Mögliche Nachfolge-Kandidaten

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Dieser Artikel erschien auf Transfermarkt in seiner ersten Fassung um 12:22 Uhr und wurde im Anschluss um Informationen zu den Hintergründen der Trennung ergänzt (neuer zweiter und dritter Absatz).
Paukenschlag bei Borussia Dortmund: Die Schwarz-Gelben und Sportdirektor Sebastian Kehl gehen einvernehmlich getrennte Wege. Das teilte der BVB am Sonntagmittag offiziell mit. Der 46-jährige Kehl war seit Sommer 2022 als Nachfolger von Klubikone Michael Zorc im Amt, zuletzt hatte die Kritik an ihm zugenommen, zudem wurde er mit einem möglichen Wechsel zum Hamburger SV in Verbindung gebracht. Bei den Norddeutschen wird nach dem Ausscheiden von Stefan Kuntz über einen Headhunter ein neuer Sportvorstand gesucht. Kehl soll einer der Kandidaten sein.
Update 16:22 Uhr: Laut den „Ruhr Nachrichten“ reifte bei beiden Parteien – dem BVB und Kehl – in den vergangenen Wochen und Monaten die Erkenntnis, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht förderlich wäre, weil Kehl permanent im Zentrum der Kritik gestanden habe, extern wie intern. Zudem sei das Miteinander zwischen Geschäftsführer Lars Ricken und seinem früheren Teamkollegen ohne Esprit und Energie gewesen. Kehl habe, wie hinter vorgehaltener Hand berichtet worden sei, mit keinem seiner Mistreiter in der sportlichen Führung harmoniert, weshalb er weitgehend isoliert galt. Ricken sei seit längerem nicht mehr überzeugt davon gewesen, dass Kehl den Klub positiv in die Zukunft führen könne.
Weiterer Vorwurf: Die Dortmunder sollen in der jüngeren Vergangenheit zu viel Geld für zu viel Durchschnitt auf dem Transfermarkt ausgegeben haben, diese dürftige Transferbilanz habe auch die Fans verstimmt. Zu den „heißen Kandidaten“ für Kehls Nachfolge zähle nicht Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche. Die Zeitung nennt mit Fabian Wohlgemuth (VfB Stuttgart) und Andreas Schicker (TSG Hoffenheim) zwei potenzielle Namen, die infrage kommen könnten. Möglich seien aber auch strukturelle Veränderungen beim BVB mit einer unverbrauchten Konstellation. Nach Angaben der „WAZ“ soll die Nachfolge schnell geregelt werden und sich nicht monatelang ziehen, damit der neue Mann Einfluss auf die Kaderplanung für die neue Saison habe. Laut „Sky“ wird Elversbergs Manager Nils-Ole Book beim BVB diskutiert.
So begründet der BVB die Trennung von Kehl
BVB-Geschäftsführer Lars Ricken begründete die Trennung von Kehl wie folgt: „In einem sehr offenen Gespräch sind Sebastian Kehl, Carsten Cramer und ich zu der gemeinsamen Überzeugung gelangt, dass im Sommer der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen ist. Damit sich beide Seiten darauf vorbereiten können, haben wir uns einvernehmlich auf eine sofortige Beendigung von Sebastians Tätigkeit verständigt. Auch Sebastian und mich verbindet eine lange Geschichte. Wir haben nicht nur gemeinsam für Borussia Dortmund gespielt, sondern sind 2002 auch gemeinsam Deutscher Meister geworden. Sebastian hat enorme Verdienste für unseren Verein und für sein großes Engagement sind wir ihm sehr dankbar.“
Kehl sagte: „Borussia Dortmund hat mich mein halbes Leben begleitet und ich habe eine extreme Verbundenheit zu diesem großartigen Klub. Trotzdem haben wir nun gemeinsam das Gefühl entwickelt, dass es an der Zeit ist, neue Wege zu gehen – sowohl für den BVB als auch für mich. Zu diesem Ergebnis sind Lars, Carsten und ich heute in einem konstruktiven Gespräch gekommen. Ich habe Borussia Dortmund viel zu verdanken und bin stolz, rund 24 Jahre Teil der BVB-Familie gewesen zu sein. In dieser Zeit habe ich so viele unglaubliche Erfolge mit dem Verein, seinen Mitarbeitern und seinen fantastischen Fans feiern dürfen und es wird mich für immer stolz machen, Teil der Vereinshistorie zu sein. Das Feld hier ist bestellt, ich wünsche dem Verein bei seiner Neuausrichtung nur das Allerbeste und weiterhin die größtmöglichen Erfolge. Borussia Dortmund, das unglaubliche Stadion und die Südtribüne werden immer einen festen Platz in meinem Herzen haben. Es war mir eine Ehre.“

Carsten Cramer, Sprecher der BVB-Geschäftsführung, ergänzte: „Die Trennung von Sebastian Kehl bedeutet natürlich einen Einschnitt in unserer sportlichen Führungsebene. Um die mit Blick auf die neue Saison anzustoßenden Veränderungen voranzutreiben und auch Sebastian Zeit für die nächsten Schritte seiner beruflichen Zukunft zu geben, ist die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt folgerichtig. Wir möchten Sebastian für seinen Einsatz, seine Identifikation und seine Erfolge danken und wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute.“
Klubboss Hans-Joachim Watzke teilte mit: „Als Präsident von Borussia Dortmund möchte ich mich persönlich, aber auch im Namen aller Mitglieder, auf das Herzlichste bei Sebastian Kehl bedanken. Als ich 2005 die Geschäftsführung übernommen habe, war Sebastian mit dem BVB bereits das erste Mal Deutscher Meister geworden. Gemeinsam haben wir anschließend in mehr als 20 Jahren große Erfolge gefeiert und einige schmerzliche Enttäuschungen durchlitten. Sebastian Kehl hat bereits heute einen festen Platz in den Annalen von Borussia Dortmund. Für seine persönliche Zukunft wünsche ich ihm alles erdenklich Gute und für seine weitere Karriere größtmögliche Erfolge.“
Kehl verlängerte Anfang 2025 als BVB-Sportdirektor – Transferbilanz
Kehl hatte seinen Vertrag als Sportdirektor in Dortmund erst im Januar 2025 verlängert. Das neue Arbeitspapier war bis 2027 gültig. Ricken sagte damals: „In den vergangenen Wochen haben wir intensive Gespräche über Inhalte, Strukturen sowie wirtschaftliche Themen geführt und diese nun zu einem positiven Abschluss gebracht. Unser vorrangiges Ziel ist klar: Wir möchten auch in den nächsten Jahren kontinuierlich in der UEFA Champions League vertreten sein und die dafür notwendige Rolle in der Bundesliga spielen. Um diese Ziele zu erreichen, werden wir weiterhin alle Kräfte bündeln. Sebastian hat als Sportdirektor auf diesem Weg meine volle Unterstützung.“
Seit dem Sommer 2022 – als der bisherigere Leiter Lizenzen Kehl die Nachfolge Zorcs antrat – investierten die Dortmunder 363 Millionen Euro in Neuzugänge, darunter 30,5 Mio. Euro für Jobe Bellingham, 30 Mio. Euro für Felix Nmecha und 28,5 Mio. Euro für Maximilian Beier. Im Gegenzug nahmen die Westfalen 354 Mio. Euro für Verkäufe ein, was eine annähernd ausgeglichene Transferbilanz unter Kehl (- 8,6 Mio. Euro) bedeutet. Die Bundesligisten Bayer Leverkusen (-9 Mio. Euro), Union Berlin (-15 Mio. Euro), der HSV (-19 Mio. Euro), der VfL Wolfsburg (- 66 Mio. Euro) und der FC Bayern (-88 Mio. Euro) stehen im Vergleichszeitraum mit einem größeren Transferminus da, weil die Ausgaben die Einnahmen überstiegen. Währenddessen gelang es Vereinen wie Eintracht Frankfurt (+141 Mio. Euro), dem VfB Stuttgart (+108 Mio. Euro), RB Leipzig (+62 Mio. Euro) und Mainz 05 (+51 Mio. Euro) in diesem Zeitfenster, ein deutliches Transferplus zu generieren.



