Tränen vor Gericht: „Ich bin nicht mehr Marius, ich bin ein Monster“

Tränen vor Gericht: „Ich bin nicht mehr Marius, ich bin ein Monster“

Am Nachmittag des 25. Prozesstags tritt Marius Borg Høiby ein letztes Mal in den Zeugenstand und spricht unter Tränen über Drogendelikte, Beleidigung und Verkehrsdelikte.

Am 25. Tag im Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) kommt die Beweisaufnahme zum Ende. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen (52) wird abschließend zu den letzten Anklagepunkten befragt, die noch offen sind: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Beleidigung der Polizei und rücksichtsloses Fahren. Nächste Woche Donnerstag (19. März) wird dann über sein Schicksal entschieden. Doch bevor das Gericht entscheiden kann, müssen alle Punkte sorgfältig abgearbeitet werden.

Im Video oben erfahrt ihr, was heute im Prozess geschehen ist. 

Marius Borg Høiby vor Gericht: Der 25. Prozesstag

Am Vormittag wurden bereits zahlreiche Nachrichten zwischen Marius und der Frogner-Frau –seiner Ex-Freundin, die er misshandelt haben soll – vorgelesen und zudem Video- und Audioaufnahmen als Beweismittel vorgeführt. In einer Nachricht schrieb die Frau dem Sohn der Kronprinzessin: „Ich verstehe so verdammt gut, warum Mette und Haakon keine Lust mehr darauf haben. Und warum alle deine Freunde dir gegenüber nur oberflächlich sind. Du hast es dir selbst zuzuschreiben.“ Zudem wurde offenbar, dass Marius sie zeitweise als „Kakerlake“ im Handy eingespeichert hatte, sie ihn dagegen als „Frauenmisshandler“. Mehr zu den Geschehnissen des Vormittags könnt ihr hier nachlesen.

Über die Ereignisse des Nachmittags hält BUNTE.de euch hier auf dem Laufenden.

Mette-Marits Sohn holte für seinen Dealer einen Koffer voll Marihuana ab

Zunächst wird Marius bezüglich des Erwerbs, der Aufbewahrung und Weitergabe von Betäubungsmitteln befragt. Diese Anklagepunkte kamen am 19. Januar in einer Nachtragsanklage hinzu. Es geht um einen Vorfall vom 23. Juli 2020, bei dem der 29-Jährige geschätzte 3,5 Kilogramm Marihuana im Wert von ca. 45.000 Euro mit dem Auto transportierte. 

Er selbst beschreibt den Vorgang wie folgt: Während der Pandemie habe er Marihuana rauchen wollen, doch es sei „unmöglich“ gewesen, welches zu beschaffen. Sein Dealer habe ihm angeboten, dass er ihm welches organisieren könne, Marius müsse es jedoch selbst mit dem Auto abholen. So habe er das Geld des Dealers – einen „dicken Stapel Bargeld“ – mitgenommen, dem Verkäufer übergeben und einen Koffer voller Ware mitgenommen. Die darauffolgende Fahrt sei beängstigend und unangenehm gewesen, sagt er. Für den Transport habe er kein Geld genommen, er habe dem Dealer später lediglich einen Teil des Marihuanas abgekauft.

Da Kronprinz Haakons (52) Stiefsohn seine Schuld in diesem konkreten Fall bereits eingestanden hat, wurde das Thema damit geschlossen.

  • Marius Borg Høiby (29) steht seit dem 3. Februar vor Gericht
  • Er ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Morten Borg, Stiefsohn von Kronprinz Haakon von Norwegen
  • Für den Prozess am Bezirksgericht in Oslo sind 24 Prozesstage in sieben Wochen geplant, am 19. März erwarten wir das Urteil
  • Marius Borg Høiby ist in 38 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung
  • Das Anwaltsduo Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic vertritt Marius Borg Høiby in dem komplexen Prozess
  • Das Gericht hat strenge Regeln für Medienvertreter aufgestellt, um die Privatsphäre der Geschädigten und des Angeklagten zu schützen

Der Angeklagte filmte sich selbst bei Verkehrsdelikten

Es geht gleich zum nächsten Komplex über: Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung. Es stehen mehrere Fälle zur Debatte, in denen er seinen Wagen deutlich über die Geschwindigkeitsbegrenzung hinaus beschleunigt haben soll. So liegt dem Gericht unter anderem ein von ihm selbst gefilmtes Video vor, in dem er auf dem Weg zu Gut Skaugum statt maximal 40 km/h auf 73 km/h beschleunigt. 

Zu einem ähnlichen Fall, der danach zur Sprache kommt, sagt er: „Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich gerade meinen BMW tunen lassen, und dann habe ich gefilmt, wie ich auf einer geraden Strecke auf dem Weg zur Arbeit Gas gegeben habe.“ Auch in diesem Fall bekennt er sich schuldig.

In einem weiteren Fall war er in einem Mercedes Benz unterwegs, mit dem er statt der erlaubten 40 km/h mit 80 km/h das doppelte fuhr. Er kommentiert, er habe gedacht, dass es eine 50er-Zone sei. Dann räumt er ein: „Ich bin weit über der Geschwindigkeitsbegrenzung gefahren. Das hätte ich niemals tun dürfen.“

Hier seht ihr Gut Skaugum, die Residenz der Königsfamilie, am Nationalfeiertag.

Hier seht ihr Gut Skaugum, die Residenz der Königsfamilie, am Nationalfeiertag. Per Ole Hagen/Getty Images

Marius verhöhnte Gardist auf Skaugum in selbstgedrehtem Video

„Ups, da wäre fast ein Gardist dran gegangen“, sagt er in einem weiteren Video, in dem auf Skaugum zu schnell fährt. Dazu erklärt er, er habe sich kurz vorher über einen Gardisten geärgert, der ihn und einen Freund nicht hatte hineinlassen wollen. Das Video sei nur für den Freund gedacht gewesen, er hatte es jedoch versehentlich in seiner öffentlichen Story gepostet. In puncto Geschwindigkeit gebe er seine Schuld zu. „Aber nicht dafür, mir selbst oder dem Gardisten Schaden zugefügt zu haben“, so der Sohn der Kronprinzessin.

Er fuhr mehrfach ohne Führerschein

Zu seinen Verkehrsdelikten kommt das mehrmalige Fahren ohne Führerschein hinzu. Er sagt, es habe zu dem Zeitpunkt Verwirrung gegeben, ob er seinen Führerschein verloren habe. Im Nachhinein wurde klargestellt, dass er den Führerschein wegen mangelnder Fahreignung bereits losgewesen war. Seine Eltern hätten die Notfallpsychiatrie kontaktiert, die zum Entschluss gekommen sei, dass er keinen Führerschein besitzen dürfe.

Mette-Marits Sohn spielte 2018 ein Autorennspiel bei der Afterparty zu den BRIT Awards.

Mette-Marits Sohn spielte 2018 ein Autorennspiel bei der Afterparty zu den BRIT Awards. Nicky J Sims/Getty Images for Formula E

Der Royal-Spross zeigte Polizisten den Mittelfinger

Nach der Abhandlung der Verkehrsdelikte geht kommt das Gericht auf Beleidigung von Beamten und die Verweigerung der Angabe von Personalien zu sprechen. Konkret handelt es sich um einen Abend im Januar 2025. Marius war in einem Nachtlokal in Frogner, an dem die Polizei mehrfach sehr langsam vorbeigefahren sein soll. Davon provoziert zeigte der Halbbruder von Prinzessin Ingrid Alexandra (22) den Polizisten von seinem Tisch aus den Mittelfinger. Er habe nicht die Absicht gehabt, dass sie dies auch sehen, erklärt er sich dazu. Er hätte zu diesem Zeitpunkt ein schlechtes Verhältnis zur Polizei gehabt, sagt er weiter.

Als die Polizisten in den Club kamen und ihn baten, sich auszuweisen, sagte er zu ihnen: „Jetzt komm schon, du weißt doch ganz genau, warum du hier bist“. Man hätte ihm damals ohnehin schon alles genommen – inklusive der Papiere – und er sei auf allen Titelseiten gewesen, sagt er im Zeugenstand.

Als der von ihm beleidigte Polizist aussagt, fängt Marius an zu lachen

Einer der betroffenen Polizisten sagt kurz darauf selbst als Zeuge aus. Er berichtet, sie hätten eigentlich nach dem ersten Zeigen des Mittelfingers einfach weiterfahren wollen, da solche Fälle öfter vorkämen. Doch Marius, den sie aufgrund seiner Kapuze noch nicht erkennen konnten, sei noch näher zum Fenster gekommen und habe die Geste wiederholt. Dann sei er mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze weggegangen und habe sich dort hingesetzt. Der Polizist imitiert seine damalige Sitzhaltung, was Marius im Gerichtssaal laut „Dana Press“ zum Lachen bringt. Nach langer Diskussion habe Marius – der große Pupillen gehabt und nach Alkohol georochen haben soll – schließlich seinen Namen genannt, erst dann hätten sie ihn wirklich erkannt, da er damals sogar dunkle Haare gehabt habe.

Der 29-Jährige plante, eine Urinprobe zu manipulieren

Der letzte zu klärende Punkt betrifft die versuchte Manipulation einer Urinprobe. Der Polizeianwalt fragt Marius, wie er den Betrug hatte durchführen wollen. Er erklärt daraufhin, er hätte eine Flasche mit sauberem Urin dabei gehabt, die er hatte nutzen wollen. Da jedoch Leute um ihn herumgestanden hätten, sei dies nicht möglich gewesen. Sein Anwalt Petar Sekulic stellt nach dieser Aussage klar, dass Marius demnach nichts dergleichen getan habe.

Damit ist Marius‘ Teil zur Beweisaufnahme abgeschlossen. Es folgt die Durchsicht weiterer Videos und Nachrichten. 

Während Videosichtung wird Høiby plötzlich ungewohnt humorvoll

In einem Video fährt er statt den maximal erlaubten 50 km/h 120 km/h und schreibt dazu: „Definitiv überhaupt nicht gut für meinen Führerschein.“ Ein weiteres Video zeigt den Angeklagten auf einem Motorrad, wie er über eine Minute lang am Nationalpark in Norwegen entlangfährt. Richter Jon Sverdrup Efjestad verkürzt die Sichtung des Videos, da es ihm zu lang geht. Marius, der im Laufe des Prozesses oftmals emotional und verzweifelt wirkte, zeigt sich daraufhin ungewohnt humorvoll und sagt: „Ich liebe diesen Sound!“ 

Emotionaler Umschwung: Unter Tränen spricht er von psychischer Belastung

Nun möchte sich der Sohn von Mette-Marit überraschend doch noch einmal äußern. Sein Anwalt erklärt laut „Dagbladet„, er wolle noch mehr erzählen. Er beginnt mit der Aussage, der Fall sei bei weitem das Belastendste, was er in meinem Leben erlebt habe. Plötzlich ist der alte Marius wieder da, sein humorvoller Ausbruch und das Lachen von vorhin sind passé.

Er sagt, der Medienrummel habe ihn als Menschen zermürbt. Er sei nicht mehr Marius, er sei ein Monster. „Ich bin das Hassobjekt ganz Norwegens“, sagt er und erklärt unter Tränen, er habe 98 Prozent seiner sozialen Kontakte verloren. Niemand wolle mehr mit ihm gesehen werden, er stünde nun ganz allein da, was ihm große psychische Belastungen bereite.

Marius bezeichnet sich selbst als „Hassobjekt ganz Norwegens“

Er lese alles, was über ihn geschrieben würde und er könne sich in der Berichterstattung nicht mehr selbst erkennen. Er wisse nicht mehr, wer er selbst sei. Zudem sei er von den sozialen Medien ausgeschlossen, da sein Handy und seine Konten beschlagnahmt wurden. „Ohne jeden triftigen Grund“ habe man ihm trotz Betteln und Beten die Herausgabe des Handys verweigert, so der Angeklagte.

Die Berichterstattung stimme nicht mit dem überein, was er im Gerichtssaal erlebe, sagt er. „Selbst jetzt, während des Prozesses, komme ich nach Hause, schalte den Fernseher ein und frage mich, ob ich im selben Gerichtssaal saß wie die Leute, die da sitzen und schreiben“, so Marius. Er leide unter Paranoia, von der Polizei verfolgt zu werden und habe jedes Mal, wenn er Autos mit Spikereifen sehe Angst, man komme, um ihn abzuholen. „Ich kann niemandem mehr trauen“, äußert er verzweifelt.

Mit diesem Schlusswort endet der 25. Prozesstag und damit auch die Beweisaufnahme. Am Montag (16. März) geht es mit den Verhandlungen weiter. 

mit Material von Dana Press

Mehr zum Prozess gegen Marius Borg Høiby

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