Jugendprotest: Warum die Kakerlakenpartei Indiens Premier gefährlich wird
Protest der Kakerlakenpartei in Neu Delhi: Onlineprotest kommt auf die Straße. Foto: AFP
Bangkok. Eine abfällige Äußerung reicht aus, um Indiens Jugend auf die Barrikaden zu bringen. Es gebe Jugendliche, die keinen Platz im Berufsleben fänden und lediglich Parasiten der Gesellschaft seien, klagte der oberste indische Verfassungsrichter Surya Kant vor wenigen Wochen. Sie seien „wie Kakerlaken“, fügte der 64 Jahre alte Jurist hinzu. Erst später stellte er klar, er habe nicht die Gesamtheit der jungen Menschen in Indien gemeint, sondern nur einige wenige.
Die Empörung war da aber schon groß. Abhijeet Dipke – ein 30-jähriger Uniabsolvent, der sich zu dem Zeitpunkt gerade auf Jobsuche befand – griff sie gekonnt auf: „Was würde geschehen, wenn sich alle Kakerlaken zusammenschlössen?“, fragte er in einem Social-Media-Post, der viel Zustimmung erhielt. Dipke baute darauf auf und rief in Anlehnung an die Bharatiya Janata Party (BJP) von Indiens Regierungschef Narendra Modi die Cockroach Janata Party – die Kakerlakenvolkspartei – ins Leben.
Die Satireaktion hat seither ein rasantes Eigenleben entwickelt, das Modi gefährlich werden könnte: Dipke und seine Mitstreiter machen die Regierung verantwortlich für Skandale in Indiens Bildungssystem und die schlechten Jobaussichten für Jugendliche und junge Erwachsene. Man wolle „die Stimme der ausgebrannten Jugend sein“, heißt es auf der Webseite der Kakerlakenpartei. Die Stimme hat sich Gehör verschafft: Auf Instagram hat die Kakerlakenpartei inzwischen mehr als 22 Millionen Follower – mehr als doppelt so viele wie die Regierungspartei BJP.



