Mysteriöser Kurztrip nach Wien: Pädokrimineller Jeffrey Epstein vor seinem Privatjet (undatiert)
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Inside Austria
Was der Epstein-Komplex mit Österreich zu tun hat
Überraschend viele Spuren in der Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein führen nach Österreich. Derzeit beschäftigt vor allem eine E-Mail über zwei 15-Jährige die Ermittler in Vorarlberg.
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Ende Januar hat das US-Justizministerium mehr als drei Millionen Akten zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ins Internet gekippt. Nach vier Wochen intensiver Recherche steht fest: In dem Datenwust spielt Österreich überraschend oft eine Rolle. Personen, Schauplätze, Handlungsstränge – zu keinem der anderen vergleichsweise kleinen Länder in Europa tauchen bislang so viele unterschiedliche Bezüge auf.
Der schwerreiche Amerikaner suchte etwa eine Luxuswohnung in Wien. Ob er eine Immobilie besaß, ist noch ungeklärt. Epstein investierte in eine von Wienern gegründete Onlinebank . Den aus Niederösterreich stammenden Harvard-Professor Martin Nowak hatte er auf seiner Privatinsel in der Karibik zu Gast und förderte seine Arbeit mit Millionen. Ebenso pumpte er Geld in den seinerzeit in Wien ansässigen Thinktank IPI – und soll dort Frauen Praktika vermittelt haben.
Tatort Vorarlberg? Skipiste im Alpental Montafon
Foto: Dirk Rüter / Zoonar / picture alliance
In Westösterreich beschäftigt derzeit ein weiterer Fund in den Epstein-Akten die Ermittler, wie die Vorarlberger Polizei SPIEGEL und STANDARD bestätigte. In einer E-Mail an Epstein aus dem Jahr 2012 aus dem Montafon, einer Region im Süden des Vorarlbergs, ist von zwei 15 Jahre alten Schweizer Jungs die Rede, die »süß« und »sehr folgsam« seien. Die Identität der Person, die Epstein gegenüber damals Minderjährige auf diese Weise beschrieb, bleibt unbekannt – ihr Name ist geschwärzt.
Fragen wirft auch ein Kurzbesuch Epsteins in Wien auf. Kurz vor seiner Festnahme 2019 flog er gemeinsam mit drei weiblichen Personen nach Wien und blieb nur einige Stunden. Es ist eine mysteriöse Reise, die Epstein als verurteilter Sexualstraftäter bei den US-Behörden hätte anmelden müssen, doch das unterließ er. Warum hielt Epstein den Trip geheim?
In der neuen Folge unseres Podcasts rekonstruieren unsere Hosts Lucia Heisterkamp und Antonia Rauth Epsteins letzten Trip nach Wien und folgen anderen relevanten Fährten in die Alpenrepublik: Unser STANDARD-Kollege Fabian Schmid und ich schildern, wie sich Epstein 2018 damit beschäftigte, den damaligen Kanzler Sebastian Kurz mit Stephen Bannon zusammenzubringen, dem berüchtigten Ex-Strategen von Donald Trump. Kurz dementiert, dass es zu einem Treffen kam. Außerdem erklären wir, was sich der US-Investor und die Wiener Herausgeberin Eva Dichand schrieben – und wie Österreichs mächtigste Medienfrau auf die Enthüllung reagiert.
Die Epstein-Akten sind eine regelrechte Fundgrube. »Mehrere Hundert Dokumente« fänden sich in den Epstein-Akten mit Bezug zu Österreich, sagt Kollege Fabian. Es gibt also noch einige Ansatzpunkte für weitere Recherchen.
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Kickls Sympathien für Trump
In die politische Stimmung in Österreich ist Bewegung gekommen. Demoskopen sehen die FPÖ nach wie vor als stärkste politische Kraft mit über 30 Prozent. Doch zuletzt sank der Wert der radikal rechten Partei , die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ legten leicht zu. Der Abschwung der »Blauen« dürfte vor allem mit Herbert Kickl zu tun haben.
Vor bald einem Jahr scheiterte der FPÖ-Anführer mit seinem Versuch, Kanzler zu werden – die Konservativen wollten ihm den Sicherheitsapparat nicht überlassen. Seitdem arbeitet Kickl daran, US-Präsident Donald Trump als neues Leitbild zu präsentieren. In sozialen Netzwerken postet er Fotomontagen von Trump und sich, versehen mit dem rechtsextremen Kampfbegriff »Remigration«. Doch anders als seine Sympathiebekundungen für den »gewitzten Demokratiebetrüger« Viktor Orbán, wie mein Kollege Timo Lehmann den ungarischen Premier kürzlich beschrieb, dürfte Kickls Trumpismus-Begeisterung bei den Österreicherinnen und Österreichern nicht so großen Erfolg haben.
Setzt auf Trump: FPÖ-Chef Herbert Kickl
Foto: Franz Neumayr / picturedesk.com / picture alliance
Zumindest schaut eine übergroße Mehrheit der Menschen in Österreich mit großer Skepsis auf den Präsidenten, wie eine Umfrage im Auftrag des STANDARD belegt. Demnach glauben nur sieben Prozent der Befragten, dass eine Zusammenarbeit der USA mit der EU besser wird, solange Trump im Amt ist. Zugleich rechnen zwei Drittel damit, dass es in den Vereinigten Staaten zu Aufständen kommen wird.
Unter den Anhängern Kickls favorisiert man ohnehin ein anderes Vorbild. Fast jeder zweite FPÖ-Anhänger spricht sich für eine engere Beziehung Österreichs zu Wladimir Putins Russland aus. Aber das hat sich Trump ja auch schon gewünscht.
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