Schufa-Zentrale in Wiesbaden
Foto: Andreas Arnold / dpa
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An diesem Dienstag führt die Schufa ein neues Bewertungssystem ein. Damit sollen Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlos und »vollkommen transparent« erfahren können, wie ihre Kreditwürdigkeit berechnet wird. So verspricht es Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei.
Im Zentrum der Reform steht der Schufa-Score, eine Zahl mit enormer Macht über unser Alltagsleben. Anhand dieses Punktewerts entscheidet sich oftmals, ob man uns einen Kredit gibt, eine Wohnung vermietet oder einen Handyvertrag anbietet. Je höher der Wert, desto höher die Bonität. Bislang aber galt die Berechnung als Blackbox.
Die Reform steht auch vor dem Hintergrund mehrerer Urteile des Europäischen Gerichtshofs zu Scoring und Transparenz – unter anderem aus den Jahren 2023 und 2025.
Künftig soll es nur noch zwölf Kriterien geben, die in einen einheitlichen Schufa-Score zwischen 100 und 999 Punkten münden. Die Daten, die den neuen Score beeinflussen, sind folgende – mit jeweils unterschiedlicher Gewichtung:
Zahlungsstörungen
Alter des ältesten Bankvertrags
Alter der ältesten Kreditkarte
Alter der aktuellen Adresse
Alter des jüngsten Rahmenkredits
Anzahl der Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten
Anzahl der Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten
Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten
Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite
Kreditstatus
Immobilienkredit
Vorliegen einer Identitätsprüfung
Wie der Wert zustande kommt, sollen Verbraucher künftig selbst nachrechnen können. Und sie sollen simulieren können, wie sich ein bestimmtes Verhalten auf den Score auswirken würde, etwa eine Kreditanfrage.
Der Onlinezugang erfolgt über einen neuen Schufa-Account, für den man sich unter app.schufa.de oder in der Schufa-App registrieren muss. Außerdem ist eine Identifizierung nötig, etwa über den elektronischen Personalausweis oder mit einem PIN-Brief per Post.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband lobt die Reform, sieht aber auch Mängel: Beispielsweise könnten junge Menschen noch so gewissenhaft Rechnungen bezahlen, ohne Höchstwerte beim Score zu erreichen.
Laut Schufa verfügen rund zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen über einen Score in den Klassen »gut« oder »hervorragend«, weitere 25 Prozent über einen »akzeptablen« Score. Der neue Score sei so konzipiert, dass man diesen schnell verbessern könne. Ein Beispiel: Wer mit 18 Jahren das erste Girokonto mit Dispokredit und Kreditkarte eröffnet und in die erste eigene Wohnung zieht, startet laut Schufa mit 655 Punkten (»akzeptabel«), wenn sonst keine anderen Daten bei der Schufa gespeichert sind. Nach einem Jahr steigt der Score demnach bei ordnungsgemäßem Zahlungsverhalten auf 742 Punkte (»gut«), nach drei Jahren sind 789 Punkte (»hervorragend«) möglich.
Die Verbraucherzentrale Sachsen rät Verbraucherinnen und Verbrauchern, regelmäßig die jeweils über sie gespeicherten Daten abzufragen. Mehr als jeder zweite Deutsche (56 Prozent) hat den eigenen Schufa-Score jedoch noch nie abgerufen, wie eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox zeigt. Warum das wichtig ist: Nur so lässt sich ein unter Umständen falscher Score identifizieren und beheben. Sind falsche Daten gespeichert, sollten Verbraucher umgehend Widerspruch bei der Schufa einlegen. Die für die Prüfung notwendige, kostenfreie Datenkopie kann man direkt online bei der Schufa beantragen. Drittanbieter nehmen für den Service oft Gebühren.
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