Regina Zindler laut »Bild« gestorben: Stimme von Stefan Raabs »Maschen-Draht-Zaun«
Stefan Raabs Nummer-eins-Hit
»Maschen-Draht-Zaun«-Stimme Regina Zindler laut Zeitungsbericht gestorben
Sie trug einen Nachbarschaftsstreit ins Sat-1-Fernsehgericht. Ihr »Maschendrahtzaun« im sächsischen Dialekt amüsierte Stefan Raab, der einen Musikhit darum bastelte. Nun meldet »Bild«, Regina Zindler sei gestorben.
Knallerbsenstrauch, Maschendrahtzaun und Regina Zindler: »Eventisierung von Medienkommunikation«
Foto: Thomas Kretschel / dpa / picture alliance
Es fing damit an, dass 1999 bei der Kölner Firma Brainpool der Fernsehoutput der letzten Tage gesichtet wurde, um Material für Stefan Raabs »TV Total« zu finden. Bei der damals neuen TV-Gerichtsshow »Richterin Barbara Salesch« wurden die 15 Brainpool-Studenten fündig: Ein Nachbarschaftsstreit in Auerbach/Vogtland wurde verhandelt, eine resolute Dame sächselte die Worte »Maschendrahtzaun« und »Knallerbsenstrauch«.
Stefan Raab und »TV Total«-Autor Jens Bujar schrieben ein Lied um diese Worte herum, das in der Show gespielt wurde. Nach großer Resonanz spielte es Raab zusammen mit der Countryband Truck Stop – aus Maschen, haha! – für eine Singleaufnahme ein. Die Produktionsfirma nahm Kontakt zu der Frau mit dem Maschendrahtzaun auf, um ihr Einverständnis einzuholen. Regina Zindler wurden im Gegenzug zehn Pfennig pro verkaufter Single zugesprochen.
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»Maschen-Draht-Zaun« erreichte Ende November 1999 die Spitze der deutschen Singlecharts, trotz »Böööörti Vogts« oder »Waddehaddeduddeda« ist es Stefan Raabs einziger Nummer-eins-Hit. Insgesamt verkaufte sich die Single rund eine Million Mal, brachte also auch Regina Zindler eine Menge Geld ein.
Doch fürs Leben der vogtländischen Hausfrau war es auch ein Fluch. Hunderte von Neugierigen fanden sich am Schauplatz des Nachbarschaftsstreits ein, dem Doppelhaus in Auerbach; die Fernsehkameras liefen dabei und zeigten eine schimpfende Regina Zindler. Sie fand keine Ruhe, musste sich zeitweise in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen.
In einer Rekonstruktion des Falls vergleicht der TV-Satiriker Philipp Walulis das Geschehen um den Maschendrahtzaun mit dem späteren Fall des »Drachenlords«. Der Kommunikationswissenschaftler Andreas Hepp sah das Ereignis als Paradebeispiel für die »Eventisierung von Medienkommunikation«. Zindler verkaufte ihr Haus in Auerbach, zog ins anonymere Berlin.
Zugleich fachte auch die medienunerfahrene Zindler das mediale Feuer weiter an: Sie verkaufte den berühmten Zaun, der dann von einem Radiosender stückweise versteigert wurde. Zindler nahm mit einem Leipziger Musikproduzenten ein eigenes Lied auf, Regina Z. und die Knallerbsen mit »Frieden am Zaun« , eine Woche in den Charts, Platz 76. Und von Frieden keine Spur: Bei einem Liveauftritt schimpfte sie wieder über ihren Nachbarn. Dann nahm sie mit Drafi Deutscher eine Version von dessen »Marmor, Stein und Eisen bricht« auf. Irgendwann ebbte das Interesse am Maschendrahtzaun ab, Stefan Raab fand neue Beschäftigung – Gerhard Schröder und sein »Ho mir ma ne Flasche Bier« zum Beispiel.
»Auf den Herrn Raab bin ich nicht mehr böse – der hat ja nur sein Lied gemacht, ich habe damals mein Einverständnis gegeben«, sagte sie der »Bild am Sonntag« 2014. Im April spürte »Bild« die inzwischen 79-jährige Sächsin in einem Mietshaus in Zwickau auf und erfuhr von ihrem Ehemann, dass sie Krebs im Endstadium habe, sie bekomme Palliativpflege. Nun meldet das Blatt , Regina Zindler sei am 5. Mai gestorben, auf eigenen Wunsch sei sie in einem anonymen Gemeinschaftsgrab in Zwickau beigesetzt worden.
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