Sasha: „Ich war eine Maschine, habe nur funktioniert“
Dick Brave ist zurück. Sashas Kunstfigur, die ihn einst therapierte, wie er heute zu BUNTE.de sagt.
Zwölf Jahre ließ er auf sich warten. Jetzt ist Sasha (54) als Dick Brave zurück, back. „Back for good“, so auch der Titel seines neuen Doppelalbums. Dick Brave ist seit mehr als zwanzig Jahren sein Alter Ego: ein Rockabilly-Sänger mit kanadischem Akzent, der jetzt mit Elvis-Tolle und Hüftschwung in Deutschland seine Karriere ankurbeln will.
Sasha ist nach zwölf Jahren Pause als Dick Brave zurück
Er war es auch, der Sasha einst gerettet hat. „Es klingt ein bisschen schizophren, aber es hat gutgetan, sich eine Kunstfigur anzulegen“, gesteht Sasha lachend im BUNTE.de-Interview – und reist dann mit uns zurück in die späten 90er und frühen 2000er.

Zeitsprung: Mit „If you believe“ wird Sasha zum Teenie-Star
1998. Sashas Jahr. Mit der Ballade „If you believe“ gelingt dem damals 26-Jährigen der Durchbruch. Über eine halbe Million Mal geht die Single über die Ladentheke – und Sasha wird zum globalen Teenie-Schwarm. Das Cover der deutschen Bravo ziert er nach eigenen Angaben 17-Mal. Kreischende Mädchen warten überall auf der Welt auf ihren Helden: in Italien, Griechenland, Frankreich, Skandinavien, ja, sogar in Asien.
„Ich habe fünf Jahre lang auf der Überholspur gelebt. Ich war überall auf der ganzen Welt: in Amerika, Thailand, in ganz Europa. Es war wirklich eine krasse Zeit, es war eine geile Zeit – aber das Pensum war hoch. Und obwohl ich dachte, ich sei darauf vorbereitet – ich war ja damals bereits Anfang 30 –, konnte ich irgendwann nicht mehr“, erinnert sich der heute 54-Jährige im Gespräch mit BUNTE.de.

Ein Leben auf der Überholspur: „Ich habe nur noch funktioniert“
„Ich war eine Maschine und habe nur noch funktioniert. Das Problem war nur, dass ich mir das lange Zeit nicht eingestehen wollte. Weil wenn du endlich da bist, wovon du schon immer geträumt hast, dann zu sagen ‚Ich lege eine Pause ein‘, das ist schon ein krasser Schritt.“
Sasha schaut reflektiert zurück und sagt: „Heute würde man meinen Zustand wahrscheinlich als Burnout bezeichnen, damals gab es den Begriff noch nicht. Ich würde nicht so weit gehen, dass es schon eine Depression war – davor habe ich zum Glück rechtzeitig selbst die Bremse eingelegt. Aber es war schon so schlimm, dass Leute, die mich gut kannten, nach Veranstaltungen wie ‚The Dome‘ zu mir kamen, mir die Hand auf die Schulter legten und fragten: ‚Geht’s dir gut?'“

Sasha stand vor dem Burnout – er zog die Reißleine
Doch es ging Sasha nicht gut. Ihm fehlte, „zwischendurch innezuhalten. Immer mal wieder sacken zu lassen, was ich gerade mache“. Er zieht die Reißleine, wohl eher die Notbremse. „Ich habe gesagt, ich mache ein Jahr lang Pause. Ich dachte ehrlicherweise die Plattenfirma und mein Management würden mir sagen, dass ich bescheuert bin – aber das Gegenteil war der Fall. Und das hat mich dann noch einmal in meiner Entscheidung bestärkt.“
Doch es sollte alles anders kommen.
Wie aus Sasha seine Kunstfigur Dick Brave wurde
Sasha zu BUNTE.de: „Eigentlich wollte ich bis zum Jahresende einfach mal nichts tun und dann im darauffolgenden Jahr reisen gehen. Endlich mal alle Orte, die ich bisher nur im Schnelldurchlauf gesehen habe, richtig erleben. Aber es kam anders. Am Ende des Jahres hatte ich immer ein Weihnachtskonzert für 150 Leute – Freunde, Geschäftspartner, Fans. Und ich spürte plötzlich, ich will da nicht als Sasha auftreten. Also habe ich mir überlegt, ich mache Rock’n’Roll. Nur für diesen einen Abend. Aus einem Auftritt wurden zwei – und der Rest ist Geschichte.“
Die Geschichte: Sasha erfindet 2002 seine Kunstfigur Dick Brave, um „vom Popstar Sasha abzulenken“. Erst nur für einen Abend, doch sein Publikum liebt den längst vergessenen Rockabilly-Sound. Liebt ihn so sehr, dass Sasha weitermacht, eine Platte macht. „Dick This!“ erreicht 2003 Platz 1 der deutschen Charts, wird mit Doppelplatin ausgezeichnet.

„Dick Brave war meine Therapie“
„Ich kannte den Hype um Sasha – aber mit Dick Brave habe ich das noch einmal intensiver erlebt. Wahrscheinlich, weil die Idee aus einer Laune heraus entstanden ist und ich niemals damit gerechnet hatte, dass daraus so etwas Großes werden würde“, sagt der Sänger heute zu BUNTE.de.
Und wenngleich der Hype wieder da war. Es war ein anderer. Ein gesünderer für Sasha. „Ich weiß nicht, ob mir eine Auszeit besser getan hätte – ich habe es ja nicht so weit kommen lasse, aber ich weiß, dass Dick Brave meine Therapie war. Das war nicht gewollt, aber es kam so.“ Der Grund erklärt er BUNTE.de so: „Es klingt ein bisschen schizophren, aber es hat gutgetan, sich eine Kunstfigur anzulegen. Dick Brave hat vom Popstar Sasha abgelenkt. Das, was ich nach außen präsentiert habe, hatte so wenig mit Sasha zu tun – und gleichzeitig war der Kern aber so viel ich. Die Liebe zum Rock’n’Roll kommt ganz klar aus Sasha. Elvis war die erste Platte, die ich selbst auf den Plattenteller gelegt habe.“

Was Ehefrau Julia mit dem Comeback von Dick Brave zu tun hat
Und weiter: „Dick Brave hat mir aus meiner dunklen Phase herausgeholfen und mich auch danach noch begleitet. Selbst als ich wieder Sasha auf der Bühne war, war Dick Brave noch da – beziehungsweise das, was ich in dieser Zeit gelernt habe. Wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu hören, wieder Dinge selbst in die Hand zu nehmen.“
Jetzt ist Dick Brave zurück im Rampenlicht. Warum gerade jetzt, will BUNTE.de wissen. „Ich kann es nicht sagen. Das Bauchgefühl hat einfach gestimmt. Und meine Frau hat das instinktiv gemerkt. Als ich mich noch nicht wirklich getraut habe, es laut auszusprechen, hat sie es zum Thema gemacht. Und ich war so dankbar dafür, denn ich habe wieder richtig Bock.“

Das Schöne sei, er würde dort anfangen, wo er aufgehört habe. „Natürlich liegen zwölf Jahre dazwischen und Dick Brave ist auch älter geworden. Aber das Gefühl, diese Leichtigkeit, das ist noch immer da. Die Musik hält einfach jung und passt in jede Zeit – und zu jeder Generation. Jeder, der nur ein bisschen Affinität zu Musik hat, der kann was mit Rock’n’Roll anfangen.“



