Wie nach dem Abstieg geplant wird

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Die Wege von Sportvorstand Sven Mislintat und Fortuna Düsseldorf trennen sich nach nur fünf Monaten schon wieder. Der Vertrag des 53-Jährigen beim Zweitliga-Absteiger wurde einvernehmlich aufgelöst. Laut der „Rheinischen Post“ erhält er eine Abfindung in Höhe von 200.000 Euro. Mit Samir Arabi wurde zudem zeitgleich ein Nachfolger präsentiert. Der 47-Jährige war schon im Winter neben Mislintat Kandidat für die Nachfolge von Klaus Allofs.
Mislintat war erst im Dezember nach Düsseldorf gekommen. Anfang letzter Woche hatte er noch ausführlich in einer Medienrunde über die Pläne nach dem Absturz in die 3. Liga gesprochen: „Ich bin nicht derjenige, der beim Abstieg abhaut – im Gegenteil, dann bin ich erst recht da.“ Für den Neuaufbau der Mannschaft wird er nun aber nicht mehr zuständig sein. Er sei erneut wegen internen Querelen gescheitert, heißt es in Medienberichten.
Mislintat soll sich zuletzt ausgebremst gefühlt und erkannt haben, dass seine Vision wohl nicht umsetzbar sei. Aus Vereinssicht spielten beim Aus weniger die sportlichen Gründe eine Rolle, sondern vielmehr interne Vorwürfe. Wie die „Bild“ schreibt, hätten sich mehrere Personen seit dem Abstieg über Mislintat beschwert. Besonders in der Mannschaft und im Umfeld des Teams soll er angeeckt sein. Auch seine unstrukturierte Art sei vielen ein Dorn im Auge gewesen. Zuvor hatte er bereits seine Tätigkeiten bei Borussia Dortmund und Ajax Amsterdam beendet, weil es in der sportlichen Führung nicht mehr stimmte.
„Fortuna war und ist für mich eine Herzensangelegenheit. Aber wie das manchmal im Leben so ist, entwickeln sich die Dinge anders, als sich das alle gewünscht hätten. Der Abstieg und seine Auswirkungen haben uns alle brutal getroffen. Das haben wir in den letzten Tagen intern aufgearbeitet und auch darüber diskutiert, welche Schlüsse wir daraus ziehen müssen. Dabei haben wir festgestellt, dass wir unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung des Klubs haben“, erklärte Mislintat. „Das kann passieren – aber dann sollte man im Sinne des Vereins offen diskutieren, ob diese Konstellation wirklich die beste für die Fortuna ist. Das haben wir getan, ganz ohne persönliche Befindlichkeiten. Denn klar ist: In dieser Situation müssen alle an einem Strang ziehen. Das haben vor allem unsere Fans verdient, die uns in den vergangenen Wochen unglaublich gepusht haben. Dafür noch mal ein riesiges Dankeschön, das war außergewöhnlich. Ich wünsche der Fortuna von Herzen wirklich nur das Beste und hoffe, dass der Wiederaufstieg schnell gelingt.“
Arabi folgt bei Fortuna Düsseldorf auf Mislintat
Mislintats Nachfolger Arabi arbeitete bis März 2023 knapp zwölf Jahre erfolgreich bei Arminia Bielefeld, erst als Sportlicher Leiter, dann als Geschäftsführer Sport. Er war beim DSC ebenfalls gestartet, als dieser in die 3. Liga abstürzte. Nach drei Aufstiegen und einem Abstieg war Bielefeld 2020 zurück in der Bundesliga. Als sich in der Saison 2022/23 der direkte Rückfall in die 3. Liga anbahnte, räumte Arabi seinen Platz eigenhändig für einen Neuanfang.
„Fortuna Düsseldorf ist trotz der aktuellen Situation ein besonderer Verein mit viel Leidenschaft und großartigen Fans. Die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mir sehr schnell gezeigt, dass hier absolute Klarheit darüber herrscht, welchen Weg der Verein jetzt gehen muss. Mir war wichtig, zu spüren, dass es nicht um kurzfristige Lösungen geht, sondern um eine gemeinsame Zusammenarbeit und einen Neuanfang. Die Aufgabe ist anspruchsvoll, daher geht es jetzt darum, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir wollen eine Mannschaft entwickeln, die Mentalität und Identifikation mit der Fortuna verkörpert. Die Menschen müssen spüren, dass auf und neben dem Platz für diesen Verein gearbeitet und gekämpft wird. Dafür werde ich gemeinsam mit allen Beteiligten alles investieren“, sagte Arabi.
Arabi werde bereits in den kommenden Tagen interne Gespräche mit dem Trainerteam, Mannschaftsumfeld und Mitarbeitenden führen, kündigten die Düsseldorfer an. Für Coach Alexander Ende soll sein Engagement in Düsseldorf keine Konsequenzen haben, laut „Bild“ bleibt der 46-Jährige im Amt. Erst am Freitag wird Arabi sich und seine Ideen anschließend im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen.
„Mit Samir Arabi haben wir uns bewusst für jemanden entschieden, der schwierige Situationen als auch die 3. Liga kennt und Spieler und Mannschaften entwickeln kann. In den Gesprächen hat man schnell gemerkt, dass wir viele Themen ähnlich sehen und ein gemeinsames Verständnis davon haben, wie wir Fortuna wieder aufstellen wollen. Die Gespräche waren offen, vertrauensvoll und sehr klar. Geholfen hat dabei, dass wir als Aufsichtsrat schon im Winter einen klaren und professionellen Personalprozess geführt und mit vielen starken Persönlichkeiten gesprochen haben. Nach dem Abstieg geht es jetzt darum, wieder eine klare Richtung reinzubekommen und die Fortuna möglichst schnell wieder nach oben führen. Dafür bringt Samir viel Erfahrung mit. Wir wollen bei Fortuna wieder eine Mannschaft aufbauen, mit der sich die Menschen identifizieren können und die für diesen Verein arbeitet“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Björn Borgerding.
Vorstandsboss Jobst verlängert bei Fortuna Düsseldorf
Beim Neuaufbau helfen wird der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst, dessen Vertrag vorzeitig und ligaunabhängig verlängert wurde. Diesen Beschluss hat der Aufsichtsrat bereits vor dem Abstieg einstimmig gefasst. „Alexander Jobst ist ein entscheidender Eckpfeiler für unseren Weg nach vorne. Er hat zuletzt in den schwierigen Zeiten bewiesen, wie wichtig verlässliche Führung für diesen Verein ist. Das zeigt sich auch daran, dass das Szenario 3. Liga in den kommerziellen Bereichen frühzeitig vorbereitet wurde und für den Verein gute Lösungen gefunden wurden. Das war möglich, weil Alexander Jobst in den vergangenen Jahren viel Vertrauen bei Partnern, Sponsoren und innerhalb der Stadt aufgebaut hat. Dieses Vertrauen zahlt sich jetzt aus und bildet ein wichtiges Fundament für die kommenden Aufgaben. Sein frühes und klares Commitment, auch in der 3. Liga Verantwortung zu übernehmen, zeigt die Identifikation mit unserem Verein, auf die es jetzt ankommt. Wir alle haben diese Situation mitzuverantworten und müssen sie nun auch gemeinsam bewältigen“, so Borgerding.
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Jobst ergänzte: „Wenn es eng wird, läuft man nicht weg. Wenn es schlecht läuft, dann übernimmt man Verantwortung. Ich habe dem Aufsichtsrat daher signalisiert, dass ich bereit bin, auch in der 3. Liga anzupacken, wenn der Verein das möchte. Jetzt geht es darum, schnell Entscheidungen zu treffen und gemeinsam den Neustart anzugehen. Wir haben in den vergangenen Wochen gesehen, welche Kraft die Fortuna und die Stadt entfalten kann, wenn wir zusammenstehen. Dafür brauchen wir ein starkes Team, viel Mut und den klaren Willen, Fortuna so schnell wie möglich wieder in eine Liga zu bringen, die diesem Verein würdig ist. Das wird nicht einfach, aber wenn man nicht daran glaubt, sollte man gar nicht erst anfangen.“
Borgerding gab nach dem Gang in die 3. Liga mit Blick auf die Gesamtsituation bei der Fortuna auch zu Protokoll: „Der Abstieg trifft uns alle nach wie vor extrem und schmerzt auch Tage später noch sehr. Wir haben in dieser Saison Fehler gemacht – im Aufsichtsrat genauso wie im Vorstand. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Vorstand eine schonungslose Analyse begonnen, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte. Wir stellen uns der Kritik und übernehmen Verantwortung. Gleichzeitig richtet sich unser Blick klar nach vorne, weil Fortuna Düsseldorf jetzt Stabilität, Geschlossenheit und eine klare Führung braucht.“
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