Eintracht Frankfurt trennt sich von Trainer Albert Riera

Eintracht Frankfurt trennt sich von Trainer Albert Riera

Trainer-Aus nach 14 Spielen 

Eintracht Frankfurt trennt sich von Trainer Albert Riera

©IMAGO

Trainer Albert Riera und Eintracht Frankfurt gehen getrennte Wege. Das gab die SGE einen Tag nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart und am Ende einer enttäuschenden Saison mit der verpassten Europapokal-Qualifikation bekannt. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

„Nach intensiven Gesprächen sind wir gemeinsam zu der Entscheidung gekommen, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden“, sagte Sportvorstand Markus Krösche über die Trennung vom Spanier nach gerade einmal dreieinhalb Monaten.

„Albert Riera hat die Mannschaft in einer schwierigen Phase übernommen und sich mit großem Fleiß und hohem Engagement in den Dienst von Eintracht Frankfurt gestellt. Albert und sein Team haben uns durch ihre akribische Arbeit zudem wertvolle Impulse gegeben, wofür wir uns ausdrücklich bedanken möchten. Gleichzeitig sind wir nach einer offenen und ehrlichen Analyse der sportlichen Entwicklung zu dem Schluss gekommen, dass wir zur kommenden Saison einen anderen Weg einschlagen möchten“, fuhr Krösche fort. Riera hatte noch einen Vertrag bis Sommer 2028.

Riera: „Hatte das Gefühl, den Klub und die Spieler schützen zu müssen“

Auf dem Platz stimmten Leistungen und Ergebnisse unter Krösches Wunschtrainer nur selten. In den gerade einmal 14 Partien unter dem 44-Jährigen gab es vier Siege, fünf Remis und fünf Niederlagen. Das entspricht im Durchschnitt 1,21 Punkten pro Begegnung. Zum Vergleich: Vorgänger Dino Toppmöller holte in dieser Saison durchschnittlich 1,5 Zähler pro Bundesliga-Spiel. Einen noch schlechteren Wert als Riera im Oberhaus hatte zuletzt Armin Veh in der Saison 2015/16 mit 0,96 Punkten (zu allen Eintracht-Trainern mit Bilanz).

Hier wird über Eintracht Frankfurt diskutiert!

Das Remis gegen den VfB war das fünfte sieglose Spiel in Serie. Das angestrebte Europacup-Ticket wurde am Ende klar verpasst. Die Hessen beendeten die Spielzeit als Achter. Zuletzt spielte die Eintracht in der Saison 2020/21 nicht international. „Ich übernehme als Trainer die Verantwortung für die sportlichen Ergebnisse und mein einziger Fokus lag in dieser Zeit darauf, die Mannschaft zu verbessern und erfolgreich zu machen“, sagte Riera. „Ich hatte das Gefühl, den Klub und die Spieler schützen zu müssen, und ich würde jederzeit wieder genauso handeln. Denn ich war überzeugt, dass dies notwendig war, um den Fokus ganz auf den sportlichen Erfolg zu richten.“

Probleme mit Riera bei Eintracht Frankfurt auch abseits des Platzes

Doch nicht nur die Leistungen auf dem Platz dürften ausschlaggebend für die Trennung gewesen sein, sondern auch die zum Teil rätselhaften und polarisierenden Aussagen von Riera auf Pressekonferenzen sowie das offenbar angespannte Verhältnis zu einigen Spielern. Im April hatte er erklärt, dass er bei seinem Amtsantritt Anfang Februar die schlechteste Mannschaft in Europa vorgefunden habe, was die Gegentore angeht.

Den WM-Finaltorschützen von 2014, Mario Götze, setzte Riera auf die Tribüne – ausgerechnet kurz bevor die Vertragsverlängerung mit dem Routinier offiziell wurde. Offensivjuwel Can Uzun kam zwischenzeitlich kaum oder sogar gar nicht zum Einsatz, obwohl die Kreativität im Eintracht-Spiel zu wünschen übrig ließ. Die Nicht-Berücksichtigung des 20-Jährigen begründete Riera mit Schwächen in der Arbeit gegen den Ball.

Denkwürdige Wutrede und Zwist mit Burkardt

Für die Spitze des verbalen Eisbergs sorgte Riera einen Tag vor dem Spiel gegen den Hamburger SV, als er zu einer großen Medienschelte ausholte. Als „totalen Bullshit“ bezeichnete der Spanier übereinstimmende Medienberichte über einen angeblichen Zwist mit Nationalspieler Jonathan Burkardt. Riera soll demnach ein Problem mit den vermeintlich hohen Körperfettwerten des Stürmers gehabt haben. Er soll aber nicht persönlich mit Burkardt darüber gesprochen, sondern Co-Trainer Jan Fießer vorgeschickt haben. Vor dem Spiel gegen den VfB erhielt Burkardt eine Geldstrafe, weil er Medienberichten zufolge Riera beleidigt haben soll.

Und auch mit den Fans hatte es sich Riera längst verscherzt. Die Frankfurter Anhänger rollten zum Ende des Spiels gegen Stuttgart ein Banner mit den Worten „Nada de gracias, Alberto“ aus. Das bedeutet übersetzt so viel wie „Danke für nichts, Alberto“. „Persönliche Interessen spielten für mich dabei keine Rolle. Mein Ziel war, ist und wird immer dasselbe bleiben: Die Spieler weiterzuentwickeln und erfolgreich zu sein. Ich bin dankbar, Teil der Geschichte von Eintracht Frankfurt gewesen zu sein, und wünsche dem Klub für die Zukunft nur das Beste“, ergänzte Riera.

Image von Krösche als Top-Manager angekratzt

Das riskante Eintracht-Experiment mit dem extrovertierten Spanier ist krachend gescheitert – und setzt auch Kaderplaner Krösche, der noch einen Vertrag bis 2028 bei der Eintracht hat, zunehmend unter Druck. Er hatte in seiner bislang knapp fünfjährigen Amtszeit oft ein glückliches Händchen bei Trainern und Transfers, zuletzt griff er aber häufiger auch mal daneben. Riera ist da nur das prominenteste und jüngste Beispiel.

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