US-Börsen: Wall Street schließt nach Jobdaten nahezu unverändert

US-Börsen: Wall Street schließt nach Jobdaten nahezu unverändert

Düsseldorf. Die Wall Street hat ihr anfängliches Plus nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten nicht halten können. Zuvor hatten die drei Börsenbarometer in der Spitze um 0,6 bis 0,9 Prozent zugelegt.

  • Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte mit minus 0,13 Prozent bei 50.121 Punkten.
  • Der breiter gefasste S&P 500 trat mit 6.941 Zählern mehr oder weniger auf der Stelle.
  • Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag ebenfalls unverändert bei 23.066 Punkten.

Der US-Arbeitsmarkt hat sich zu Jahresbeginn viel stärker belebt als erwartet. Im Januar kamen 130.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, wie aus dem am Mittwoch vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten nur einen Zuwachs von 70.000 Stellen erwartet, nach revidiert 48.000 im Dezember. Die Arbeitslosenquote sank im Januar überraschend auf 4,3 Prozent, nach 4,4 Prozent im Dezember.

Der Arbeitsmarktbericht dämpfte Erwartungen an eine rasche Lockerung der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Mit den Daten „deutet sich eine stabile konjunkturelle Entwicklung in den USA an, die aber nicht zu voreilig als zu positiv gewertet werden sollte“, sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets. „Zum einen spielen saisonale Jahresanfangseffekte eine Rolle und zum anderen muss in einigen Fällen die Qualität der geschaffenen Jobs zumindest mal hinterfragt werden.“

US-Arbeitsmarkt belebt sich kräftig: 130.000 neue Stellen im Januar

„Ein starker Jahresbeginn. Allerdings zeigen die revidierten Beschäftigungsdaten klar, dass das Beschäftigungswachstum 2025 deutlich schwächer war als bislang bekannt“, sagt Bastian Hepperle, von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. „Im Trend dürfte eine abgeschwächte Beschäftigungsdynamik bevorstehen. Das könnte sich als Stimmungskiller für Trump erweisen, dessen Zustimmungswerte bereits sinken“, ergänzt er.

Unerwarteter Zuwachs teilweise auf statistische Effekte zurückzuführen

Ein Teil des Anstiegs lässt sich auf einen statistischen Effekt zurückführen: Üblicherweise stellen Unternehmen für das Weihnachtsgeschäft viele Aushilfen ein, die sie im Januar wieder entlassen. Dieses Jahr waren die Händler aber vorsichtiger und haben im Dezember weniger Leute eingestellt. Daher mussten im Januar auch weniger Beschäftigte entlassen werden.

Damit diese Zahlen nicht jeden Januar stark fallen, rechnen die Statistiker diesen Effekt heraus. Dieser fehlende Abbau treibt die bereinigten Zahlen künstlich nach oben.

Arbeitsmarkt erstaunt Wall Street – Mattel unter Druck

11.02.2026
Abspielen 28:30

Im Bericht wurde auch das Jobwachstum für das vergangene Jahr massiv nach unten korrigiert – von ursprünglich gemeldeten 584.000 auf lediglich 181.000 Stellen. Der durchschnittliche monatliche Zuwachs liegt damit nicht mehr bei 49.000, sondern bei nur noch 15.000 Stellen. Das macht 2025 zum schwächsten Jahr für die Schaffung von Arbeitsplätzen seit 16 Jahren.

Die schwächer als erwartet ausgefallenen US-Einzelhandelsumsätze haben am Mittwoch außerdem die Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung in den USA geschürt und den Anleihemärkten Auftrieb gegeben. Die Daten zeigten für Dezember einen Rückgang der Kernumsätze um 0,1 Prozent, zudem wurden die Zahlen für November und Oktober nach unten korrigiert.

Weitere wichtige Konjunkturdaten stehen bevor

Die laufende Handelswoche steht für Anleger im Zeichen des Mutmaßens. Den Anfang der Konjunkturdaten machten am Dienstag die Daten zum US-Einzelhandel. Dieser stagnierte vor der Jahreswende. Zu den am Mittwoch veröffentlichten Arbeitsmarktdaten kommt am Freitag der US-Inflationsbericht hinzu, von dem Marktteilnehmer sich weitere Rückschlüsse auf den künftigen Zinskurs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhoffen.

Broker und Softwarefirmen bauen Verluste aus

Der Ausverkauf im Software- und Finanzdienstleistungssektor ging indes weiter. Die Titel der Brokerhäuser Charles Schwab, LPL und Ameriprise verloren zwischen 2,9 und 3,4 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag zwischen 6,2 und 8,3 Prozent eingebüßt hatten. Für Nervosität sorgte am Dienstag die Ankündigung des Fintechs Altruist, ein neues KI-Steuerplanungstool einzuführen. Auch Software-Aktien setzten ihren Abwärtskurs fort: Der Branchenindex gab um drei Prozent nach. Der Kommunikationsdienstleister-Index notierte ebenfalls im Minus.

Die Einführung eines Plug-ins für den KI-Chatbot Claude von Anthropic, das juristische Aufgaben übernehmen kann, hatte vergangene Woche die Technologiebranche auf Talfahrt geschickt. Am Montag folgte ein Ausverkauf im US-Versicherungssektor. Auslöser war die Veröffentlichung eines KI-gestützten Vergleichstools auf der Grundlage von ChatGPT durch die Online-Versicherungsplattform Insurify.

Viele Anleger befürchten, dass Künstliche Intelligenz (KI) klassische Werkzeuge verdrängt, auf denen die Geschäftsmodelle zahlreicher Konzerne beruhen. „Im KI-Wettlauf wird es Gewinner und Verlierer geben, und ein Großteil des derzeit eingesetzten Kapitals wird abgeschrieben werden müssen“, sagte Axel Botte, Chefstratege des französischen Investmenthauses Ostrum.

Einzelwerte im Fokus

Mattel: Im Mittelpunkt bei den Einzelwerten standen Konzernbilanzen und -prognosen. Für Gesprächsstoff sorgten etwa der „Barbie“-Hersteller Mattel, dessen Aktie 25 Prozent verlor.

Total Energies: Die Papiere gewannen um knapp drei Prozent. Der Ölkonzern reduzierte seine Aktienrückkäufe auf das untere Ende seiner Prognosespanne, um die Verschuldung im Griff zu behalten, während er sich an niedrigere Ölpreise anpasst.

Moderna: Ein Rückschlag im Zulassungsverfahren für den neuen Grippeimpfstoff von Moderna lässt die Aktien des US-Biotechnologieunternehmens einbrechen. Die Titel verloren an der Wall Street 3,5 Prozent. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat es abgelehnt, den Zulassungsantrag für den Moderna-Impfstoff mit dem Namen mRNA-1010 zur Prüfung anzunehmen. Als alleinigen Grund nannte die FDA die Wahl des Vergleichspräparats in der für die Zulassung entscheidenden Studie.

Robinhood: Negativ aufgenommene Geschäftszahlen machen den Aktien des US-Onlinebrokers Robinhood zu schaffen. Die Papiere rutschten fast neun Prozent ab. Der Umsatz des Unternehmens im vierten Quartal lag mit 1,28 Milliarden Dollar rund 4,5 Prozent unter der durchschnittlichen Analystenprognose. Am stärksten unter Druck gerieten die Erlöse in Robinhoods Kryptogeschäft, die die Erwartungen um gut zwölf Prozent verfehlten.

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T-Mobile US: Eine Erhöhung der Prognose der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US für 2027 hievte die Aktien hingegen ins Plus. Die Papiere legten an der Wall Street um fünf Prozent zu, nachdem sie zuvor um rund sechs Prozent abgerutscht waren.

Ford: Ein optimistischer Ausblick ermunterte Anleger trotz eines Milliardenverlustes auch zum Einstieg bei Ford. Die Papiere des US-Autobauers rückten um zwei Prozent vor. Ford stellte für das laufende Jahr einen operativen Gewinn (Ebit) im Rahmen der Analystenerwartungen in Aussicht, obwohl der Konzern im vierten Quartal einen Nettoverlust von 11,1 Milliarden Dollar verbucht hatte. Konzernchef Jim Farley setzt neben einem strikten Sparkurs und Partnerschaften im Ausland auf die schnelle Entwicklung wettbewerbsfähigerer Modelle.

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