Entire: Ex-Github-Chef Dohmke sammelt 60 Millionen Dollar für neue Entwickler-Plattform ein

Entire: Ex-Github-Chef Dohmke sammelt 60 Millionen Dollar für neue Entwickler-Plattform ein

Entire heißt das Start-up, das nichts Geringeres werden soll als „die nächste globale Entwicklerplattform“, wie er im Gespräch mit dem Handelsblatt sagt. Entire baut ein Open-Source-Tool, mit dem Menschen und KI-Agenten effizienter gemeinsam Code erstellen und verwalten können.

Die Finanzierung steht: 60 Millionen Dollar gaben Investoren im Rahmen einer sogenannten Seed-Runde, wie die erste größere Frühfinanzierung bezeichnet wird. Entires Bewertung liegt bei 300 Millionen Dollar.

Zu den Investoren gehören mehrere bekannte Namen aus dem Silicon Valley. Angeführt wird die Runde vom Wagniskapitalgeber Felicis aus San Francisco, unterstützt von Madrona, Microsofts Finanzierungsarm M12 und Basis Set.

Hinzu kommt eine Riege internationaler Geldgeber: die deutschen Gründer Oliver und Alexander Samwer mit ihren Fonds Global Founders Capital und People’s Capital, Y-Combinator-Chef Garry Tan, Datadog-Gründer Olivier Pomel sowie der deutsche Wagniskapitalgeber Cherry Ventures. Auch Jerry Yang, Mitgründer von Yahoo, ist dabei.

Ein Drittel des Teams sitzt in Europa

„Wir haben starke europäische Wurzeln mit deutschen Wagniskapitalgebern und Gründern aus verschiedenen europäischen Ländern“, sagt Dohmke. Das Start-up sei international angelegt. So sitze von den heute 15 Mitarbeitern ein Drittel in der EU, ein weiteres Drittel in Australien und ein Drittel in den USA. Dohmke selbst pendelt zwischen Seattle und Stuttgart.

Dohmke hatte einst „HoeckeyApp“ gegründet, eine Plattform für App-Entwickler. Nach deren Verkauf an Microsoft machte er Karriere beim Konzern aus Redmond bei Seattle. Als Chef der Tochter Github war er einer der prominentesten Deutschen in der US-Tech-Industrie.

Die bei Github gewonnenen Erfahrungen will Dohmke nun bei Entire einbringen. Die Idee: Die bisherigen Entwicklerplattformen seien für eine Welt gemacht, in der Menschen mit Menschen zusammenarbeiten. Doch diese Zeit sei vorbei.

„Wir leben in einem Agenten-Boom“, erklärt Dohmke mit Bezug auf die gleichnamigen vollautonomen Programme auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI). „Agenten können massive Mengen an Code schneller generieren, als das ein Mensch nachvollziehen könnte“, sagt Dohmke. „Die Wahrheit ist: Unser manuelles System der Softwareprogrammierung war niemals für die KI-Ära konzipiert.“

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Die Vision des 47-Jährigen ist daher eine Plattform, die von Grund auf für die Zusammenarbeit von Menschen und KI-Agenten gebaut ist. Drei Ebenen sollen das ihm zufolge möglich machen: eine Datenbank, die nicht nur Code speichere, sondern auch den Kontext der Agenten. Eine semantische Ebene, die allen Beteiligten institutionelles Wissen zugänglich mache. Und eine KI-basierte Benutzeroberfläche, die die Softwareentwicklung vereinfache.

Erste Open-Source-Veröffentlichung

Bereits zum Start veröffentlicht Entire ein erstes Open-Source-Projekt namens „Checkpoints“. Das quelloffene Tool erfasst automatisch den Kontext von KI-Agenten wie Claude Code von Anthropic oder Gemini CLI von Google und speichert ihn zusammen mit dem generierten Code in sogenannten Git-Repositories. „Drei Jahre später kann man immer noch nachvollziehen, warum der Agent eine Codezeile so geschrieben hat“, sagt Dohmke.

Die Plattform soll dezentral funktionieren – ein wichtiger Aspekt für europäische Kunden. „Unternehmen können entscheiden, in welchen Clustern sie ihr geistiges Eigentum speichern wollen“, sagt Dohmke. Das Thema Datensouveränität spiele besonders für deutsche Konzerne eine wichtige Rolle.

Dass Microsoft über M12 investiert, sieht Dohmke als Zeichen der guten Beziehung zu seinem Ex-Arbeitgeber. „Ich bin im Guten gegangen“, sagt er. Schon vor seinem Abschied im August habe er mit Microsoft-Chef Satya Nadella über seine Gründungspläne gesprochen. Nadella habe positiv reagiert und Interesse an einer Partnerschaft signalisiert.

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Mit Github will Dohmke laut eigener Aussage nicht konkurrieren, mit Entire vielmehr eine neue Zielgruppe erschließen: Entwickler, die primär mit KI-Agenten arbeiten. „Github dient 180 Millionen Entwicklern mit bestehenden Prozessen. Wir bauen für eine neue Welt, in der Agenten die Mehrheit des Codes schreiben.“ Dennoch könne es natürlich „Überschneidungen“ geben, räumt er auf Nachfrage ein.

Dohmkes Ziel jedenfalls ist ambitioniert: „Dank KI werden eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten bis 2030 Software erstellen können.“

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