Der frühere SPD-Chef ist voll des Lobes für den jetzigen CDU-Chef: Er finde, dass Merz seine Rolle »recht gut« angenommen habe, sagte Franz Müntefering in der ARD-Sendung »Maischberger« über das knappe erste Kanzlerjahr von Friedrich Merz. »Man muss ihm helfen dabei«, fügte der 86-Jährige hinzu, der wie Merz aus dem Sauerland stammt.
Auf die Frage, wer dies tun könne, antwortete Müntefering: »Die ganze Regierung, die ganzen Parteien, alle, die Demokratie wollen.« Er glaube, dass Merz bereit sei, eine gute demokratische Politik zu machen. »Und wir dürfen nicht alle da rumstehen und hämisch lachen und sagen: ›Ach guck mal, das kann er ja gar nicht‹ und so«, mahnte der Ex-Vizekanzler im Kabinett von Angela Merkel (CDU).
An seine eigene Partei appellierte Müntefering, ihre Positionen offensiver zu vertreten. »Man muss auch ein bisschen Stolz haben. Man muss auch wissen, was man kann. Und man muss auch das, was man kann, auch vertreten und nach vorne marschieren. Ich glaube, dass wir zu defensiv sind im Augenblick«, befand der einstige SPD-Vorsitzende. Die SPD müsse für ihre Sozialpolitik kämpfen und dürfe das »nicht auf leisen Sohlen« tun. Sozialpolitik bedeute, sich zu kümmern. »Wer könnte das denn, wenn nicht die Sozis?«, fügte er hinzu.
»Macht mal einen Anlauf für eine Flexibilisierung.«
Zugleich empfahl er, von einer klassischen »Sozi«-Haltung abzuweichen: dem festen Renteneintrittsalter. Die SPD lehnt einen Eintritt über 67 Jahre hinaus strikt ab, Müntefering empfiehlt nun mehr Flexibilität. Mit der Rente mit 67 habe man eine Grenze gesetzt, zugleich höre er, dass 10 bis 15 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger arbeiten wollten. Arbeitnehmende sollten stärker als bisher entscheiden können, wie lange sie an ihrem Arbeitsplatz bleiben, so Müntefering. Und die Chefinnen und Chefs sollten das nicht einfach ablehnen können. Er sei für mehr Flexibilität zur Verlängerung der Arbeitszeit.



