Die führenden Industriestaaten wollen offenbar ihre Erdölreserven einsetzen, um den Preisanstieg am Ölmarkt zu bremsen. Wie die »Financial Times« berichtet, wollen die Finanzminister der G7-Staaten im Verlauf dieses Tages über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Drei G7-Staaten, darunter die USA, hätten bereits ihre Unterstützung für den Vorschlag zugesagt.
Die Mitgliedstaaten der IEA, ein Interessenverband von Industriestaaten, halten strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems für Ölpreiskrisen. Aus dem Bericht der »Financial Times« geht weiter hervor, dass die USA eine gemeinsame Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel für angemessen halten. Dies würde 25 bis 30 Prozent der 1,2 Milliarden Barrel umfassenden Reserve bedeuten.
Risiken nehmen weiter zu
Hintergrund ist der fortgesetzte Höhenflug der Ölpreise, die inzwischen die Marke von 100 US-Dollar übersprungen haben. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Das Niveau konnte er aber nicht ganz halten, lag allerdings im Vormittagshandel mit 107 Dollar immer noch 15 Prozent höher als am Freitag.
Anzeichen für ein schnelles Ende des Krieges sind nicht zu erkennen. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der von Iran eine bedingungslose Kapitulation gefordert hatte, und der Ernennung des Hardliners Mojtaba Khamenei als neuen iranischen Führer nähmen die Risiken für ein längeres Andauern weiter zu, heißt es in einer Analyse der DekaBank.
Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zum Problem werden könnten, versuchte, den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: »Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt«, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.



