Nach Fußball-WM-Finale 2014: Kommentator Tom Bartels hat „jede Nacht drei, vier T-Shirts durchgeschwitzt“

Nach Fußball-WM-Finale 2014: Kommentator Tom Bartels hat „jede Nacht drei, vier T-Shirts durchgeschwitzt“
Nach Fußball-WM-Finale 2014

Kommentator Tom Bartels hat „jede Nacht T-Shirts durchgeschwitzt”

von teleschau

05.06.2026, 15:03 Uhr

05. Juni 2026 um 15:03 Uhr

Tom Bartels blickt in „Das! Rote Sofa” auf das WM-Finale 2014 zurück. Dort schildert der Fußball-Kommentator, warum er nach dem Endspiel „leer” war.

Schon in weniger als einer Woche beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Tom Bartels (60) steht auch diesmal wieder als Reporter am Spielfeldrand. Im Gespräch in der NDR-Sendung „Das! Rote Sofa” mit Moderatorin Ilka Petersen (44) erzählt der Kommentator, wie prägend das Turnier 2014 für ihn war und mit welcher Haltung er nun zur WM in die USA, nach Mexiko und Kanada reist.

Tom Bartels erinnert sich an „Gänsehaut”-WM 2014

Beim Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien hörten vor zwölf Jahren rund 35 Millionen Menschen seine Stimme. Für Bartels ist dieser Moment bis heute außergewöhnlich. Er beschreibt das Erlebnis weiterhin als „surreal” und sagt, dass er bei Ausschnitten davon noch immer eine „Gänsehaut” bekomme. Gleichzeitig macht er deutlich, wie groß die Belastung damals gewesen sei.

„Konnte das nicht kontrollieren“: Tom Bartels fühlte sich nach WM-Finale 2014 „komplett leer“

In der NDR-Sendung „Das! Rote Sofa“ hat Kommentator Tom Bartels erzählt, wie er den Sieg der deutschen Nationalmannschaft 2014 erlebt hat. ARD/NDR

Enormer Druck vor dem Finale

Im Studio erklärt Bartels, wie groß die Fallhöhe für einen Reporter bei einem solchen Spiel ist. „Du weißt ja als Reporter, du kannst auch viel verlieren”, gibt Bartels zu bedenken. Für ihn sei deshalb immer entscheidend gewesen, „gut vorbereitet zu sein. Eigentlich auch gut gelaunt (…) und sich auf das Spiel wirklich zu freuen.”

Mit genau diesem Ansatz will er auch in das kommende Turnier gehen. Vor allem „Spaß zu haben”, wolle er sich für die WM in Amerika vornehmen: „Es gibt genug Gründe, was man kritisch in den USA sehen kann jetzt, in Mexiko, Kanada, bei der WM.” Entscheidend sei für ihn aber ebenso, „sich zu freuen, sich drauf einzulassen und sich in die Spieler und Trainer reinzudenken”. Bartels: „Das ist für die das Allergrößte, dass sie jetzt wirklich Weltmeister werden können, davon träumst du als kleines Kind.”

Tom Bartels: „Ich war nicht krank, ich war nur leer”

Nach seinen Worten steigt mit solchen Spielen auch der Druck, den eigenen Auftrag möglichst fehlerfrei zu erfüllen. Als Kommentator wolle man seinen Job „gut zu machen”: „Du möchtest die richtigen Worte finden, aber ob dir das gelingt, das weißt du vorher nicht“, betont Bartels. „Du kannst auch ‚scheitern’.”

Wie stark diese Anspannung nachwirken kann, habe er nach dem WM-Finale 2014 selbst erlebt. Rückblickend sagt Bartels: „Ich bin wirklich nach Hause geflogen mit einem guten Gefühl.” Er beschreibt sich zwar als „durchaus selbstkritisch und nicht immer zufrieden”, sagt über seine damalige Leistung aber auch: „Danach war ich zufrieden.” Auch die Rückmeldungen auf seinen Kommentar seien gut gewesen.

Auch bei der Fußball-WM 2022 in Qatar war Tom Bartels als Kommentator dabei.

Auch bei der Fußball-WM 2022 in Qatar war Tom Bartels als Kommentator dabei. Alexander Hassenstein / Staff

„Ich hab jede Nacht drei, vier T-Shirts durchgeschwitzt.”

Erst später, während eines Urlaubs mit seiner Familie in Norwegen, bemerkte er die Folgen der Belastung. „Ich war wie eine Hülle. Ich war komplett leer und hab jede Nacht drei, vier T-Shirts durchgeschwitzt.” Eine klare Erklärung für diese Reaktion habe er damals selbst nicht gehabt. Seine Vermutung: „Wahrscheinlich ist der ganze Stress auf einmal abgefallen und ich konnte das nicht kontrollieren. Ich war nicht krank, ich war nur leer, absolut leer.”

Nach eigenen Angaben normalisierte sich sein Zustand aber schnell wieder. „Nach einer Woche ist der Körper wieder hochgefahren, und dann habe ich meinen Frieden gefunden”, erinnert sich Tom Bartels, der als junger Mann spielsüchtig war. „Aber das war schon einschlagend.”

Tom Bartels über Anspannung vor Fußball-WM

Ilka Petersen bezeichnet die Reaktion als „Warnsignal des Körpers”. Bartels hält dagegen, dass sich dieser Mechanismus kaum steuern lasse: „Du kannst es fast nicht ändern.” Vor allem bei entscheidenden Partien seien Aufmerksamkeit und Anspannung besonders hoch. „Die Vorbereitung endet nie und wenn du das Gefühl hast, du musst immer noch mehr machen, dann kommt das wahrscheinlich so”, erklärt Bartels. „Vielleicht muss man sich irgendwann sagen: ‚Komm, geh mal ein bisschen vom Gas.’”

Von Paulina Meissner

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