Unruhen im Co-Gastgeberland

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DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat die jüngste Gewalteskalation in Mexiko wenige Monate vor der Weltmeisterschaft als „erschreckend“ bezeichnet. In der Fußball-Welt wachsen angesichts der Ereignisse im Land des Co-Gastgebers die Sorgen um die Sicherheit bei dem Turnier. „Wir haben alle natürlich die Hoffnung, dass sich das in den nächsten Tagen und Wochen wieder beruhigt, bis die WM losgeht“, sagte Völler bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin.
Seit das Militär in dem Land den mächtigen Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes – auch bekannt als „El Mencho“ – tötete, setzen dessen Anhänger Autos, Banken, Tankstellen und Läden in Brand und errichten Straßensperren. Besonders betroffen von den Unruhen ist der Bundesstaat Jalisco mit der Hauptstadt Guadalajara, in der eines der drei mexikanischen WM-Stadien steht und zwei Teams – Kolumbien und Südkorea – ihr Camp geplant haben. In der Millionenmetropole sind vier WM-Vorrundenspiele angesetzt, darunter auch das Match von Europameister Spanien gegen Uruguay.
Insgesamt steigen in Mexiko 13 Matches dieser XXL-WM, neben Guadalajara sind Mexiko-Stadt sowie Monterrey die weiteren Gastgeberstädte. In Mexiko haben Uruguay (Playa del Carmen) und voraussichtlich auch Südafrika (Pachuca) ihre WM-Quartiere vorgesehen. Bereits Ende März und Anfang April sollen in Guadalajara und Monterrey zudem jeweils zwei internationale Playoff-Partien stattfinden zur Ermittlung der letzten beiden WM-Teilnehmer. Der Fußball-Weltverband FIFA war für eine Reaktion auf die Lage angefragt.
Zeitung in Mexiko: „Internationale Alarmglocken schrillen“
Nachdem zuletzt noch die Situation bei Co-Gastgeber USA mit dem heftigen Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten für Empörung und Boykott-Aufrufe gesorgt hatte, rückt nun Mexiko in den Fokus. „Die Lage lässt die internationalen Alarmglocken schrillen, besonders in Bezug auf die Sicherheit der Besucher und die Organisation in einem der Hauptaustragungsorte des Turniers“, schrieb die Zeitung „AS Mexico“. Das dritte Austragungsland der Weltmeisterschaft 2026 ist Kanada.
Wegen der Unruhen wurden am Sonntag unter anderem zwei Erstligaspiele in Mexiko abgesagt. Die mexikanische Nationalmannschaft will in dieser Woche in der Stadt Queretaro – zwischen Guadalajara und Mexiko-Stadt gelegen – eigentlich ein Freundschaftsspiel gegen die Auswahl Islands bestreiten. Ob dieses wie geplant stattfinden kann, das war zunächst offen. Der isländische Verband veröffentlichte noch am Montagmorgen Trainingsbilder aus Mexiko.
Tennisturnier in Acapulco findet wie geplant statt
Von den gewalttätigen Protesten nach dem Tod des Drogenbosses sollen etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen sein, schrieben lokale Medien. Es habe Tote und Verletzte gegeben; eine offizielle Zahl gab es nicht. Mehrere Botschaften anderer Länder – darunter auch Deutschlands – riefen ihre Bürger dazu auf, wachsam zu sein und eventuell Hotels nicht zu verlassen.
In dieser Woche sind zudem Tennisstars wir Alexander Zverev beim ATP-Turnier von Acapulco im Einsatz. Die Organisatoren teilten mit, dass das Event wie geplant und unter normalen Bedingungen ausgespielt werden soll.
Völler hät nichts von einem WM-Boykott
Für DFB-Sportdirektor Völler ist die schwelende Debatte um einen Boykott der WM in den USA „sinnlos“. Bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin sagte er zu dem Thema: „Es ist sinnlos, das zu diskutieren. Es bringt nichts und du schadest nur den Athleten.“ Völler verwies auf seine Erfahrungen als junger Fußballprofi, als es aus politischen Gründen von mehreren Staaten Boykotte der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und Los Angeles 1984 gegeben hatte. „Ich war schon immer gegen einen Boykott, weil es halt nichts bringt“, stellte der 65-Jährige fest.
Auch angestoßen von St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich hatte es zuletzt einige Stimmen gegeben, einen WM-Boykott zumindest zu diskutieren. Hintergrund der Diskussion war unter anderem der Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen der Besitzansprüche von US-Präsident Donald Trump auf Grönland. Auch das teils brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten in den Vereinigten Staaten, bei dem auch zwei Menschen getötet wurden, hatte für politische Debatten um den WM-Mitgastgeber USA gesorgt.
Grundsätzlich will Völler politische Themen wie diese nicht erneut die WM-Reise der Nationalmannschaft überschatten lassen. „Wir sind vor Ort, um Fußball spielen“, sagte der DFB-Sportdirektor. Diskussion wie während der WM in Katar um die Regenbogen-Kapitänsbinde sollen sich nach dem Willen Völlers nicht wiederholen. „Es gibt keine Maulkörbe, jeder kann seine Meinung sagen und kann auch Dinge kritisch sehen, aber nicht am Tag vor dem Spiel“, befand der Weltmeister von 1990.




