Vier Menschen auf US-Boot erschossen: Kuba wirft Crew „terroristische Absichten“ vor
US-Vizepräsident JD Vance: „Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie wir befürchten“
Vor der Küste Kubas kam es zu einem Feuergefecht (Symbolfoto)
Havanna (Kuba) – Der kubanische Grenzschutz hat offenbar vier Menschen auf einem amerikanischen Schnellboot erschossen. Das teilte das Innenministerium in Havanna am Mittwochabend deutscher Zeit mit. Sechs weitere Personen seien verletzt worden, hieß es. Das Boot habe am Morgen das kubanische Hoheitsgewässer verletzt, behauptet das Innenministerium laut einer Veröffentlichung der kubanischen Botschaft in den USA. Es habe sich bis auf eine Seemeile der Küste von Villa Clara genähert.
US-Schnellboot gegen Kuba-Patrouille: Vier Tote bei Schusswechsel vor Kuba
Daraufhin seien fünf Grenzschutzbeamte mit einem Schiff zur Identifizierung des US-Bootes ausgerückt – dessen Besatzung habe dann das Feuer eröffnet. Dadurch sei auch der Kommandant des kubanischen Schiffes verletzt worden. Der Grenzschutz schoss daraufhin offenbar zurück. Bei der „Konfrontation“ seien dann vier „Angreifer“ getötet worden, so das Kuba-Ministerium.
Insassen des Bootes sind Kubaner mit US-Wohnsitz
Kuba bekräftigte nach dem Vorfall seine „Entschlossenheit, seine Hoheitsgewässer zu schützen“, gab in einer Stellungnahme in der Nacht zu Donnerstag an, dass die zehn Insassen des Bootes die Absicht gehabt hätten, „zu terroristischen Zwecken“ in Kuba einzudringen. Laut des Innenministeriums in Havanna sei es eine versuchte „Infiltration“. Die Insassen des Bootes seien allesamt Kubaner mit Wohnsitz in den USA.
An Bord des in dem US-Bundesstaat Florida registrierten Bootes mit der Nummer FL7726SH seien „Sturmgewehre, Handfeuerwaffen, selbst gebaute Sprengkörper (Molotow-Cocktails), kugelsichere Westen, Zielfernrohre und Tarnuniformen“ entdeckt und beschlagnahmt worden, erklärte das kubanische Innenministerium weiter. Die Insassen des Bootes seien allesamt Kubaner mit Wohnsitz in den USA.
Generalstaatsanwalt: „Kubanischer Regierung kann man nicht trauen“
Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier (38) teilte mit: „Der kubanischen Regierung kann man nicht trauen und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Kommunisten zur Rechenschaft zu ziehen.“ Er wies die Staatsanwaltschaft an, Ermittlungen aufzunehmen.
US-Vizepräsident JD Vance (41): „Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie wir befürchten“
Auch US-Vizepräsident JD Vance (41) äußerte sich noch in der Nacht zu Donnerstag zu dem Vorfall, sagte, er sei von Außenminister Marco Rubio (54) informiert worden. Er fügte hinzu, dass das Weiße Haus die Situation beobachte, lehnte es jedoch ab, weitere Einzelheiten zu nennen. „Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie wir befürchten“, sagte Vance.
Auch Außenminister Rubio sagte, dass er über den Vorfall mit kubanischen Soldaten informiert wurde und die USA nun eigene Informationen sammeln, um festzustellen, ob es sich bei den Opfern um amerikanische Staatsbürger oder Personen mit ständigem Wohnsitz handelt. „Verschiedene Abteilungen der US-Regierung versuchen derzeit, Details der Geschichte zu identifizieren, die uns momentan möglicherweise noch nicht vorliegen“, sagte Rubio am Flughafen in Basseterre, St. Kitts.
US-Außenminister Marco Rubio am Flughafen Basseterre (St. Kitts und Nevis)
Trumps Chefdiplomat lehnte es ab, über den Hergang zu spekulieren, und erklärte, es könne sich um eine „Vielzahl von Dingen“ handeln. Die USA würden sich nicht ausschließlich auf das verlassen, was die kubanischen Behörden bisher mitgeteilt haben. „Es genügt zu sagen, dass Schießereien auf offener See in dieser Form höchst ungewöhnlich sind. Das ist nichts, was jeden Tag passiert“, sagte er.
US-Politiker spricht von „Massaker“
Währenddessen veröffentlichte der in Kuba geborene US-Politiker Carlos A. Giminez (72) ein scharfes Statement. „Die Diktatur in Kuba hat ein Boot aus Florida angegriffen und die Menschen an Bord ermordet“, schrieb der Republikaner auf X. „Dieses Regime muss in den Mülleimer der Geschichte befördert werden.“ Er nannte den Vorfall ein „Massaker“.
Ein anonymer US-Beamter sagte der „New York Times“, es habe sich um ein ziviles US-Boot gehandelt. Dieses sei Teil einer Flotte gewesen, die Verwandte aus Kuba herausholen sollte. Dass es in kubanischen Gewässern zu Zwischenfällen mit Schnellbooten aus den USA kommt, ist nicht ungewöhnlich. Schusswechsel mit Toten sind es aber sehr wohl. Oft versuchen Boote aus den USA, Waren nach Kuba und Menschen wieder herauszuschmuggeln.
Carlos A. Giminez (72) sitzt für die Republikaner im US-Repräsentantenhaus
Die Spannungen zwischen den USA und Kuba sind groß, auch weil Donald Trump (79) eine De-facto-Seeblockade gegen die kommunistisch regierte Insel verhängt hat. Allerdings hatte das US-Finanzministerium erst am Mittwoch Lockerungen in Aussicht gestellt. Es würden Lizenzen für den Verkauf von venezolanischem Öl an Kuba erteilt, so das Ministerium. Voraussetzung sei, dass die Geschäfte der Bevölkerung und dem Privatsektor zugutekämen. Ölverkäufe, von denen das Militär oder staatliche Institutionen profitierten, blieben verboten.
Die Öllieferungen aus Venezuela waren im Januar zum Erliegen gekommen, nachdem die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro (63) festgenommen und die Kontrolle über die Exporte des südamerikanischen Landes übernommen hatten. Dies hatte die Energiekrise in Kuba drastisch verschärft, das auf die Importe des vergleichsweise günstigen Öls aus dem bis dahin ebenfalls sozialistischen Venezuela angewiesen war.
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