Winter-Chaos am Airport München: Passagiere ganze Nacht im Flieger gefangen
„Es gab weder ausreichend Essen noch Decken“
Ein Airbus 320neo. Mit einem solchen Flieger sollte es für 123 Passagiere nach Kopenhagen gehen
München – Es sollte ein kurzer Flug werden, eine Stunde und 35 Minuten von München nach Kopenhagen. Doch als die 123 Passagiere am Donnerstag gegen 21.30 Uhr an Bord der Lufthansa-Maschine gingen, ahnten sie noch nicht, dass sie den Flieger erst acht Stunden später wieder verlassen würden – ohne, dass sich der Airbus auch nur einen Meter bewegt hätte. Sie mussten die Nacht in dem auf einer Außenposition geparkten Flugzeug verbringen. Kein Bus war da, der sie zurück ins Terminal bringen konnte.
An Bord der Lufthansa-Maschine LH2446 war auch eine dänische Familie mit zwei Kindern. Sie waren aus dem Urlaub in Thailand gekommen, der Flug nach Kopenhagen sollte die letzte Etappe ihrer Reise sein. Der dänischen Zeitung „Ekstra Bladet“ berichtete jetzt der Familienvater (49) von seiner Odyssee.
Demnach sollte der Flug regulär am vergangenen Donnerstag um 21.30 Uhr starten. Die 123 Passagiere waren schon an Bord, als immer wieder Durchsagen kamen: Wegen starken Schneefalls würde sich der Start verzögern. Fast zweieinhalb Stunden ging das so. Dann wurde der Flug um 23.56 Uhr plötzlich ganz gestrichen.
Alle Busfahrer waren schon zu Hause
Normalerweise werden die Passagiere dann mit Bussen zurück ins Terminal gebracht. Doch nicht in dieser Nacht: Es fehlten Busse am Münchner Flughafen. Laut Berichten von Passagieren informierte die Crew des Airbus 320neo etwa alle 30 Minuten darüber, dass man versuche, Busse zu organisieren. Gegen 2 Uhr morgens sollen die Passagiere laut „Ekstra Bladet“ schließlich erfahren haben, dass der Flughafen München nun geschlossen sei und alle Busfahrer nach Hause gegangen seien, weil in München von null bis 5 Uhr das Nachtflugverbot gilt.
Nach dem Wintereinbruch waren die Enteisungsmaschinen im Volleinsatz
„Es gab weder ausreichend Essen noch Decken“
Die Fluggäste müssten daher den Rest der Nacht an Bord des geparkten Flugzeugs verbringen. Für viele eine Zumutung. „Es gab weder ausreichend Essen noch Trinken für uns und unsere kleinen Kinder und auch keine Decken“, sagt der Vater der dänischen Zeitung. „Sie hatten nur ein paar Wasserflaschen.“ Ein weiterer Fluggast schimpft: „Flüge können jederzeit gestrichen werden, aber die Leute auf unbestimmte Zeit im Flugzeug zurückzulassen, ist inakzeptabel.“
Nach BILD-Informationen mussten nicht nur die Passagiere mit Ziel Kopenhagen, sondern auch weitere Passagiere der Lufthansa-Flüge nach Singapur und Danzig sowie zweier Air-Dolomiti-Flüge nach Graz und Venedig die Nacht auf dem Rollfeld im Flieger verbringen. Insgesamt waren rund 500 Menschen betroffen, teilt Lufthansa mit.
Lufthansa bedauert „Engpässe bei den Vorfeldbussen“
Erst in den frühen Morgenstunden brachte man die Reisenden schließlich zum Terminal. Die Lufthansa buchte sie auf andere Flüge nach Kopenhagen und den anderen Zielen um. Die ersten Passagiere sollten um 6.40 Uhr starten. Doch auch dieser Flug hatte noch einmal rund eine Stunde Verspätung.
Gegenüber BILD bedauerte die Lufthansa Unannehmlichkeiten: „Aufgrund der Wetterlage am 19. Februar mit starkem Schneefall am Flughafen München kam es zu temporären Schließungen der Startbahn und massiven Verzögerungen bei Enteisungsvorgängen.“ Die Fluggäste hätten nach Vorgabe des Flughafens aus Sicherheitsgründen an Bord bleiben müssen. „Aufgrund von Engpässen bei den Vorfeldbussen konnten die Passagiere dieses Fluges erst in den frühen Morgenstunden wieder ins Terminal gefahren werden.“
„Wir bedauern die damit entstandenen Unannehmlichkeiten sehr“, teilte ein Sprecher des Flughafens München mit.
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