Wahl in Baden-Württemberg – Kommentar: Wer sich von der Partei absetzt, wird belohnt

Wahl in Baden-Württemberg – Kommentar: Wer sich von der Partei absetzt, wird belohnt

Kommentar von BILD-Chefin Marion Horn: Wer sich von der Partei absetzt, wird belohnt

Wer sich hinter ihr versteckt, geht unter

Cem Özdemir (60) und seine Frau Flavia Zaka (40) können sich freuen

Cem Özdemir (60) und seine Frau Flavia Zaka (40) können sich freuen

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Dieses Wahlergebnis ist eine schallende Ohrfeige – nur nicht für die, die es zuerst trifft. Özdemir hat die Wahl augenscheinlich gewonnen. Aber nicht, weil die Wähler plötzlich grün träumen. Sondern weil er alles darangesetzt hat, eben nicht wie die Grünen zu wirken. Distanz zur Parteizentrale, eigene Linie, klarer Ton. Er hat verstanden, was viele in Berlin noch immer nicht begreifen: Die Marke „Grüne“ polarisiert. Die Marke „Özdemir“ nicht.

Das ist der eigentliche Knall. Wer sich von der eigenen Partei absetzt, wird belohnt. Wer sich hinter ihr versteckt, geht unter.

Und dann die SPD. Schlechtestes Ergebnis aller Zeiten. Fünf-Prozent-Zone. Das ist kein Ausrutscher. Das ist ein Absturz mit Ansage. Eine Partei, die mal Volkspartei war, kämpft ums Überleben. Nicht wegen eines einzelnen Kandidaten. Sondern weil niemand mehr weiß, wofür sie eigentlich noch steht. Sozial? Sind andere auch. Arbeit? Besetzen andere glaubwürdiger. Gerechtigkeit? Klingt gut, besetzt die Linke klarer. Die SPD ist nicht unbeliebt. Sie ist irrelevant geworden. Und das ist politisch viel gefährlicher.

Und Hagel? Solide. Fleißig. Sachlich. Vieles richtig gemacht. Und trotzdem nicht genug gezündet. Warum? Weil „solide Arbeit“ heute kein Wahlkampfschlager mehr ist. Wer nur verwaltet, gewinnt keine Wahl. Wahlen gewinnt, wer eine Geschichte erzählt. Wer Konflikte annimmt. Wer Emotionen auslöst. Kompetenz ist Voraussetzung. Begeisterung ist die Währung.

Konnte die Wähler nicht begeistern: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (37)

Konnte die Wähler nicht begeistern: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (37)

Was man aus diesem Wahlergebnis ablesen kann?

Erstens: Die Bindekraft der Parteien bröckelt dramatisch. Zweitens: Persönlichkeiten können Parteischwächen überstrahlen. Aber nur, wenn sie erkennbar eigenständig sind. Drittens: Die politische Mitte zerfasert weiter.

Wähler entscheiden nicht mehr aus Tradition. Sie entscheiden situativ. Mal für Stabilität. Mal gegen Berlin. Mal für eine Person, obwohl sie mit der Partei hadern. Das Parteiensystem wird fluider. Unberechenbarer. Persönlicher.

Und für die Parteien heißt das: Die alte Formel „Marke trägt Kandidat“ gilt nicht mehr. Heute trägt der Kandidat die Marke. Wenn er stark genug ist. Özdemir hat gezeigt, wie das geht. Die SPD zeigt gerade, was passiert, wenn man es nicht schafft.

Das ist keine Momentaufnahme. Das ist ein Warnsignal.

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