Gastkommentar – Global Challenges: Europa hängt an der US-Verteidigung – kommt es da raus?
Gastkommentar, Markus Ziener, Jackson Janes Foto: GETTY IMAGES, Privat
Nachdem es zweimal aus den Trümmern einer Katastrophe wiederaufgebaut worden war, schuf Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etwas wahrhaft Beispielloses: eine kontinentale Ordnung, in der ein Krieg zwischen ihren Mitgliedern nicht nur unwahrscheinlich, sondern undenkbar wurde.
Diese Ordnung ruhte auf zwei Säulen. Die eine war die europäische Integration: das mühsame Projekt, Volkswirtschaften, Gesetze und Institutionen in der Europäischen Union so eng miteinander zu verknüpfen, dass Konflikte irrational wurden. Die andere war die Macht der USA.
Dabei verließ sich Deutschland nicht nur auf den Schutz des großen Verbündeten. Bis zum Mauerfall investierte die Bundesrepublik jährlich drei bis fünf Prozent vom Bruttoinlandsprodukt für Verteidigung und unterhielt bis zu 500.000 aktive Soldaten.
Die Nato schreckte nicht nur die Sowjetunion ab. Sie sicherte die Sicherheit so umfassend, dass es sich die europäischen Staaten leisten konnten, sich auf andere Dinge zu konzentrieren: Sozialstaaten, Binnenmärkte, die endlose Verfahrensarchitektur der Integration.



