
Dafür sorgte vor allem die Metallindustrie (u.a. Rüstung): Hier legten die Aufträge um 30 Prozent zu, im Maschinenbau um 11,5 Prozent. Ökonomen sprechen schon von einer „Trendwende“. Ist die Krise endlich überwunden?
Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm (54) mahnt: Jetzt kommt es auf die Politik an wie nie zuvor. „Ohne Reformen, die den Anstieg der Staatsausgaben begrenzen und Wachstum dauerhaft auslösen, wird es unangenehm“, sagt die Ökonomin zu BILD. Schon 2029 würden die Staatseinnahmen nur für Verteidigung, Zinsen und Soziales reichen. Alles andere? Nur mit neuen Schulden!
Das Problem: Nachdem Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) 2026 zu einem „Aufschwung- und Wachstumsjahr“ machen will, wurde zum Jahresbeginn jeder Reformvorschlag von der Regierung gebremst oder ganz kassiert. Kanzleramtschef Thorsten Frei (52, CDU) dämpfte im „Tagesspiegel“ etwa die Hoffnung auf eine schnelle Steuerreform. Nun wächst in der Wirtschaft die Ungeduld. Grimm warnt: „Die Bundesregierung verweigert sich mit dem Hinausschieben von Reformen der Realität.“
Bleibt das Auftrags-Plus der Industrie also nur eine Momentaufnahme?
Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger: „Das schadet unserem Land“
Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger (61) sagt mit Blick auf die ausbleibenden Reformen zu BILD: „Aktuell wird fast alles in einem populistischen Reflex mit Blick auf die Landtagswahlen zurückgewiesen. Das schadet unserem Land.“ Nur mehr Arbeit schaffe Wachstum und soziale Sicherheit: „Das muss endlich jedem in der Koalition bewusst werden“, warnt der BDA-Chef.
Bundeskanzler Friedrich Merz mit BDA-Boss Rainer Dulger (l.)
Deutschland brauche einen starken Aufschlag für mehr Arbeit: „Der Staat muss jedem mehr von seinem Lohn lassen. Der Anstieg beim Nettoklau muss endlich ein Ende haben.“ Die Logik laut Dulger: „Wer mehr von seinem Geld behalten darf, geht auch lieber zur Arbeit. Dazu sind Steuersenkungen und niedrigere Sozialabgaben nötig.“
Die Politik müsse dafür sorgen, dass sich Arbeit in Vollzeit lohnt: „Das bedeutet auch eine Reform beim Recht auf Teilzeit. Die Regelung aus dem Jahr 2001 ist aus der Zeit gefallen. Nötig ist auch ein schlankerer Staat. Deutschland braucht weniger Bürokratie und weniger Bürokraten.“
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