7 Mio. für 7 Kurzfilmchen: Boah, Bahn! Ist das teuer
BILD exklusiv: SPD kritisiert Kosten für Kampagne mit Anke Engelke
Teure Werbefilmchen: TV-Star Anke Engelke (60) spielte die Hauptrolle in der Image-Kampagne „Boah, Bahn“, stellte die Serie im Oktober vor
Berlin – TV-Star Anke Engelke sollte das ramponierte Image der Bahn mit lustigen Werbefilmchen aufpolieren. Das ging nach hinten los. Die Komikerin spielte in der Miniserie „Boah, Bahn“ Zugchefin Tina, die mit typischen Problemen wie Zugverspätungen oder kaputten Kaffeemaschinen im Bordbistro kämpft. Als die Kampagne im Oktober auf dem Youtube-Kanal der Deutschen Bahn (DB) veröffentlicht wurde, fanden viele die Selbstironie witzig. Doch seit Verkehrspolitiker wissen, wie viele Millionen die Filmchen gekostet haben, bleibt ihnen das Lachen im Hals stecken.
Aus dem PR-Coup wird ein Image-Schaden: BILD erfuhr exklusiv, dass die Kampagne „Boah, Bahn“ den Staatskonzern mehr als 7 Millionen Euro gekostet hat. Viel Geld für 7 Kurzfilmchen mit Hauptdarstellerin Engelke (1:50 bis 3 Minuten lang), plus Bahnsong (2:34 min), die der Konzern auf seinen Social-Media-Kanälen (Instagram, Youtube) zeigte.
SPD-Innenexperte Sebastian Fiedler (52) will die PR-Kosten im Bundestag zum Thema machen
Und so taten Verkehrsministerium und Bahn alles, um die Millionenkosten geheimzuhalten. Im Verkehrsausschuss gab es nach BILD-Informationen bereits direkt nach Veröffentlichung der Werbeclips Gegrummel. Denn die Bahn hatte kurz vorher die günstige Familienreservierung gestrichen (5,50 Euro für die Sitzplätze der gesamten Familie).
Im Dezember wollte ein Abgeordneter der Linksfraktion in der Fragestunde des Bundestags vom Verkehrsministerium wissen, wie hoch die Kosten waren. Staatssekretär Ulrich Lange (56, CSU) erklärte: „Die Offenlegung der Information kann wirtschaftliche und finanzielle Nachteile für die DB AG zur Folge haben.“
Deshalb hinterlegte das Ministerium die Information in der Geheimschutzstelle. Damit darf kein Abgeordneter, der sich das vertrauliche Schriftstück mit der Geheim-Summe angeschaut hat, darüber reden.
BILD wurde aus mehreren Quellen bestätigt, dass der Staatskonzern für „Boah, Bahn“ mehr als 7 Millionen Euro zahlte. Diese Summe sorgt in der Politik nun für Wut. Besonders seit in dieser Woche der Schaffner Serkan C. (†36) von einem Schwarzfahrer totgeprügelt wurde. Und niemand mehr die Sicherheitsgefahren für das Bahnpersonal und die Fahrgäste ignorieren kann.
Die SPD-Fraktion fordert jetzt Konsequenzen! Der innenpolitische Sprecher Sebastian Fiedler (52) zu BILD: „Angesichts der eklatanten Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn ist es ein Skandal, dass der Vorstand so viele Millionen Euro für lustige Werbeclips ausgibt. Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können. Das ganze Thema wird im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags ein Nachspiel haben.“
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese (42) kritisiert: „Für die Familienreservierung fehlt das Geld, aber für Imagewerbung werden Millionen ausgegeben?“ Er hofft, dass es „jetzt doch noch ein Umdenken bei der Familienreservierung gibt“.
Der Chef für den Fernverkehr, Michael Peterson (55), hatte die Comedy-Filmchen mit Engelke als „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeiter“ gelobt. Doch die sind angesichts der Kosten angesäuert. Der Chef der Bahngewerkschaft EVG, Martin Burkert (61), fragt mit Blick auf die gezahlten 7 Millionen Euro, „ob nicht die Sanierung aller Pausenräume oder eine flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre“.
Das Verkehrsministerium von Patrick Schnieder (57, CDU) schiebt alle Verantwortung für „Boah, Bahn“ auf den Konzern. Ein Sprecher betont: „Der Bereich Marketing obliegt allein dem operativen Geschäft der DB AG.“
Und die Bahn? Die erklärt zwar, dass sich das Budget für die Werbefilmchen im Rahmen vergleichbarer Kampagnen in der Branche bewege. Aber die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla (52) und ihr frisch berufener Kommunikationschef Jens-Oliver Voß stoppten eine nach BILD-Informationen geplante zweite Staffel.
Bahnsprecher Voß zu BILD: „Es wird 2026 keine Fortsetzung der Serie ,Boah, Bahn‘ geben. Eine Fortsetzung der Kampagne passt nicht in die Zeit.“ Für Schaffnerin Anke Engelke ist der Zug abgefahren …
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