Fan-Protest gegen Ex-St.-Paulianer

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Fabian Hürzeler hat in Brighton einen kritischen Punkt in seiner noch jungen Trainerlaufbahn erreicht. Nach der nunmehr fünften sieglosen Partie seit dem Jahreswechsel hallen die gnadenlosen Buhrufe der Seagulls-Fans noch nach. Die Ausbrüche der Anhänger markieren für den früheren Erfolgscoach des FC St. Pauli den „schwierigsten Moment“ in seiner Karriere, wie Hürzeler nach dem 0:1 gegen Erzrivale Crystal Palace bekundete.
Bei seinen Spielern bemerkte Hürzeler nach der Enttäuschung vom Sonntag im eigenen Stadion einen Verlust des Selbstvertrauens. Die Kritik der Fans nahm er hin. „Es ist in Ordnung, wenn sie mich dafür verantwortlich machen, denn ich trage die Verantwortung. Hauptsache, sie stehen hinter der Mannschaft.“
In der Tat galt der Ärger der Fans nicht den Spielern, die demonstrativ beklatscht wurden. Hürzeler dagegen wurde bei quasi jeder Gelegenheit ausgebuht. Er wisse nicht, was er tue, skandierten die Anhänger. Am Morgen fliege er raus. „Ich denke, jeder kann sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn 25.000 Menschen etwas fordern und dabei an dich denken. Das ist keine einfache Situation“, erklärte Hürzeler. „Aber es gibt nur zwei Möglichkeiten: aufgeben oder noch härter kämpfen. Deshalb sitze ich hier, denn ich gebe niemals auf.“
Noch im Dezember rühmte Brightons Sportdirektor Jason Ayto den Trainer. „Er ist so talentiert, so hungrig zu lernen“, sagte der Funktionär über Hürzeler. „Wir haben wirklich, wirklich Glück, einen Trainer von seinem Kaliber zu haben.“ Allerdings könnten Hürzeler schon bald die Argumente ausgehen. Nach Platz acht in der letzten Saison und bei Ausgaben für neue Spieler von 363 Millionen Euro seit Hürzelers Ankunft, gingen die Blicke der Verantwortlichen klar nach oben.
Stattdessen versinkt man an der englischen Südküste gerade im Niemandsland der Tabelle. Brighton gehört zu den formschwächsten Teams der Premier League. Nimmt man nur die Spiele seit Jahresbeginn, liegt der BHAFC nur knapp vor einem Abstiegsplatz (zur Jahrestabelle). Sechs Punkte holte Hürzeler mit seinem Team in den sechs Ligapartien 2026. Drei Teams sammelten noch weniger Zähler. In den vergangenen zwölf Partien seit Dezember gewann Brighton zudem nur ein einziges Spiel in Englands Eliteliga, fünf gingen verloren.
Hürzeler hatte während seiner Zeit beim FC St. Pauli für internationales Aufsehen gesorgt. In Hamburg startete er zunächst als 27-Jähriger im Trainerteam von Chefcoach Timo Schultz, den er im Dezember 2022 beerbte. Auf dem Kiez legte er sogleich einen Klubrekord vor: Die ersten zehn Zweitliga-Spiele gewann der FCSP unter Hürzeler. Der Punkteschnitt blieb im Saisonverlauf hoch, reichte aber nicht aus, um die schwache Ausgangslage in einen Aufstieg münden zu lassen. Der Sprung in die Bundesliga gelang dafür eine Saison später als Zweitliga-Meister 2023/24. Brighton zahlte daraufhin eine Ablöse von dem Vernehmen nach 7,5 Mio. Euro für einen Wechsel des damals 31-Jährigen. Nach 74 Spielen verbucht Hürzeler noch immer den besten Punkteschnitt aller Brighton-Trainer seit dem Aufstieg 2017.



