Es ist ein Gedanke, den viele lieber verdrängen: Ein Unfall – die Türen blockieren, die Technik versagt. Die Zentralverriegelung reagiert nicht mehr, der Fensterheber bleibt tot, der Gurt lässt sich nicht lösen. Und hinten sitzt womöglich noch ein Kind. In der „Höhle der Löwen“ (Montag, 20.15 Uhr, VOX) stellen drei Gründer aus Paderborn eine kleine Karte für genau solche Notfälle vor. Wir haben sie uns genauer angesehen.
Montagabend sorgte in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ eine kleine Karte mit großem Versprechen für Aufsehen: Sie soll nichts Geringeres als im Notfall Leben retten.
Die „Easy Exit Card“ wird von drei Paderbornern als Notfall-Rettungswerkzeug im Kreditkartenformat verkauft. Sie kann PKW-Seitenscheiben – von innen und außen – schnell zerstören, damit man sich selbst oder andere aus dem Auto befreien kann. Dazu kommt eine Schutzhülle mit integriertem Gurtschneider; für den Fall, dass der Gurt sich nicht normal öffnen lässt.

(Foto: RTL/Bernd-Michael Maurer)
Der erste Eindruck
Beim Auspacken macht die Karte einen guten ersten Eindruck. Sie kommt ordentlich verpackt nach Hause, das Material wirkt hochwertig und wesentlich robuster als eine normale EC- oder Kreditkarte. Der verbaute Dorn besteht aus Hartmetall. Auch die rote Schutzhülle wirkt solide. Der integrierte, scharfe Gurtschneider ist sinnvoll eingebettet: Man kann sich daran nicht versehentlich schneiden.
Ein kleines Detail fiel uns im Praxistest negativ auf: Die Schutzkappe sitzt nicht ganz so fest, wie man es sich wünschen würde. Das ist kein Drama, wirkt aber nicht ganz so satt und kompromisslos, wie man es bei einem Rettungswerkzeug idealerweise hätte.

(Foto: BILD-Kaufberater)
Gut zu verstauen – außer im Portemonnaie
Die „Easy Exit Card“ an sich ist deutlich kompakter als ein klassischer Notfallhammer. Sie wird – anders als dieser – vom Fenster wegbewegt, was die Verletzungsgefahr reduzieren soll. Im Test ließ sie sich problemlos verstauen: zum Beispiel in der Mittelkonsole, im Handschuhfach und auch an der Sonnenblende (dies wäre übrigens unser Lieblingsplatz, weil stets griffbereit). Das ist ein echter Pluspunkt, denn ein Rettungswerkzeug nützt vor allem dann etwas, wenn es im Ernstfall sofort erreichbar ist.

(Foto: BILD-Kaufberater)
Der Hersteller wirbt außerdem damit, dass die Karte „im Portemonnaie“ Platz findet. Das stimmt allerdings nur mit Einschränkungen. Zwar ist das Format angelehnt an eine Kreditkarte, in der Praxis ist die „Easy Exit Card“ durch ihren Dorn aber doch etwas massiver und sperriger als eine normale EC-Karte. In kleinen und auch in mittelgroßen Geldbörsen trägt sie zu dick auf und ragt sichtbar heraus, wie wir festgestellt haben. Als „Wallet-Gadget“ ist das Produkt also nur bedingt überzeugend. Als festes Rettungstool fürs Auto dagegen schon eher.

(Foto: BILD-Kaufberater)
Einfaches Prinzip – das man sich dennoch vorher einprägen sollte
Der Hersteller beschreibt die Anwendung als schnell erlernbar – und das können wir auch bestätigen. Die Karte wird bis zu einer Markierung zwischen Scheibe und Dichtung gesteckt, dann im 45-Grad-Winkel gespannt und losgelassen. Das Prinzip ist also nicht: draufhauen wie mit einem Hammer, sondern gezielt ansetzen, spannen, auslösen. Das wirkt durchdacht – ist aber eben auch etwas erklärungsbedürftiger.

(Foto: BILD-Kaufberater)
Und genau hier liegt ein entscheidender Punkt. Die Anwendung erscheint grundsätzlich einfach, wenn man sich einmal damit beschäftigt hat. Sie ist aber weniger intuitiv als bei einem klassischen Notfallhammer. Wer im schlimmsten Moment panisch, verletzt oder unter Schock ist, hat keine Zeit, erst die Bedienlogik zu entschlüsseln. Deshalb – so unser Rat – sollte man sich die Handgriffe nach dem Kauf unbedingt einmal einprägen. Am besten nimmt man die Karte einmal in die Hand, setzt sie probeweise am Fenster ein – natürlich ohne sie tatsächlich zu spannen oder auszulösen – und prägt sich die Bewegung ein. Wichtig: Von oben reingeschoben wird der Teil der Karte ohne Dorn, und der Dorn zeigt zum Fenster. Auf den Karten selbst ist zudem eine Erklärung aufgedruckt.

Gegenüber BILD betont der Anbieter ein weiteres Merkmal der Karte. Die „Easy Exit Card“ wirkt konstruktionsbedingt immer am Rand der Scheibe – also genau dort, wo Glas am anfälligsten ist. Bei klassischen Nothämmern bestehe dagegen das Risiko, dass Nutzer in einer Stresssituation instinktiv auf die Mitte der Scheibe schlagen – den stabilsten Punkt. Das kann die Erfolgschancen deutlich verringern oder mehr Kraft erfordern. Die Karte soll solche Fehlanwendungen praktisch ausschließen. Auch der ADAC empfiehlt, Seitenscheiben möglichst am Rand zu bearbeiten statt in der Mitte.
Unser Fazit
Die „Easy Exit Card“ ist eine clevere und durchdachte Idee – vor allem, weil sie ein zentrales Problem vieler Rettungstools löst: Sie ist klein genug, um wirklich immer griffbereit im Auto zu sein.
Verarbeitung, Material und Konzept überzeugen. Der Hartmetall-Dorn, der sicher integrierte Gurtschneider und die kompakte Bauweise sprechen klar für das Produkt. Gerade als fest platziertes Notfall-Tool in Mittelkonsole oder Sonnenblende ergibt die Karte absolut Sinn.
Unser Eindruck: Wer sich die Handgriffe einmal bewusst einprägt, bekommt mit der „Easy Exit Card“ ein sinnvolles, modernes Sicherheits-Tool fürs Auto. Wer maximale Einfachheit will, ist mit einem klassischen Nothammer weiterhin auf der sicheren Seite.
Darf man eine Autoscheibe einschlagen, wenn ein Baby oder Hund eingeschlossen ist?
Funktioniert die Easy Exit Card auch bei modernen Autoscheiben?
Kann man die Karte mehrmals verwenden?
Ist die Anwendung wirklich einfach?
ACHTUNG SPOILER: Welcher „Löwe“ steigt in der Sendung ein?
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