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Überblick: Das ist die aktuelle Lage in Nahost
- Die USA und Israel greifen weiter Iran an. Gegen Stellungen an Straße von Hormus setzen die USA Bunkerbrecher ein. Iran reagiert mit Gegenattacken, auch auf die Golfstaaten.
- Israel vermeldet die Tötung eines weiteren ranghohen Funktionärs in Iran: Geheimdienstchef Esmail Khatib soll ebenfalls eliminiert worden sein.
- Irans Außenminister Araghchi bekräftigt, das Regime werde trotz gezielter Tötungen weiter bestehen. Zudem rechtfertigt er die Angriffe auf die Golfstaaten und warnt, dass die globalen Folgen des Krieges »alle treffen« werden.
- Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert das planlose Vorgehen der USA im Irankrieg und mahnt zu europäischer Geschlossenheit und Selbstbewusstsein
- Die USA müssen ihren größten Flugzeugträger Berichten zufolge vorläufig aus dem Krieg abziehen. Nach einem Brand vor wenigen Tagen soll das Schiff einen Hafen in Griechenland anlaufen.

Katar macht Israel für Angriff auf Gasfeld verantwortlich
Katar kritisiert Israel nach einem Angriff auf das gemeinsam mit Iran betriebene South-Pars-Gasfeld am Persischen Golf: Majed al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, bezeichnet den Angriff auf X als »gefährlich und unverantwortlich« angesichts der aktuellen Eskalation in der Region.
»Angriffe auf Energieinfrastruktur gefährden die globale Energiesicherheit«, so Ansari. Er rief alle Beteiligten zur Zurückhaltung, zur Einhaltung des Völkerrechts und zu einer Deeskalation auf.

Iran droht Energieanlagen in Saudi-Arabien, Katar und den VAE
Nach Angriffen auf das South-Pars-Gasfeld droht Teheran mit Attacken auf Öl- und Gasanlagen in Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. »Diese Einrichtungen sind zu direkten und legitimen Zielen geworden und werden in den kommenden Stunden angegriffen werden«, heißt es in einer Mitteilung der Revolutionswächter.
»Diese Angriffe auf zivile und lebenswichtige Infrastruktur des Iran sind kein militärischer Sieg, sondern ein politischer Selbstmord«, heißt es in einer von der Nachrichtenagentur Fars verbreiteten Erklärung. Die Zeit begrenzter Gefechte sei vorbei. Das Kriegspendel bewege sich in Richtung eines »umfassenden Wirtschaftskriegs«.
Medienberichte: Iranisches Offshore-Erdgasfeld attackiert
Iran und Katar teilen sich das größte konventionelle Gasfeld der Welt, South Pars (in Katar: North Dome). Es liegt im Persischen Golf vor der Küste beider Länder. Iranische Staatsmedien melden nun, dass zu South Pars gehörende Anlagen angegriffen worden seien.
Sowohl das iranische Staatsfernsehen als auch die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichten über die Attacke auf Einrichtungen in Asaluyeh in der südiranischen Provinz Buschehr. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Es war zunächst unklar, ob Israel oder die USA dort einen Angriff durchgeführt haben; die USA operierten bislang jedoch hauptsächlich im südlichen Iran.
Zuvor hatte US-Präsident Trump die iranische Insel Charg im Persischen Golf, Irans wichtigsten Ölumschlagplatz, angreifen lassen.
Die Regierungserklärung ist nun beendet, es erfolgt die Aussprache, die mit Tino Chrupalla von der AfD startet.
Merz: »Wir wollen nicht, dass dieser Krieg zur Belastung für die transatlantische Beziehung wird«
Merz geht noch einmal auf die Beziehungen zu den USA ein: »Wir wollen nicht, dass dieser Krieg zur Belastung für die transatlantische Beziehung wird«, sagt er. Denn: »Wichtige Ziele der USA teilen wir«, sagt Merz, schränkt aber ein: »Wir dürfen und werden uns nicht scheuen, zu sagen, wo wir andere Interessen sehen und haben.« Das müsse eine Partnerschaft aushalten, »sonst ist es keine Partnerschaft«, so Merz.
Europa habe ein Interesse an einem baldigen Ende des Kriegs. »Eine Desintegration der Staatlichkeit Irans, das würde auch uns massiv schaden«, sagt Merz und verweist auf negative Auswirkungen etwa auf die deutsche Energiesicherheit und eine mögliche Migrationskrise.
Für die deutsche Regierung sei klar, dass Teheran seine nuklearen Ambitionen aufgeben müsse, genau wie den »Terror, den es über die ganze Welt zieht«.
Bei aller Absage an einer Beteiligung in Nahost hält Merz trotzdem fest: »Wir können nicht die Vorhänge zuziehen und den Sturm da draußen vorbeiziehen lassen. Wir müssen den Mut haben, gemeinsam mit unseren europäischen Partnern unsere Interessen zu benennen und zu verfolgen.«
Merz übt Kritik an USA und Israel: »Wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen«
Nun geht es namentlich doch noch um den Irankrieg: »Über Jahre und Jahrzehnte hat das iranische Regime die Welt mit Terror überzogen«, sagt Merz. Teheran trage »die Verantwortung für die derzeitige Krise in der Region.«
Die Bundesregierung teile das Ziel, »dass Iran in Zukunft keine Bedrohung mehr darstellen kann«, weder für Israel noch für andere Länder. Gleichzeitig wünsche er dem iranischen Volk, dass es sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann und darf«, so Merz weiter.
Gleichwohl gelte: »Wir haben klargemacht, dass wir Fragen zu diesem Krieg haben«, sagt der Kanzler. Es gebe bislang »kein überzeugendes Konzept, wie man diesen Krieg beenden kann.« Merz weiter: »Washington hat uns nicht zurate gezogen und die europäische Hilfe nicht für notwendig erklärt.« Sei dem so gewesen, dann hätte man »abgeraten, diesen Weg so zu gehen, wie er jetzt gegangen wird.«
Deutschland werde sich daher auch nicht einbringen in Nahost, »dazu fehlt bislang ein Plan oder ein Mandat«, etwa der Nato, so der Kanzler. Das schließe jedoch »ausdrücklich nicht aus, dass wir mit diplomatischen Mitteln auf eine schnelle Beendigung des Kriegs hinwirken«, sagt Merz. Und: »Wir werden uns auch einer Debatte über freie Schifffahrt etwa in der Straße von Hormus nach Kriegsende nicht verschließen«. Dabei wolle man »immer den bestmöglichen Schulterschluss mit den europäischen Nachbarn, mit Emmanuel Macron, Keir Starmer und Giorgia Meloni stehe ich dazu in fast täglichem Kontakt.«
Merz stellte allerdings für eine Zeit nach den Kampfhandlungen in Aussicht, dass Deutschland sich etwa daran beteiligen könnte, eine »Friedensordnung in der Region aufzubauen«.
Anschließend spult Merz ein bisschen Unionsprogramm herunter, das sich mit dem decke, was auf europäischer Ebene wichtig sei. Bürokratie etwa sei eine »Wachstumshürde«. Zudem müsse es mehr »KI made in Europe« geben, so Merz.
Merz: »Wir wollen uns nicht länger unter Wert verkaufen«
Bislang hat Merz den Irankrieg noch nicht einmal wörtlich erwähnt. Gleichwohl hält er fest, in Zeiten wie diesen sei »ein vereintes Europa für uns in Deutschland die einzige Garantie und die wichtigste Garantie, die wir haben«.
Man müsse »einstehen im Sinne einer größeren Selbstachtung«, führt Merz weiter aus. Und gibt sich selbstbewusst: »Wir wollen uns nicht länger unter Wert verkaufen«, hält er fest. Denn: »Die anderen sind auch von uns abhängig, nicht nur wir von ihnen.« Diese Erkenntnis könne und müsse man einsetzen, so Merz weiter. Ob er mit »die anderen« die USA meint?
»Wir Europäer müssen geschlossen und zielstrebig unsere Freiheit und die Verteidigung dieser Freiheit selbst in die Hand nehmen«, sagt der Kanzler weiter. Er reise am Nachmittag weiter nach Brüssel, »wo Sie nicht gebraucht werden«, sagt Merz weiter und schaut in Richtung der AfD, die in Zwischenrufen die Regierungserklärung zu stören versucht.
Merz: »Wir erleben geopolitische Verwerfungen wie lange nicht«
»Wo wir nicht mehr frei handeln können, geht Freiheit verloren«, sagt Merz eingangs. Viele Menschen in Deutschland spürten das derzeit. »Wir erleben geopolitische Verwerfungen wie lange nicht«, so Merz weiter. Anschließend erwähnt er hohe Sprit- und Lebenshaltungspreise, die viele Menschen derzeit belasteten.
»Wir sind mit dieser Bundesregierung angetreten, die Handlungsspielräume in Deutschland wieder zu weiten«. Das sei nicht auf die Regierung gemünzt gewesen, sondern auf die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen, so Merz weiter. Er und seine Regierung wollten »Raum für Mut« schaffen.
Nun tritt Bundeskanzler Friedrich Merz ans Rednerpult und beginnt seine Regierungserklärung.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat die Sitzung eröffnet, spricht aber zunächst über den heutigen Tag der Demokratie. Kanzler Merz muss sich noch gedulden.
Regierungserklärung ab 14 Uhr live: Was sagt Merz über den Konflikt mit Donald Trump?
Bundeskanzler Friedrich Merz gibt ab 14 Uhr im Bundestag eine Regierungserklärung ab. Anlass ist der am Donnerstag beginnende EU-Gipfel in Brüssel. Angesichts der Weltlage dürften der Irankrieg, die Benzin- und Energiepreise sowie Donald Trumps Forderung nach Hilfe in der Straße von Hormus Schwerpunkte der Rede sein. An die 20-minütige Regierungserklärung wird sich wie üblich eine etwa 60 Minuten dauernde Aussprache anschließen. Hier sehen Sie die Regierungserklärung gleich im Livestream, im Blog begleiten wir die Rede ebenfalls live.
Stockholm meldet Hinrichtung von schwedischem Staatsbürger in Iran
In Iran ist am Morgen laut Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergård ein Bürger des Landes hingerichtet worden. »Die Todesstrafe ist eine unmenschliche, grausame und unumkehrbare Strafe. Schweden verurteilt zusammen mit dem Rest der EU dessen Anwendung unter allen Umständen«, heißt es in einer von der Regierung verbreiteten Erklärung. Seit der Festnahme im Juni 2025 habe Schweden den Fall wiederholt bei iranischen Vertretern angesprochen. Details zur Person wurden nicht genannt.
Trauerzeremonie in Teheran für getöteten Larijani
In Teheran sind am Mittag zahlreiche Regierungsanhänger zusammengekommen, um dem getöteten iranischen Sicherheitschef Ali Larijani die letzte Ehre zu erweisen. Im Stadtzentrum der Millionenmetropole meldete die Nachrichtenagentur Fars den Beginn einer Zeremonie für den am Montagabend getöteten Generalsekretär des Sicherheitsrats. Ein Foto der Agentur zeigt seinen Sarg und den seines Sohnes, der bei dem israelischen Angriff ebenfalls ums Leben kam.
Bilder im Staatsfernsehen zeigten Anhänger der Staatsführung, die sich um einen Sattelschlepper versammelten, der die Särge durch die Stadt fährt. Sie trauerten ebenfalls um den Kommandeur der paramilitärischen Basidsch-Miliz, Gholamreza Soleimani, sowie die Besatzung eines iranischen Kriegsschiffs, das die USA vor Sri Lanka versenkt hatten. Larijani galt als einflussreicher Funktionär im Machtapparat. Ursprünglich geboren im irakischen Nadschaf, soll er nun in der iranischen Pilgerstadt Ghom, dem schiitischen spirituellen Zentrum rund 150 Kilometer südlich von Teheran, beerdigt werden.
Wadephul warnt vor Nahrungsmittelkrise in Teilen Afrikas
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sieht durch die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten die globale Lebensmittelsicherheit bedroht. Die Düngerversorgung, die aus der Region sichergestellt werde, sei »essenziell«, sagte Wadephul bei einer Pressekonferenz anlässlich des Deutschlandbesuchs von Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot. Bei einem längeren Ausbleiben dieser Versorgung könne eine Nahrungsmittelkrise »in großen Teilen Afrikas« drohen. »Das muss uns mit Besorgnis erfüllen«, sagte Wadephul. Bedeutend für Europa könne dies auch wegen möglicher Flüchtlingsströme werden.
Der Krieg schürt die Sorgen vor weltweiten Engpässen bei Kunstdünger. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Analyse, wie die Auseinandersetzung die weltweite Lebensmittelproduktion bedroht.
Nordirak: Mehrere Explosionen in Erbil zu hören
In der Stadt Erbil in der autonomen Kurdenregion im Nordirak sind im Laufe des Tages mindestens vier Explosionen zu hören gewesen. Journalisten der Nachrichtenagentur beobachteten, wie Geschosse über der Stadt abgefangen wurden. Die genauen Ziele sind bislang aber unklar. In Erbil befindet sich ein großer US-Konsulatskomplex. Auf dem Flughafen der Stadt sind Soldaten der von den USA geführten Anti-Dschihadisten-Koalition stationiert.
Seit Beginn des Irankriegs ist auch die Kurdenregion im Nordirak immer wieder angegriffen worden. Die Attacken wurden proiranischen Gruppen zugeschrieben. Die meisten Geschosse fing die Flugabwehr ab, darunter auch Drohnen über Erbil. In den vergangenen Tagen waren mehrfach Explosionen im Stadtgebiet von Erbil zu hören gewesen, die meisten davon am Abend.
Medienberichte: Iranisches Offshore-Erdgasfeld attackiert
Iran und Katar teilen sich das größte konventionelle Gasfeld der Welt, South Pars (in Katar: North Dome). Es liegt im Persischen Golf vor der Küste beider Länder. Iranische Staatsmedien melden nun, dass zu South Pars gehörende Anlagen angegriffen worden seien.
Sowohl das iranische Staatsfernsehen als auch die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichten über die Attacke auf Einrichtungen in Asaluyeh in der südiranischen Provinz Buschehr. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Es war zunächst unklar, ob Israel oder die USA dort einen Angriff durchgeführt haben; die USA operierten bislang jedoch hauptsächlich im südlichen Iran.
Zuvor hatte US-Präsident Trump die iranische Insel Charg im Persischen Golf, Irans wichtigsten Ölumschlagplatz, angreifen lassen.
US-Regierungskreise: Russland hat seine Unterstützung für Iran noch einmal ausgeweitet
Hilft Russland Iran bei Angriffen gegen die USA und deren Verbündete? Schon länger gibt es Indizien dafür, so hatte die »Washington Post« vor kurzer Zeit unter Berufung auf US-Beamte berichtet, Moskau habe Informationen über Standorte von US-Streitkräften an die Iraner weitergegeben. Nun gibt es offenbar Indizien, dass Russland seine Militärhilfe noch ausgeweitet haben könnte. Das Land stelle Satellitenbilder und verbesserte Drohnentechnologie bereit, berichtet das »Wall Street Journal« unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Die bereitgestellte Technologie umfasse Komponenten modifizierter Shahed-Drohnen, die die Kommunikation, Navigation und Zielerfassung verbessern sollten, heißt es in dem Bericht. Russland greife zudem auf seine Erfahrungen mit Drohnen in der Ukraine zurück und gebe taktische Hinweise darauf, wie viele davon bei Operationen eingesetzt werden und aus welchen Höhen diese angreifen sollten. »Irans Angriffswellen ähneln stark dem, was Russland tut«, sagte Nicole Grajewski, Expertin für Internationale Beziehungen, dem Blatt.
Moskau wies die Vorwürfe wenig überraschend zurück. Auf den Bericht des »Wall Street Journal« angesprochen, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow, es gebe derzeit »sehr viele verschiedene Berichte über diesen Krieg. Die überwiegende Mehrheit davon ist nichts anderes als Desinformation«, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters.
Roter Halbmond: Rettungswagen in Iran angegriffen
Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen ist in Iran nach Angaben der Rothalbmond-Gesellschaft ein Rettungswagen gezielt angegriffen worden. Der Vorfall ereignete sich demnach in der südlichen Stadt Lar in der Provinz Fars, wie die humanitäre Organisation auf Telegram mitteilte. Ein Bild zeigte ein fast vollständig zerstörtes Fahrzeug.
Der Leiter des iranischen Roten Halbmonds, Pirhussein Koliwand, verurteilte den Luftangriff scharf. Er sprach von einem Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Die Einsatzkräfte seien ausschließlich mit der Hilfe für Verletzte beschäftigt gewesen. Zunächst war unklar, wessen Luftwaffe für den Angriff verantwortlich war.
Israel: Tötung jedes ranghohen Vertreters Irans genehmigt
Israels Führung hat nach Angaben des Verteidigungsministers die Tötung jedes ranghohen iranischen Vertreters genehmigt, der von der Armee ins Visier genommen wurde. Dafür sei keine weitere Genehmigung erforderlich, sagte Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und er hätten das Militär entsprechend autorisiert.
Bei einer Beratung habe Katz zudem angekündigt, im Laufe des Tages seien »bedeutende Überraschungen in allen Einsatzgebieten zu erwarten«. Diese würden den Krieg gegen Iran und die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz »auf eine neue Stufe heben«. Die Intensität der Angriffe in Iran nehme noch zu, drohte er.
Getöteter iranischer Sicherheitschef Larijani soll beigesetzt werden
Der von der israelischen Armee getötete iranische Sicherheitschef Ali Larijani soll am Mittwoch in Teheran beigesetzt werden. Wie die iranischen Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim melden, sollte Larijani um 14 Uhr Ortszeit (11.30 Uhr MEZ) in der Hauptstadt Teheran beerdigt werden. Dasselbe gelte für den für die innere Sicherheit in Iran zuständigen Anführer der Basidsch-Miliz, Gholamreza Soleimani, der ebenfalls bei einem israelischen Angriff getötet wurde. Unklar ist, ob die Beerdigung angesichts der Sicherheitslage tatsächlich durchgeführt werden kann.
Leseempfehlung: Die Bundeswehr ist nicht Trumps Putzkolonne
Deutschland stellt sich entschieden gegen die Forderung des US-Präsidenten, Kriegsschiffe an Irans Küste zu schicken. Das ist riskant, aber richtig, findet meine Kollegin Marina Kormbaki, die stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros. Ihren Leitartikel lesen Sie hier.
Wie sehen Sie das, liebe Leserinnen und Leser? Halten Sie es für richtig, dass die Bundesregierung Deutschland aus dem Kriegsgebiet heraushalten will? Oder braucht es die Bundeswehr in Nahost, etwa in der Straße von Hormus? Diskutieren Sie mit bei SPIEGEL Debatte.
Irans Fußballerinnen kehren über Türkei in ihre Heimat zurück
Ihr stiller Protest beim Asien Cup und anschließende Asylanträge in Australien lösten Aufsehen aus: Nun reisen die iranischen Fußballerinnen über die Türkei zurück in ihr Heimatland. Die Spielerinnen seien am Dienstagabend am Istanbuler Flughafen gelandet und über Land auf dem Weg zurück nach Iran, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Der Luftraum über Iran ist wegen des Krieges gesperrt, die Hauptstadt Teheran liegt mehr als 2000 Kilometer von Istanbul entfernt.
Ursprünglich hatten sieben Fußballerinnen nach dem Aus bei dem Turnier Asyl in Australien beantragt. Fünf zogen den Antrag später zurück. Beobachter befürchten, dass den Frauen in Iran schlimme Konsequenzen drohen könnten – oder, dass ihre Familien unter Druck geraten, falls sie nicht zurückkehren sollten.
Analyse: So könnte Deutschland iranischen Regimegegnern helfen
Deutsche Politiker haben in den vergangenen Wochen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, ihr Mitgefühl mit den Menschen in Iran zu betonen. »Wir wollen das iranische Volk dabei unterstützen, frei über das eigene Schicksal zu entscheiden«, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz. Er wünsche »dem iranischen Volk« für die Zukunft »eine Chance auf Freiheit«, bekräftigte CDU-Fraktionschef Jens Spahn.
Wenn es allerdings darum geht, Iranerinnen und Iranern konkret zu helfen, ist die Bundesregierung eher zurückhaltend. In der Vergangenheit hatte Deutschland immer wieder humanitäre Visa an Menschen vergeben, die – etwa durch ihren Einsatz für Demokratie – in Iran besonders bedroht waren. Innenminister Alexander Dobrindt hat dieser Praxis de facto ein Ende gesetzt.
Seit Kriegsbeginn ist die deutsche Botschaft in Teheran komplett geschlossen. Visumsgesuche werden nicht bearbeitet. Schon jetzt liegen 2000 offene Anträge vor, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervorgeht.
Cansu Özdemir, außenpolitische Sprecherin der Linken, fordert die Bundesregierung dazu auf, Möglichkeiten für Iranerinnen und Iraner zu schaffen, Visumsanträge für Deutschland auch in Drittstaaten zu stellen. »In dieser Situation zählt jeder Tag«.
Israelische Armee weitet Evakuierungsaufforderung für Libanon aus
Erneut hat die israelische Armee Menschen im Libanon dazu aufgefordert, ihr Zuhause zu verlassen. Es ergehe eine »dringende Warnung an die Bewohner des südlichen Libanons südlich des Zahrani-Flusses«, schreibt Armeesprecher Avichay Adraee auf X. Die Armee werde in diesem Gebiet »energisch« gegen terroristische Aktivitäten der Hisbollah vorgehen. »Ein Verbleib südlich des Zahrani-Flusses könnte Ihr Leben und das Leben Ihrer Familien gefährden«, heißt es in dem Beitrag weiter. Und: »Jede Bewegung nach Süden kann Ihr Leben gefährden.« Zuvor hatte die israelische Armee bereits die Menschen südlich des Litani-Flusses dazu aufgefordert, ihr Zuhause zu verlassen.
Die libanesische Regierung warf Israel vor, auch ohne rechtzeitige Evakuierungshinweise für Zivilistinnen und Zivilisten Ziele im Libanon angegriffen zu haben. So soll es etwa in Beirut zu unangekündigtem Beschuss gekommen sein.
Irans Geheimdienst geht gegen Opposition vor
Irans Geheimdienst ist eigenen Angaben zufolge gegen Dutzende Netzwerke von Oppositionellen vorgegangen. In 26 Provinzen seien »111 Zellen« von Monarchisten identifiziert worden, berichtet die Nachrichtenagentur Tasnim. Gemeint sind Anhänger des Schah-Sohns Reza Pahlavi, der im Ausland eine führende Rolle in der Opposition beansprucht. Es sei zu Festnahmen gekommen.
Tasnim zufolge wurden bei den Geheimdienstoperationen Schusswaffen beschlagnahmt. Vier Personen seien außerdem wegen des Vorwurfs der Spionage festgenommen worden. Sie sollen dem »Feind» Informationen über die Positionen von Sicherheitskräften verraten haben. Auch mehrere Menschen seien festgenommen worden, die Informationen und Fotos an den persischsprachigen Exilsender »Iran International« übermittelt hätten. Tasnim meldet zudem, dass 350 Starlink-Geräte beschlagnahmt worden seien.
Auf dem Weg Richtung Iran: US-Angriffsschiff offenbar bereits an Singapur vorbei
Berichte, wonach die USA offenbar Spezialkräfte und Anlandungsequipment nach Nahost verlegen lassen, sorgten jüngst für Aufsehen. Demnach hat das Pentagon das amphibische Angriffsschiff USS »Tripoli« und rund 2500 Soldaten von ihrer Basis in Japan ins Kriegsgebiet beordert. Nun berichtet der US-Sender CNN, die »Tripoli« habe bereits Singapur passiert und sei auf dem Weg in die Straße von Malakka.
Schiffe der US-Marine fahren oft mit abgeschalteten AIS-Transpondern, sodass es schwierig ist, sie zu tracken. Auch werden beizeiten sogar falsche Positionsdaten übermittelt, um eine sicherere Operation, vor allem in Gebieten mit hohem Schiffsverkehr, wie den Gewässern um Singapur, zu ermöglichen.
Laut AIS-Tracking-Daten, die CNN nach eigenen Angaben vorliegen, näherte sich das Schiff am Dienstagmorgen zunächst Singapur am südwestlichen Rand des Südchinesischen Meeres. Anschließend passierte es den Stadtstaat und bog in die Straße von Malakka ein. Der SPIEGEL konnte ein unbenanntes US-Kriegsschiff westlich von Seremban auf Marinekarten orten. Ein weiteres US-Schiff befand sich ein Stück nordwestlich davon ebenfalls in der Straße von Malakka.
Die USS »Tripoli« ist ein amphibisches Angriffsschiff, seine Entsendung Richtung Iran schätzen Beobachter als brisante Entwicklung ein: Dadurch deuten die USA womöglich Landeaktionen und Bodeneinsätze im Kriegsgebiet an. Mehr dazu lesen Sie hier.
Irans Außenminister: System besteht trotz gezielter Tötungen weiter
Irans Oberster Führer Ali Khamenei wurde getötet, außerdem der mächtige Sicherheitsberater Ali Larijani. Trotzdem will Irans Außenminister Abbas Araghchi ein Signal der Stärke in die Welt senden. Das politische System im Land halte er im Krieg weiterhin für überlebensfähig. Dabei spiele auch die gezielte Tötung von Führungspersonen keine Rolle, sagte Araghchi dem Nachrichtensender Al Jazeera. »Die An- oder Abwesenheit einer einzelnen Person hat keinen Einfluss auf die Struktur. (…) Entscheidend ist, dass das politische System in Iran eine sehr solide Struktur ist.«
Das sei auch der Fall gewesen nach der Tötung des obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei durch einen israelischen Luftangriff in Teheran, sagte Araghchi. »Sogar der Anführer wurde getötet. Aber das System arbeitete weiter und sorgte sofort für Ersatz. So wird es auch sein, wenn jemand anders getötet wird.« Auch im Fall, dass der Außenminister getötet würde – also er selbst –, stünde jemand anderes bereit, um den Posten einzunehmen, sagte Araghchi.
Iran meldet mehrere Tote und Dutzende Verletzte durch Angriff
Bei einem israelisch-amerikanischen Angriff sind nach Angaben aus Iran mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. 56 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtet die Nachrichtenagentur Tasnim. Der Luftangriff traf ein Wohngebiet der westlichen Stadt Dorud, wie es in dem Bericht unter Berufung auf den Vizegouverneur der Provinz Lorestan heißt.
Irak plant Ölexporte über Pipeline in Kurdenregion
Die Ölexporte des Irak sind stark durch die faktische Blockade der Straße von Hormus betroffen. Nun suchen die Verantwortlichen eine andere Lösung: Die Regierung im Irak und die halbautonome Kurdenregion haben sich auf erneute Ölexporte über eine wichtige Pipeline geeinigt, die über die Türkei zum Mittelmeer führt. Es herrschten »außergewöhnliche Umstände« im Land, teilt der kurdische Ministerpräsident Masrur Barsani mit. »Wir alle teilen die Verantwortung, um dieses schwierige Kapitel zu überstehen.«
Zwischen der irakischen Regierung und der Kurdenregion läuft seit Jahren ein Streit darüber, wie die Pipeline betrieben und wie die Umsätze aus den Ölexporten verteilt werden sollen. Die Regierung in Bagdad hofft auf Exporte über die Pipeline von etwa 300.000 Barrel (je 159 Liter), die heute wieder anlaufen sollen.
Treffer an iranischem AKW: So groß ist die Gefahr, die davon ausgeht
Das iranische Atomkraftwerk Buschehr ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA von einem Geschoss getroffen worden. Sie sei von Iran darüber informiert worden, dass »ein Geschoss das Gelände des Kernkraftwerks Buschehr getroffen hat«, erklärt die Uno-Organisation. »Es wurden weder Schäden an der Anlage noch Verletzungen von Mitarbeitern gemeldet«, heißt es weiter.
Das AKW Buschehr im Südwesten Irans verfügt über den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes. Nach Einschätzung der IAEA ist Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert.
Vergangenen Sommer hatte Israel die iranischen Atomanlagen schon einmal ins Visier genommen. Solche Attacken »können am Ende brandgefährlich sein«, schrieb mein Kollege Christoph Seidler damals. Seine Analyse lesen Sie hier.
Geschoss auf Gelände von iranischem Atomkraftwerk eingeschlagen
Im Zuge der Angriffe Israels und der USA auf Iran ist auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr nach Angaben aus Teheran ein Geschoss eingeschlagen. Bei dem Vorfall sei das Kraftwerk nicht beschädigt worden, teilten die iranischen Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Es habe auch keine Verletzten gegeben. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi rief zu höchster Zurückhaltung in dem Konflikt auf, um einen nuklearen Unfall zu vermeiden.
Die Atomanlage Buschehr, das einzige iranische Kernkraftwerk, liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf. Sein Reaktor russischer Bauart liefert seit 2011 Strom. Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom baut derzeit einen zweiten Reaktorblock.
Araghchi: Irans Atomdoktrin wird sich wohl nicht ändern
Strebt Iran nach Atomwaffen? Das wurde von westlichen Staaten immer wieder befürchtet, Teheran stritt das stets ab. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat nun zum Sender Al Jazeera gesagt, die Haltung seines Landes werde sich diesbezüglich wohl nicht ändern. Die Äußerungen wurden von iranischen Medien wiedergegeben. Araghchi warnte jedoch davor, dass der neue Oberste Führer seine Meinung zu diesem Thema noch nicht öffentlich geäußert habe.
Der frühere Oberste Führer, Ajatollah Ali Khamenei, hatte sich Anfang der Nullerjahre in einer Fatwa, einem religiösen Rechtsgutachten, gegen die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen ausgesprochen. Iranische Behörden erklärten stets, ihr Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Araghchi sagte dazu nun, Fatwas hingen vom jeweiligen islamischen Rechtsgelehrten ab, der sie erlasse.
Zuvor hatte Araghchi sich in dem Interview bereits zu den Angriffen seines Landes auf die Golfstaaten geäußert. Mehr dazu lesen Sie hier:
Iran rechtfertigt Angriffe auf Städte in Golf-Staaten mit US-Truppenpräsenz
Immer wieder greift Iran die Golfstaaten mit Raketen an. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat dies nun mit der Tatsache erklärt, dass die USA ihre Truppen in zivile Gebiete verlegt hätten. US-Streitkräfte hätten ihre Militärstützpunkte verlassen und seien in Hotels in den Städten untergekommen, sagte Araghchi zu iranischen Medien laut dem arabischen Sender Al Jazeera. »Überall dort, wo sich amerikanische Streitkräfte sammelten oder ihre Einrichtungen waren, wurden sie ins Visier genommen«, so der iranische Chefdiplomat. »Es ist möglich, dass einige dieser Orte in der Nähe von Städten liegen.«
Araghchi räumte ein, dass die Golfstaaten verärgert waren und ihre Bevölkerung durch die iranischen Angriffe betroffen gewesen sei. Die Schuld dafür läge jedoch allein bei den USA, die den Krieg begonnen hätten.
Leseempfehlung: Strippenzieher Larijani ist tot, das Regime in Iran könnte nun noch aggressiver werden
Iran will Golfstaaten »überall« angreifen, wo sich US-Truppen befinden
Immer wieder greift Iran die Golfstaaten mit Raketen an. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat dies nun mit der Tatsache erklärt, dass die USA ihre Truppen in zivile Gebiete verlegt hätten. US-Streitkräfte hätten ihre Militärstützpunkte verlassen und seien in Hotels in den Städten untergekommen, sagte Araghchi zu iranischen Medien laut dem arabischen Sender Al Jazeera. »Überall dort, wo sich amerikanische Streitkräfte sammelten oder ihre Einrichtungen waren, wurden sie ins Visier genommen«, so der iranische Chefdiplomat. »Es ist möglich, dass einige dieser Orte in der Nähe von Städten liegen.«
Araghchi räumte ein, dass die Golfstaaten verärgert waren und ihre Bevölkerung durch die iranischen Angriffe betroffen gewesen sei. Die Schuld dafür läge jedoch allein bei den USA, die den Krieg begonnen hätten.
Iran richtet mutmaßlichen Mossad-Spion hin
Die iranische Justiz hat einen Mann hinrichten lassen, dem sie Spionage für den israelischen Geheimdienst Mossad vorwirft. Das Todesurteil sei am Morgen vollstreckt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. Der Mann sei im vergangenen Jahr während des Zwölftagekriegs in einer ländlichen Region westlich der Hauptstadt Teheran festgenommen worden.
Bei der Festnahme wurden eine große Menge Bargeld sowie Spionage- und Satellitentelefone gefunden, hieß es bei Tasnim weiter. Dem Mann wurde vorgeworfen, Bilder und Informationen über sinnvolle Anlagen an den Mossad übermittelt zu haben. Angeworben worden sei er ursprünglich durch einen Führungsoffizier in Schweden. Es habe auch ein Treffen in Berlin stattgefunden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren.
Neue Angriffe auf Israel, die Golfstaaten und Beirut
Iran hat am frühen Morgen mit einer neuen Angriffswelle auf Israel und benachbarte Golfstaaten begonnen. Explosionen waren laut Reportern in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar zu hören, auch aus Saudi-Arabien wurden Abfangmanöver gemeldet.
Bei Tagesanbruch zerstörte ein israelischer Luftangriff ein Wohnhaus in Bachoura, einem Stadtteil im Zentrum Beiruts, vollständig. Zwei frühere Angriffe auf Wohnhäuser in anderen zentralen Vierteln Beiruts hatten am frühen Mittwochmorgen laut libanesischem Gesundheitsministerium mindestens sechs Menschen getötet und 24 weitere verletzt.
SPD-Politiker wollen Einschätzung von Bundesregierung zum Völkerrecht bei US-Angriffen auf Venezuela und Iran
Außenpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion haben die Bundesregierung befugt, eine völkerrechtliche Bewertung der jüngsten US-Angriffe vorzulegen. »In einer wie in der anderen Sache fällt die rechtliche Bewertung eindeutig aus: Weder der US-Angriff auf Venezuela noch der Krieg gegen Iran stehen im Einklang mit dem Völkerrecht«, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, dem »Stern«.
Mehr als zwei Wochen nach Kriegsbeginn in Iran hat die Bundesregierung noch nicht abschließend geprüft, ob die Angriffe der USA und Israels völkerrechtswidrig oder -konform sind. Auch bei der gewaltsamen Gefangennahme von Venezuelas einstigem Staatschef Nicolás Maduro durch die USA steht diese Bewertung noch aus. Zuständig für die völkerrechtliche Einordnung ist das Auswärtige Amt von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU).
»Es ist mehr als bedauerlich, dass die Bundesregierung bisher keine öffentliche Einschätzung zur völkerrechtlichen Bewertung vorgestellt hat, sondern geradezu fahrlässig«, sagte der Außenpolitiker und frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich dem »Stern«. Ahmetović mahnte, es sei »problematisch, dass innenpolitisches Taktieren und die Sorge vor einem offenen Konflikt mit dem US-Präsidenten allzu häufig zu stark ins Gewicht gefallen ist und damit den eigenen strategischen Handlungsspielraum verengen.«
Welche Schiffe immer noch durch die Straße von Hormus kommen
Kurz nach Beginn des Kriegs hat Iran die wichtige Straße von Hormus nahezu komplett geschlossen. Dennoch haben seither etwa 90 Schiffe die Meerenge passiert, darunter auch Öltanker, wie aus Datenplattformen für Schifffahrt und Handel hervorgeht. Das bedeutet: Es werden immer noch Millionen Barrel Öl exportiert, obwohl die Wasserstraße faktisch gesperrt ist.
Viele der Schiffe, die die Straße von Hormus passierten, waren sogenannte dunkle Transits, die westliche Sanktionen und Kontrollen umgingen und wahrscheinlich Verbindungen zum Iran unterhielten, so das Schifffahrtsdatenunternehmen Lloyd’s List Intelligence. In jüngster Zeit haben auch Schiffe mit Verbindungen zu Indien und Pakistan die Straße erfolgreich durchquert, nachdem die dortigen Regierungen die Verhandlungen intensiviert hatten.
Israelische Armee ruft Menschen im Zentrum von Beirut zur Evakuierung auf
Die israelische Armee hat die Bewohner eines zentralen Viertels der libanesischen Hauptstadt Beirut zur Evakuierung aufgerufen. Der arabischsprachige israelische Armeesprecher Avichay Adraee verbreitete in Onlinediensten am Mittwoch eine »dringende Warnung an die Einwohner des Viertels Baschura«. Die israelische Armee werde dort in Kürze gegen eine Anlage der proiranischen Hisbollah-Miliz vorgehen.
Adraee veröffentlichte eine Karte des Viertels mit einem Gebäude, dem Anwohner »zu ihrer eigenen Sicherheit« auf eine Distanz von mindestens 300 Metern fernbleiben sollten.
Kurz zuvor hatte die israelische Armee libanesischen Medien zufolge ohne Vorwarnung zwei Angriffe im Zentrum von Beirut ausgeführt. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens sechs Menschen getötet und 24 weitere verletzt.
Geschoss auf Gelände von iranischem Atomkraftwerk eingeschlagen
Im Zuge der Angriffe Israels und der USA auf Iran ist auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr nach Angaben aus Teheran ein Geschoss eingeschlagen. Bei dem Vorfall sei das Kraftwerk nicht beschädigt worden, teilten die iranischen Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Es habe auch keine Verletzten gegeben. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi rief zu höchster Zurückhaltung in dem Konflikt auf, um einen nuklearen Unfall zu vermeiden.
Die Atomanlage Buschehr, das einzige iranische Kernkraftwerk, liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf. Sein Reaktor russischer Bauart liefert seit 2011 Strom. Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom baut derzeit einen zweiten Reaktorblock.
USA setzen Bunkerbrecher gegen Stellungen an Straße von Hormus ein
Die US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bunkerbrechende Bomben eingesetzt, um besonders geschützte iranische Raketenstellungen an der Straße von Hormus anzugreifen. »Mehrere« der Bomben mit einem Gewicht von jeweils knapp 2,3 Tonnen seien »erfolgreich eingesetzt« worden, teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) mit.
Die Spezialmunition mit besonderer Durchdringungskraft kommt etwa bei Angriffen auf besonders verstärkte Einrichtungen oder unterirdische Bunkeranlagen zum Einsatz. Nach Angaben des US-Militärs zielte der Angriff auf Stellungen mit Marschflugkörpern ab, die gegen Schiffe eingesetzt werden sollten. Sie hätten »eine Bedrohung für den Schiffsverkehr in der Meerenge« dargestellt.
Die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist eine wichtige Ader für den internationalen Handel mit Öl und Flüssiggas. Teheran hat infolge der amerikanisch-israelischen Angriffe in Iran mehrfach gedroht, dort passierende Schiffe anzugreifen. Der Schiffsverkehr in der Meerenge ist seit Kriegsbeginn vor rund zweieinhalb Wochen praktisch zum Erliegen gekommen.
Golfstaaten melden Drohnen- und Raketenangriffe auf ihr Territorium
Mehrere Golfstaaten haben am Mittwochmorgen erneut Drohnen- und Raketenangriffe auf ihr Territorium gemeldet. Die Flugabwehr »reagiert auf die Bedrohungen durch Raketen und Drohnen aus Iran«, teilten die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate mit, während Journalisten der Nachrichtenagentur AFP von mehreren lauten Explosionen in der emiratischen Metropole Dubai berichteten. Die Behörden in Saudi-Arabien und Kuwait meldeten ebenfalls Angriffe.
Das saudi-arabische Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe insgesamt sechs Drohnen im Osten des Landes zerstört. Die kuwaitische Armee teilte derweil im Onlinedienst X mit: »Die kuwaitische Flugabwehr fängt derzeit feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab.«
Zwei Tote bei iranischem Raketenangriff auf Israel
Bei einem iranischen Raketenangriff sind in Israel Medienberichten zufolge mindestens zwei Menschen getötet worden. Sie wurden bei einer Attacke in der Stadt Ramat Gan nahe Tel Aviv schwer verwundet und erlagen wenig später ihren Verletzungen, wie die Zeitungen »Haaretz« und »Times of Israel« übereinstimmend berichteten. Sie beriefen sich dabei auf den Rettungsdienst Magen David Adom. In Bnei Brak und Petach Tikwa östlich von Tel Aviv seien zwei weitere Menschen leicht verletzt worden.
Das israelische Militär teilte mit, dass an mehreren Stellen im Zentrum des Landes Einschläge gemeldet worden seien. Es forderte die Bevölkerung auf, sich von diesen Orten fernzuhalten. Auf einem Video waren Schäden am Bahnhof Savidor in Tel Aviv zu sehen.
Gaspreis steigt – Auswirkungen für Deutschland
Der Preis für europäisches Erdgas ist am Dienstag nach einer Ausweitung der Angriffe Irans auf die Energiewirtschaft in der Region am Persischen Golf gestiegen. An der Börse in Amsterdam legte die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat im frühen Handel um mehr als zwei Prozent auf 52,10 Euro je Megawattstunde (MWh) zu. Der jüngste Anstieg des Gaspreises wird nach Einschätzung von Experten das Anlegen von Vorräten für den kommenden Winter erschweren.
Auch die Auswirkungen für Gaskunden in Deutschland werden nun deutlich: Neu abgeschlossene Verträge hätten sich »innerhalb weniger Tage um 1,7 Cent pro Kilowattstunde verteuert«, erklärte das Vergleichsportal Verivox in Heidelberg. Dies ist demnach ein Anstieg um mehr als ein Fünftel. Unterdessen äußerten die Gasspeicherbetreiber Sorgen um die Befüllung der Gasspeicher für den nächsten Winter. Die Bundesregierung erwägt eine strategische Reserve für den Notfall.
Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu knapp 22 Prozent gefüllt. »Das ist nicht viel, aber reicht, um in dem ausgehenden Winter die Versorgungslage sicherzustellen«, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstag. Der Gasspeicher-Verband Ines erklärte, dies reiche selbst bei extrem niedrigen Temperaturen aus, »um die Gasversorgung bis zum Ende der Heizperiode sicherzustellen«.
Kurzanalyse: Was der Rücktritt von Terrorabwehr-Chef Kent für Trump bedeutet
Joe Kent, der Chef des Nationalen Terrorabwehrzentrums NCTC, ist zurückgetreten. Er ist der erste hochrangige Vertreter der Trump-Regierung, der diese aus Protest gegen den Irankrieg verlässt. Kent ist ein Ex-Elitesoldat mit Hang zum Verschwörungsdenken. Er machte in seinem Rücktrittsschreiben Israel nicht nur für den jüngsten Waffengang verantwortlich, sondern auch für die Kriege im Irak und in Syrien.
Trump äußerte sich abfällig über den scheidenden Terrorabwehr-Chef. Er sei immer schon »schwach in Sachen Sicherheit« gewesen, sagte der Präsident vor Reportern im Weißen Haus. Kent habe gesagt, dass Iran keine Bedrohung sei, deshalb sei es »Islamischer Staat«, so Trump.
Dass auf den Rücktritt Kents zeitnah weitere folgen werden, ist fürs Erste unwahrscheinlich. Zwar gibt es in der Trump-Regierung auch andere Skeptiker wie Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard oder Vizepräsident JD Vance. Die schlagen bisher aber leise Töne an und sind bemüht, nicht öffentlich auszuscheren.
Doch der Rücktritt des NCTC-Chefs dürfte Trump einmal mehr vor Augen führen, welch politisches Risiko er mit der Irankampagne eingegangen ist. Zwar hält sein »Make America Great Again«-Lager (MAGA) bisher treu zu ihm. Doch auch unter seinen Unterstützern werden kritische Stimmen immer lauter.
So meldete sich nach Kents Rücktritt der einflussreiche rechte Podcaster Tucker Carlson zu Wort. »Joe ist der mutigste Mann, den ich kenne, und er kann nicht als Spinner abgetan werden«, sagte Carlson. Er verwies darauf, dass Kent Zugang zu den wichtigsten Geheimdienstinformationen hatte. Mit anderen Worten: Er wisse, wovon er rede.
Je länger der Krieg dauert, desto mehr Geld und Soldatenleben wird er kosten. Carlson und andere Trump-nahe Podcaster haben den Waffengang gegen Iran zwar kritisiert, die direkte Konfrontation mit dem Präsidenten bisher aber gescheut. Die Frage ist, wie lange das so bleibt.
Iran bestätigt Tod von Sicherheitschef Ali Larijani
Laut iranischen Staatsmedien ist Sicherheitschef Ali Larijni tot. Die den Revolutionswächtern nahestehende Nachrichtenagentur Fars teilte mit, dass der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates zum »Märyrer« geworden sei. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat Irans, dessen Chef Larijani war, veröffentlichte eine entsprechende Erklärung zu Larijanis Tod. Die israelische Armee hatte bereits am Dienstagvormittag verkündet, dass Larijani getötet worden sei.
Israels Luftwaffe greift iranische Basidsch-Milizen in Teheran an
Israels Armee bombardiert nach der Tötung des Kommandeurs der iranischen Basidsch-Einheiten, Gholamreza Soleimani, weiter Ziele dieser Miliz in Teheran. Die Luftwaffe habe in den vergangenen Stunden Mitglieder dieser paramilitärischen Einheiten angegriffen, die an mehr als zehn verschiedenen Positionen in der iranischen Hauptstadt aktiv gewesen seien, teilte das israelische Militär am Abend mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Irans Parlamentspräsident: Straße von Hormus wird nicht wie vor dem Krieg sein
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hat dauerhafte Veränderungen für den Schiffsverkehr in der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Straße von Hormus angekündigt. »Die Situation in der Straße von Hormus wird nicht zu ihrem Vorkriegszustand zurückkehren«, schrieb er auf Englisch im Onlinenetzwerk X.
Seit Beginn des Irankrieges am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und Iran wird von den iranischen Revolutionswächtern kontrolliert. Zudem beschoss Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Irans staatliche Medien bestätigen den Tod von Basidsch-Chef Soleimani
Die iranischen Revolutionswächter haben die Tötung von Gholamreza Soleimani, dem Chef der paramilitärischen Basidsch-Milizen, bestätigt, berichten Irans staatliche Medien. Gholamreza Soleimani sei einer »terroristischen Attacke des amerikanisch-zionistischen Feindes« zum Opfer gefallen, heißt es demnach in einem Statement der Revolutionswächter.
Weiter hätten sie erklärt: »Wir warnen die bösartigen und terroristischen Mörder dieses hochrangigen Märtyrers, dass die Basidsch niemals den Kampfeswillen des gefallenen Führers, der gefallenen Kommandeure und der zahlreichen Märtyrer des Volkes aufgeben wird.« Stattdessen werde ihr Tod »den Willen der heldenhaften iranischen Nation und aller Basidsch-Kämpfer, den Weg des Widerstands fortzusetzen, nur noch verstärken«.
Liebe Leserinnen und Leser, die USA und Israel setzen ihre Angriffe gegen Iran und seine Nachbarn fort, das Regime in Teheran antwortet mit Gegenangriffen. Wir halten Sie hier über die Entwicklungen in Nahost und die Auswirkungen jenseits der Region auf dem Laufenden. Was am Dienstag geschah, können Sie hier nachlesen.
Mit Material der Agenturen




