Bayern-Leihgabe Peretz und Southampton „Perfect Match“ – Hatte mentale Probleme

Bayern-Leihgabe Peretz und Southampton „Perfect Match“ – Hatte mentale Probleme

Erlebt „Höhepunkt“ seiner Karriere 

Bayern-Leihgabe Peretz und Southampton „Perfect Match“ – Hatte mentale Probleme

©IMAGO

Daniel Peretz landete nach seinem Leihwechsel zum Hamburger SV im vergangenen Sommer in der Sackgasse und schob angesichts seiner Reservistenrolle Frust. Der einst mit großen Ambitionen zum FC Bayern gewechselte Torhüter brauchte einen Ausweg – und fand diesen im Januar mit dem Transfer zum FC Southampton. Mit den Saints startete der israelische Nationalkeeper durch, fand endlich sein Glück und wird für seine Leistungen gefeiert. Mündet dieser Höhenflug im Aufstieg in die Premier League? Im Transfermarkt-Interview spricht Peretz über seine beste Karrierephase, die Vorzüge der Championship, den jungen Trainer Tonda Eckert, die für ihn ausgehandelte Kaufoption und eine mögliche Rückkehr zu den Bayern. Zudem verrät Peretz seinen größten Traum und dass er mit mentalen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, die er allerdings mit Bravour hinter sich ließ.

Transfermarkt: Herr Peretz, das 1:0 gegen Norwich City am Mittwochabend war bereits Ihr 14. Spiel seit Ihrer Ankunft bei Southampton. Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit neben dem ganzen Fußball?

Daniel Peretz: Ehrlich gesagt spielen wir sehr viel, es ist gerade sehr intensiv. Ich fokussiere mich in dieser Zeit deshalb sehr auf die Regeneration. Und ich genieße die Zeit mit meiner Frau, die mit mir hier ist.

Transfermarkt: Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Peretz: Ich bin sehr glücklich, weil wir zum ersten Mal in den Playoff-Rängen sind. Das bedeutet, dass wir nun die Kontrolle haben. Wir müssen weiter darauf drängen. Die Dinge können noch besser werden, weil wir es in die Premier League schaffen wollen – das ist das Hauptziel. Wir haben ein gutes Momentum und arbeiten sehr hart in der Mannschaft mit unserem Trainer und unterstützen uns jeden Tag, um dieses Level zu halten. Wir müssen bis zur letzten Sekunde der Saison Gas geben, brauchen immer den gleichen Fokus und die gleiche Mentalität, egal, gegen wen es geht.

Transfermarkt: Sie blieben schon zum sechsten Mal ohne Gegentor und hielten den Sieg mit einigen Paraden fest. Könnte es aktuell überhaupt besser für Sie persönlich laufen?

Peretz: Ich fühle mich von Spiel zu Spiel immer besser. Ich habe lange nicht regelmäßig gespielt und es hat vielleicht ein paar Spiele gebraucht, um wirklich in den Rhythmus zu kommen, damit es sich natürlich anfühlt. Jetzt fühle ich mich so gut wie noch nie. Es scheint, als wäre ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere angekommen. Es ist das erste Mal seit meinem Wechsel zum FC Bayern, dass ich regelmäßig spiele. In München habe ich zwar sieben Spiele gemacht, aber hier sind es bereits 14 hintereinander.

Daniel Peretz 2022 im Trikot von Maccabi Tel Aviv – im August 2023 wechselte der Israeli für 5 Millionen Euro zum FC Bayern

Daniel Peretz 2022 im Trikot von Maccabi Tel Aviv – im August 2023 wechselte der Israeli für 5 Millionen Euro zum FC Bayern

Transfermarkt: Das „Daily Echo“ schrieb zuletzt über Sie: „Egal, wie oft man gewarnt wird, sich nicht in einen Leihspieler zu verlieben – es fällt schwer, wenn dieser so spielt wie Daniel Peretz.“ Bekommen Sie das alles mit?

Peretz: Viele Leute sprechen mit mir und ich bekomme viele Nachrichten bei WhatsApp und Social Media. Das ist sehr nett und ich fühle mich dadurch wie zuhause. Es hilft, gute Leistungen zu bringen, wenn du dieses Umfeld hast, in dem du fühlst, dass dich jeder unterstützt und liebt. Und genau das möchte ich den Leuten zurückgeben. Ich bin wirklich glücklich darüber, dass es so gut funktioniert. Meine Verbindung zu den Fans, zum Klub und zum Stadion ist gut – also zu allen. Das ist eine tolle Sache.

So denkt Bayern-Leihgabe Peretz über Trainer Tonda Eckert

Transfermarkt: Zweieinhalb Monate sind seit Ihrem Wechsel nach England vergangen. Wie denken Sie über die Championship?

Peretz: Ich liebe diese Liga, weil sie so intensiv ist. Es gibt viele Teams, die um die Playoffs kämpfen. Jedes Spiel ist wichtig, weil jeder Punkt für die Playoffs zählt. Der Intensität der Partien ist so hoch, weil du jede Woche zweimal spielst. Für mich ist es perfekt, weil es genau das ist, was ich brauchte. Genau wie das Spiel selbst. Ich habe viele Aktionen als Torhüter, weil die Liga sehr aggressiv ist und es viele ruhende Bälle und Flanken gibt – ich genieße das.

Transfermarkt: Was ist der größte Unterschied zur Bundesliga?

Peretz: Neben den Flanken und Standardsituationen ist der Fußball ein wenig direkter. Es gibt mehr lange Bälle und Flanken als in der Bundesliga, wo es mehr um Ballbesitz und Pressing geht.

Transfermarkt: Worin haben Sie sich am meisten verbessert?

Peretz: Ich will mich in jedem Aspekt verbessern: physisch, mental, taktisch und technisch. Ich setze mir jeden Tag Ziele und fokussiere mich darauf, die beste Version von mir selbst zu werden. Es geht nicht nur um eine Sache, sondern um alles. Der Fokus liegt jeden Tag anders.

Transfermarkt: Sind der FC Southampton und Sie ein „Perfect Match“?

Peretz: Ja, es ist ein Perfect Match für uns beide. Ich befand mich in einer Phase, in der ich diesen Einfluss gebraucht habe, um erster Torhüter zu werden. Ich musste regelmäßig spielen. Es ist ein anderes Gefühl, als nur der zweite Mann zu sein. Das habe ich wirklich gebraucht. Mit meiner Erfahrung und meinem Charakter kann ich anderen Spielern helfen, weil wir ein sehr junges und talentiertes Team haben. Ich bin selbst noch nicht so alt, bringe aber Erfahrung mit.

Es ist noch zu früh, um über den Sommer zu sprechen.

Transfermarkt: Mit Tonda Eckert haben Sie einen deutschen Trainer, der erst 33 Jahre alt ist. Was macht Ihn besonders? Wie nehmen Sie den Coach wahr?

Peretz: Er ist superprofessionell und bereitet alles zu 100 Prozent vor, ist bereit und liefert uns die Details, um in jedem Spiel zu funktionieren. Er vermittelt uns immer die richtige Energie. Ich denke, er macht es sehr gut, die Statistiken zeigen das.

Transfermarkt: Wie wahrscheinlich ist es, dass der FC Southampton in die Premier League zurückkehrt – und Sie dann im Tor stehen?

Peretz: Ich denke, das wäre logisch. Aber es ist noch zu früh, um über den Sommer zu sprechen. Mein Fokus liegt jetzt wirklich auf den Spielen. Hoffentlich können wir in zwei Monaten darüber sprechen, wenn wir in die Premier League aufgestiegen sind. Dann wird es viel einfacher, eine Antwort darauf zu geben.

Peretz: Premier League mit Southampton oder neuer Anlauf beim FC Bayern?

Transfermarkt: Die Kaufoption für Sie liegt bei 8 Mio. Euro. Wenn Sie entscheiden dürften: Würden Sie diese ziehen?

Peretz: Ich bin nicht der Klub und es gibt eine Menge Fälle, die eintreten können, wenn Southampton aufsteigt oder nicht aufsteigt. Ich kann nur sagen, dass ich es hier sehr genieße. Ich kann aber nichts versprechen, weil niemand weiß, was in der Zukunft passiert. Aber ich weiß, dass wir am Ende der Saison eine klare Situation haben werden.

Transfermarkt: Ihr perfektes Szenario wäre welches?

Peretz: Dass wir aufsteigen und unsere Ziele erreichen. Das wäre für mich, den Verein und alle Menschen toll.

Transfermarkt: Wo ist das Wetter besser: in Southampton oder Hamburg?

Peretz: (lacht) In Southampton geht es mir deutlich besser. Ich bin sehr glücklich hier.

Transfermarkt: Schauen wir zurück: Seit Ihrem Bayern-Transfer im August 2023 hatten Sie – bis zum nächsten Schritt nach Southampton – nur zwölfmal für die Münchner und den HSV im Tor gestanden. Wie schwer war es für Sie ohne dauerhafte Spielpraxis?

Daniel Peretz 2022 im Trikot von Maccabi Tel Aviv – im August 2023 wechselte der Israeli für 5 Millionen Euro zum FC BayernSommer 2025: Daniel Peretz (r.) wollte beim Bundesliga-Aufsteiger HSV die Nummer 1 werden – und musste sich Aufstiegsheld Daniel Heuer Fernandes geschlagen geben

Sommer 2025: Daniel Peretz (r.) wollte beim Bundesliga-Aufsteiger HSV die Nummer 1 werden – und musste sich Aufstiegsheld Daniel Heuer Fernandes geschlagen geben

Peretz: Es war nicht einfach, aber ich war stark im Kopf und wusste, dass das nur eine Periode ist. Also habe ich die Zeit genutzt, um zu lernen und mich so gut es geht zu verbessern, damit ich bereit für regelmäßige Einsätze bin und bestmöglich performen kann. Ich hatte viele mentale Schwierigkeiten, aber es hat mich wirklich stärker gemacht, diese Zeit zu durchleben. Ich denke, es ist etwas, das bei fast jedem Athleten passiert, der wenig aktiv sein kann. Ich weiß, dass es für mich sehr schwer war. Ich bin froh, dass ich diese lange Periode hinter mir gelassen habe. Und ich habe wie gesagt sehr viel gelernt. Ich würde diese Zeit nicht rückgängig machen wollen, insbesondere bei Bayern. Es hat mich zu einer besseren Person, zu einem besseren Leader, Torhüter und Fußballprofi gemacht und mir ein besseres Spielverständnis gegeben. Ich habe die Vorteile mitgenommen – und jetzt ist es an der Zeit, all das zu zeigen, was ich gelernt habe.

Transfermarkt: War das vergangene Kapitel in Hamburg für Sie nicht verlorene Zeit?

Peretz: Nein, denn ich lerne in jeder Situation und das macht mich stärker.

Transfermarkt: Haben Sie noch Kontakt zu Manuel Neuer?

Peretz: Ja. Er ist ein toller Typ und so bescheiden. Ich werde nie vergessen, wie er mich Willkommen geheißen hat und wie er mir jeden Tag mit seinen Tipps geholfen hat. Auch außerhalb des Platzes wollte er immer helfen.

Transfermarkt: Ist er Ihr Vorbild?

Peretz: Ja, seit meiner Kindheit habe ich Videos von ihm angeschaut. Er ist der Größe aller Zeiten. Und ich schätze Thibaut Courtois sehr.

Transfermarkt: Sie wechselten im Juli 2025 auf Leihbasis zum HSV, wo Sie auf den gefeierten Aufstiegstorwart Daniel Heuer Fernandes trafen. Was wurde Ihnen versprochen?

Peretz: Das liegt in der Vergangenheit, ich möchte lieber über Southampton sprechen.

Transfermarkt: Das respektieren wir. Dennoch die Nachfrage: Sie hätten wahrscheinlich im vergangenen Sommer andere Optionen gehabt, um die Nummer eins werden zu können?

Peretz: Ich hatte einige gute Optionen. Aber es geht weiter. Im Januar kam Southampton.

Transfermarkt: Sehen Sie unter Umständen doch noch eine Chance, eines Tages beim FC Bayern den Durchbruch zu schaffen?

Peretz: Die Situation ist noch weit entfernt. Es ist schwierig zu wissen, wie wir die Saison beenden. Und Bayern hat seine eigene Situation. Manu muss entscheiden, ob er weitermacht oder nicht. Danach wird Bayern entscheiden und wir werden schauen, dass die beste Entscheidung für meine Karriere getroffen wird. Bayern ist noch immer in meinem Herzen. Ich liebe den Klub.

Transfermarkt: Beim FC Bayern waren mit Neuer, Jonas Urbig und Sven Ulreich jüngst alle drei Torhüter verletzt. Das hätte Ihre Chance sein können. Haben Sie daran denken müssen?

Peretz: Das ist Fußball. Diese Situation war wirklich verrückt. Es passiert nicht jedes Jahr, dass gleich alle Torhüter verletzt sind. Aber ja – in diesem Beruf ist das möglich.

Verstehen sich blendend: Daniel Peretz (l.) und sein Idol Manuel Neuer

Verstehen sich blendend: Daniel Peretz (l.) und sein Idol Manuel Neuer

Transfermarkt: Sie kommen erst noch ins beste Torhüteralter. Ein Blick in die ferne Zukunft: Was muss passieren, damit Ihre Karriere für Sie ideal gelaufen ist?

Peretz: Mein größter Traum ist es, für meine Nationalmannschaft aufzulaufen und sich für ein großes Turnier zu qualifizieren. Das wäre eine riesige Sache für uns. Und natürlich möchte ich Titel gewinnen und in den besten Ligen der Welt spielen. Ich will in der Champions League dabei sein. Wir werden sehen, wie es genau laufen wird.

Interview: Philipp Marquardt

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