Mit einem süffisanten Lächeln verfolgt Marius das Ende seiner Verhandlung
Die Hauptverhandlung im Prozess um Marius Borg Høiby ist beendet. Am letzten Tag versuchten seine Verteidiger, seine Unschuld in vielen Punkten zu beweisen. Der Angeklagte wirkte währenddessen entspannt.
Sechs Wochen Verhandlung liegen hinter Marius Borg Høiby (29). Am letzten Prozesstag standen die Plädoyers seiner Verteidiger Petar Sekulic und Ellen Holager Andenæs auf dem Plan.
Hauptverhandlung im Marius-Prozess abgeschlossen
Sekulic betonte zu Beginn, dass die Gerichtsverhandlung für den Sohn von Mette-Marit (52) eine enorme Belastung gewesen sei – unter anderem, weil sehr intime Details aus seinem Leben an die Öffentlichkeit drangen.
Zudem habe die Familie des 29-Jährigen wegen des Prozesses eine schwere Zeit durchmachen müssen. Dabei sei noch nicht einmal erwiesen, dass Marius die ihm vorgeworfenen Straftaten tatsächlich begangen habe. „Marius muss hier nicht seine Unschuld beweisen – die Staatsanwaltschaft muss seine Schuld beweisen“, sagt Sekulic.
Verteidiger von Marius Borg Høiby will Freispruch in Vergewaltigungsfällen erreichen
In seinem Plädoyer ging der Verteidiger vor allem auf die vier Vergewaltigungen im Schlaf ein, die Marius zur Last gelegt werden. Sekulic äußerte Zweifel daran, dass die Frauen während der mutmaßlichen Übergriffe tatsächlich schliefen. Außerdem stellte er die Glaubwürdigkeit der Geschädigten infrage – und erweckte den Anschein, dass diese es auf Marius‘ Berühmtheit abgesehen hatten. Auch dessen Ex-Freundin Nora Haukland (26) stellte er in dem Prozess als Influencerin mit finanziellem Motiv dar. Marius sei ihr gegenüber nie gewalttätig geworden.
Für die mutmaßlichen Vergewaltigung und die vermeintlich Misshandlung Noras forderte der Verteidiger schließlich einen Freispruch. „Es gibt in diesem Fall keine Beweise, die darauf hindeuten, dass Marius wegen der Vergewaltigungen verurteilt werden könnte. In keinem dieser vier Fälle“, hob er hervor.
Verteidigung will niedrigere Haftstrafe und geringeren Schadensersatz
Verteidigerin Holager Andenæs fügte später hinzu, dass, wenn das Gericht Marius trotzdem in allen Punkten für schuldig befinden sollte, eine Haftstrafe bis zu sechs Jahren angemessen wäre. Damit lag die Forderung unter der der Staatsanwaltschaft, die tags zuvor 7 Jahre und 7 Monate Haft gefordert hatte. Die Verteidigerin bat das Gericht, die enorme und noch nie dagewesene Medienpräsenz in diesem Prozess als strafmildernden Umstand zu werten.
Zudem sei der von den Opferanwältinnen geforderte Schadensersatz von rund 172.000 Euro zu halbieren.
BUNTE.de in Oslo: Zum Schluss zog Marius amüsiert die Augenbrauen hoch
Marius, der am letzten Verhandlungstag in einem schwarzen Hemd erschien, verhielt sich während der Ausführungen seiner Verteidiger wie an den meisten anderen Prozesstagen auch – er saß relativ ungerührt an seinem Platz und zeichnete in seinen Notizblock. Zu den anwesenden Geschädigten – der „Frogner-Frau“, der „Afterparty-Frau“ und der „Lofoten-Frau“ – sah er nicht rüber.
Erst zum Schluss der Verhandlung legte er seine Stifte beiseite und lehnte sich in seinen Stuhl. Als die Staatsanwaltschaft und die Opferanwälte auf die Verteidiger-Plädoyers reagierten, schaute er zu ihnen herüber und zog manchmal amüsiert die Augenbrauen hoch. Kurzzeitig umspielte ein süffisantes Lächeln seine Lippen.
Die Möglichkeit, am Ende des Prozesses noch etwas zu sagen, ergriff er nicht. Als er Saal 250 zum vorerst letzten Mal verließ, schaute er sich noch kurz nach dem Richter um – dann ging er heraus. Die Urteilsverkündung wird Anfang Juni erwartet.
- Marius Borg Høiby (29) steht seit dem 3. Februar vor Gericht
- Er ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Morten Borg, Stiefsohn von Kronprinz Haakon von Norwegen
- Für den Prozess am Bezirksgericht in Oslo sind 28 Prozesstage in sieben Wochen geplant, am 19. März enden die Schlussplädoyers
- Marius Borg Høiby ist in 40 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung
- Das Anwaltsduo Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic vertritt Marius Borg Høiby in dem komplexen Prozess
- Das Gericht hat strenge Regeln für Medienvertreter aufgestellt, um die Privatsphäre der Geschädigten und des Angeklagten zu schützen

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