München – Werden die USA gegen das iranische Regime zuschlagen? Oder verhandelt Präsident Donald Trump einen Deal mit den Mullahs aus und lässt das Regime am Leben? Der bekannteste iranische Oppositionelle, Kronprinz Reza Pahlavi, hält einen Krieg für unausweichlich – und warnt den Westen vor einem gefährlichen Fehler.
Vor wenigen Tagen trafen Trumps Gesandte die Vertreter des iranischen Regimes zu direkten Verhandlungen. Die Amerikaner verlangen von Teheran, die Uran-Anreicherung zu stoppen, das ballistische Raketen-Arsenal zu begrenzen und auch die Unterstützung von Terror-Organisationen (u.a. Hamas, Hisbollah) einzustellen.
Bei MD MEETS, dem Podcast von Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner, zweifelt Pahlavi an den Verhandlungen und ruft zu einem Militärschlag gegen die Mullahs auf.
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„Sie vergewaltigen die Frauen. Sie töten die verletzten Menschen in den Krankenhausbetten.“
Die freiheitsliebenden Iraner „erwarten eine militärische Intervention, die die Unterdrückungsinstrumente des Regimes ins Visier nimmt“, erklärte der Sohn des letzten Schahs. „Das ist eine humanitäre Intervention. Das wäre fast wie eine Rettungsmission.“
Ein Krieg als Rettungsmission?
Reza Pahlavi sagte im Gespräch mit Mathias Döpfner: „Das Regime hat die Menschen mit militärischen Waffen, mit militärischen Gewehren auf den Straßen massakriert. (…) Sie setzen das Gemetzel in den Gefängnissen fort. Sie vergewaltigen die Frauen. Sie töten die verletzten Menschen in den Krankenhausbetten. Es wurden mehr als 300.000 Menschen verwundet, mehr als 40.000 eingesperrt. Den letzten Zahlen zufolge, die ich bekommen habe, gibt es mindestens 36.000 Tote. Das ist ein Völkermord.“
Mathias Döpfner und Reza Pahlavi in München bei der Sicherheitskonferenz
Ohne einen Militärschlag gegen die Anführer des Regimes sowie ihren Repressionsapparat sei ein Wandel im Iran nicht möglich. Die Menschen seien bereit, die Proteste wiederaufzunehmen – aber nicht, solange die Mullahs sie in Massen ermorden.
Pahlavi: „Es gibt keine andere Wahl, als zu intervenieren und den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu befreien. Sie können es nicht alleine tun, wenn es so viel Unterdrückung, so viele Tötungen gibt.“
Am Samstag soll in München – während der Münchner Sicherheitskonferenz – ein Großprotest iranischer Oppositioneller stattfinden. Auch Pahlavi hat dazu aufgerufen. Bis zu 100.000 Teilnehmer sind angekündigt.
„Es ist ein großes Säbelrasseln“
Die Drohungen des Regimes, im Falle eines amerikanischen Angriffs gegen US-Truppen in der Region und Israel loszuschlagen, relativiert der iranische Oppositionelle. Er spottet über „AI-generierte Videos, die zeigen, wie sie dies und jenes treffen“ – iranische Propaganda, die vor allem für die eigenen Anhänger gedacht sei. Pahlavi glaubt: „Ich denke, es ist ein großes Säbelrasseln, aber am Ende bezweifle ich, dass das Regime die Fähigkeit haben wird, etwas zu unternehmen. Insbesondere, da die Armada bereitsteht.“
Gemeint: Amerikanische Kriegsschiffe und Kampfjets, die Donald Trump in den Nahen Osten verlegen ließ, um das Regime unter Druck zu setzen – und womöglich zuzuschlagen.
Bereits in der Nähe des Iran: Der US-Flugzeugträger USS Abraham Lincoln
Pahlavi warnt Amerikaner und Europäer bei MD MEETS, ihren Glauben in Verhandlungen mit dem iranischen Regime zu setzen.
„40 Jahre lang haben die USA und ihre Verbündeten dem Regime durch diplomatische Verhandlungen eine Chance gegeben“, so der Schah-Sohn und Kronprinz. Doch ein Zusammenleben mit den Mullahs sei nicht möglich: Ihr einziges Ziel sei, „eine Ideologie zu exportieren, Extremismus und Radikalismus, die jetzt Europa verwüstet – Sie sehen es hier in Deutschland“, warnt Pahlavi. „Deswegen sagen wir: Ein Regimewechsel ist notwendig. Nicht nur, weil wir uns befreien möchten.“
„Die iranische Seite möchte nur Zeit kaufen“
Trotz der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran glaubt Pahlavi nicht an eine diplomatische Lösung: „Die amerikanische Seite möchte einen Deal. Die iranische Seite möchte nur Zeit kaufen, wie sie es immer getan hat. Sie haben immer Zeit gekauft, indem sie vorgaben, dass sie reden möchten (…) Sie haben das systematisch gemacht. Lassen Sie uns nicht wieder darauf reinfallen.“
Dass die Mullahs plötzlich doch den Forderungen zustimmen, glaubt Pahlavi nicht: „Was auch immer die Amerikaner in den Verhandlungen mit dem iranischen Regime verlangen – das Regime wird nicht einmal in die Nähe dessen kommen, was von ihnen verlangt wird.“ Sein Fazit: „Ich denke nicht, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine diplomatische Lösung dieses Problems gibt.“
Unterdrückt sein Volk und will Israel auslöschen: Irans Regime-Chef Ali Chamenei
Der Iraner macht auch den Europäern, die bis heute auf Verhandlungen mit Teheran bestehen, schwere Vorwürfe: Es war die Politik vieler Länder in Europa, „dem Regime jedes Mal eine Rettungsleine zuzuwerfen und anzunehmen, dass Verhandlungen zu einer Änderung seines Verhaltens führen würden“. Er warnt: „Das funktioniert nicht mehr.“
In einem emotionalen Appell wendet sich Reza Pahlavi an den amerikanischen Präsidenten und dessen Amtskollegen im Westen: „Sie haben der Nation die Hoffnung gegeben, dass Sie kommen werden und Hilfe unterwegs ist. Die Menschen haben dieses Versprechen geglaubt. Sie warten darauf, dass die Botschaft eingelöst wird.“
Ob auch Russland und China den Sturz der islamistischen Unterdrücker unterstützen? „Ein freier Iran wäre offen für fairen Handel auch mit Ländern wie Russland und China“, verspricht Pahlavi. „Die Frage lautet, ob Peking und Moskau mit einem demokratischen Iran einverstanden wären – im Gegensatz zu einem Iran, der von einer religiösen Diktatur geführt wird.“
Pahlavis Ziel sei ein demokratischer Iran, sagt er – mit nichts weniger gebe er sich zufrieden. Er selbst strebe keine politische Machtposition an und wolle nur als Übergangsregent dienen, bis das iranische Volk sich in freien Wahlen für ein neues System und eine neue Regierung entscheide.



