Ahmed al-Scharaa in Berlin angekommen: Der umstrittenste Staatsbesuch des Jahres

Ahmed al-Scharaa in Berlin angekommen: Der umstrittenste Staatsbesuch des Jahres

Syrien-Machthaber im Berliner Luxus-Hotel angekommen: Der umstrittenste Staatsbesuch des Jahres

Montag trifft er Bundeskanzler Merz und Bundespräsident Steinmeier

Syriens Machthaber Ahmed al-Scharaa (43) bei der Ankunft am Ritz-Carlton in Berlin

Syriens Machthaber Ahmed al-Scharaa bei der Ankunft am Ritz-Carlton in Berlin

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Berlin – Es sind Bilder, die vor dem Fall von Syrien-Diktator Baschar al-Assad (60) im Dezember 2024 kaum vorstellbar waren: Ein syrischer Machthaber ist in der deutschen Hauptstadt zu Gast. Ahmed al-Scharaa (43), seinerseits Ex-Terrorist und Dschihadist, ist am Sonntagabend am BER gelandet und nächtigt im Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton in Berlin-Mitte (aktueller Zimmerpreis: ab 365 Euro, Suiten mit begehbaren Kleiderschränken). Davor: alles abgesperrt mit Gittern und Polizeikräften, dazu kommen mobile Durchfahrtssperren.

Al-Scharaa rollte um kurz nach halb 8 am Sonntagabend geräuschlos in die Tiefgarage des Luxus-Hotels. Zuvor war er mit einem katarischen Flugzeug (Kennung: A7-MBK) aus Damaskus nach Berlin geflogen und um 16.43 Uhr auf dem Hauptstadtflughafen BER gelandet. Was er und seine Begleiter mehr als zwei Stunden im Flughafen gemacht haben, bevor sie in ihr Nachtquartier fuhren – unklar.

Gibt sich gerne staatsmännisch: Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa (43)

Gibt sich gerne staatsmännisch: Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa (43)

Männer in traditioneller syrischer Kleidung, mutmaßlich von der syrischen Botschaft, laufen an der Polizei vorbei ins Ritz-Carlton am Potsdamer Platz

Männer in traditioneller syrischer Kleidung, mutmaßlich von der syrischen Botschaft, laufen an der Polizei vorbei ins Ritz-Carlton am Potsdamer Platz

In Berlin warten am Montag viele Termine auf den syrischen Machthaber. Auf der Tagesordnung stehen Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70). Dem Auswärtigen Amt stattet al-Scharaa einen Besuch ab, um dort am Deutsch-Syrischen Wirtschafts-Roundtable teilzunehmen.

Die Polizei baute vor dem Ritz-Carlton in Berlin-Mitte mehrere Barrieren auf, um Ahmed al-Scharaa zu schützen

Die Polizei baute vor dem Ritz-Carlton in Berlin-Mitte mehrere Barrieren auf, um Ahmed al-Scharaa zu schützen

Seit er Präsident ist, sieht er anders aus

Seitdem er im Dezember 2024 Syrien übernommen hat, hat sich der Mann, auf den die USA mal 10 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt hatten, äußerlich stark verändert. Der Bart ist kürzer, die Kampfmontur wurde durch maßgeschneiderte Anzüge ersetzt. Er weiß, was er dem Westen bieten muss, um die von seinem Land so dringend benötigten Gelder für den Wiederaufbau zu bekommen.

Doch der frühere Anführer der al-Nusra-Front (Kampfname: „Abu Mohammed al-Dscholani“) steht in der Kritik: Mit dem von ihm versprochenen Schutz der Minderheiten soll es der Ex-Terrorist nicht ernst meinen. Das betraf zunächst vor allem Kurden und Drusen. Am Wochenende gab es eine Gewaltorgie gegenüber Christen.

Bundesregierung weist Kritik von sich

Trotz allem gibt es in Berlin einen roten Teppich für den Staatsgast aus Damaskus. Kritiker werfen der Regierung vor, dem Staatsgast mit der blutigen Vergangenheit zu viel Ehre zu erweisen. Regierungssprecher Stefan Kornelius (60) wies das zurück: „Es ist sehr wichtig, sich mit den Führern dieser Region auszutauschen. Wir haben dort Interessen“, sagte er.

Konkret: „Unser Interesse ist, dass Syrien stabil und prosperierend aufgebaut wird, auch mit Hilfe der vielen, vielen Syrer, die während des Bürgerkriegs hierher, nach Deutschland gekommen sind.“ Bedeutet: Möglichst viele Syrer, die nicht in den deutschen Arbeitsmarkt integriert sind, sollen baldmöglichst in die Heimat zurückkehren und anpacken. Man werde die Menschenrechtslage aber ansprechen, hieß es aus dem Kanzleramt.

Die USA hatten jahrelang ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar auf Ahmed al-Scharaa ausgesetzt. Damals trug er den Kampfnamen „Abu Mohammed al-Dscholani“

Die USA hatten jahrelang ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar auf Ahmed al-Scharaa ausgesetzt. Damals trug er den Kampfnamen „Abu Mohammed al-Dscholani“

Kritik an dem Besuch hagelt es dennoch: Die Kurdische Gemeinde Deutschland warf der Bundesregierung „protokollarische Aufwertung“ eines Mannes vor, der für Kriegsverbrechen verantwortlich sei. Die Linkspartei nannte das geplante Treffen einen „moralischen Bankrott“.

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