News des Tages: Abkommen zum Iran-Krieg, Nazi-Kartei, No Teams

News des Tages: Abkommen zum Iran-Krieg, Nazi-Kartei, No Teams

Die Lage am Abend

Es gilt das gepöbelte Wort

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1. Es gilt das gepöbelte Wort

Trump in Évian

Trump in Évian


Foto: Julia Demaree Nikhinson / AP

Es gilt das gesprochene Wort. Diesen Hinweis geben Pressesprecher üblicherweise, wenn sie vorab die Redetexte von Politikern verschicken. Die Presse soll sich vorbereiten können, soll aber nur aus dem zitieren, was wirklich gesagt wird.

Beim Rahmenabkommen zum möglichen Ende des Irankriegs setzt Donald Trump auf die Maxime: Es gilt das gepöbelte Wort. Der Text des Entwurfs ist jetzt laut Medienberichten durchgesickert. Die USA verpflichten sich demnach beispielsweise, »alle Arten von Sanktionen« aufzuheben, die derzeit gegen Iran bestehen, sollte ein endgültiges Abkommen zustande kommen. Iran wiederum soll »sofortige Schritte« unternehmen, damit sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisiert (hier die 14 Punkte). »Der Wortlaut illustriert, was seit Tagen offenbar ist«, sagt mein Kollege Fritz Schaap aus unserem Auslandsressort: »Das als Sieg zu verkaufen, wird für Trump sehr schwer. Die USA haben mit ihrem Feldzug eine strategische Niederlage erlitten.« (Mehr Hintergrund hier .)

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er die Niederlage nicht versuchen würde wegzupöbeln. Das Abkommen sei »nicht final«. Und er droht: »Es ist eine Absichtserklärung. Und wenn sie mir nicht gefällt, fangen wir wieder an, auf sie zu schießen und Bomben auf ihre Köpfe zu werfen«, sagte er heute. Unterzeichnet werden soll das Papier am Freitag.

Und Deutschland? Gerade bereitet die Bundesregierung einen schnellen Marineeinsatz in der Straße von Hormus vor, wie meine Kollegen Matthias Gebauer, Dietmar Hipp und Paul-Anton Krüger berichten. Der Vorschlag dürfte ihnen zufolge rechtliche Debatten auslösen.

2. Nazi-Kartei jetzt mit Abgleich von SS-Akten

Hunderttausende SPIEGEL-Leserinnen und -Leser haben in den vergangenen Wochen Millionen Suchanfragen gestellt, um mit unserem digitalen Recherchewerkzeug in der NSDAP-Mitgliederkartei zu suchen. Wir haben das interaktive Tool laufend überarbeitet und aktualisiert, jetzt haben wir Links zu SS-Akten im Bundesarchiv integriert: Nun gleicht es die Treffer mit den Beständen ab, die im Bundesarchiv zur SS und zur Waffen-SS zu finden sind.

Das heißt: Wenn Sie Ihren Opa in der Nazi-Kartei finden, kann die Datenbank nun auch Hinweise darauf liefern, ob er möglicherweise in der SS war.

Dafür wurden im Netz frei verfügbare SS-Namenslisten des Bundesarchivs analysiert. Dort lassen sich etwa 592.000 Personennamen finden, oft mit Geburtsdatum und Geburtsort. Der Abgleich mit der NSDAP-Mitgliederkartei fördert etwa 128.000 Treffer zutage.

Hier zeigen sich allerdings auch die Grenzen unseres Recherchetools und der Bestände: SS und Waffen-SS hatten insgesamt deutlich mehr Mitglieder, nämlich rund eine Million. Komplette Mitgliedslisten liegen aber nirgendwo vor, auch nicht im Bundesarchiv. Und viele Datensätze lassen sich mit den digitalisierten Beständen noch nicht eindeutig abgleichen.

Es bleiben also Unsicherheiten. Auch wer hier nicht auftaucht, kann in der NSDAP oder der SS gewesen sein; umgekehrt bedeutet ein Treffer in den SS-Akten nicht zwingend, dass die Person in der SS war (mehr dazu hier ).

Dennoch überwiegen die Vorteile: In Sekunden lässt sich durchsuchen, was zuvor nur umständlich in Archivregistern zugänglich war.

3. T.e.a.m.s = toll, ein anderer macht’s

Jede Wette, auch Sie kennen einen Kollegen, bei dem es nicht auffällt, ob er da ist oder nicht. Und Sie kennen die Sprüche: Wenn der anpackt, ist’s als würden vier andere loslassen (hier mehr ).

Heute wurde das Gefühl vieler Büroarbeiter, allein vor sich hinzuwurschteln, technisch unterstützt. Eine Störung bei Microsoft Teams steckte dahinter: Das Programm zeigte viele Kolleginnen und Kollegen weltweit als abwesend oder offline, obwohl sie eigentlich am Schreibtisch sitzen sollten.

Der Anwesenheitsstatus spielte offenbar auf mehrere Weisen verrückt. Zum einen bemerkten Nutzer, dass ihr eigener Status nicht stimmte, mal wurden sie als »abwesend«, mal als »beschäftigt«, manchmal sogar als »offline« angezeigt. Selbst wenn sie sich manuell auf »anwesend« schalteten, wurde das wieder aufgehoben. Am frühen Nachmittag verkündete Microsoft Entwarnung: Das Problem sei behoben. Nur der merkwürdige Kollege am Schreibtisch gegenüber sitzt immer noch da.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Viele Wohnungen entstehen laut Analyse oft dort, wo sie kaum gebraucht werden: Der Wohnungsbau in Deutschland kommt kaum voran, in Großstädten spitzt sich die Lage zu. Eine Auswertung zeigt nun: Neu gebaut wird oft dort, wo es kaum Nachfrage gibt.

  • EU schwächt Regeln für genveränderte Lebensmittel ab: Mit Gentechnik veränderte Lebensmittel dürfen künftig verkauft werden, ohne sie speziell zu kennzeichnen. Auch für Futterpflanzen entfallen viele Vorgaben. Einige Regeln müssen dennoch eingehalten werden.

  • Fleischfressender Parasit löst Katastrophenfall aus: Jahrzehnte nach ihrer Ausrottung in den USA bereitet die Neuwelt-Schraubenwurmfliege Rinderzüchtern wieder Sorgen. Es gibt ein wirksames Gegenmittel, aber davon ist nicht genug verfügbar .

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen: In der Todeszone findet Lukas Wörle einen halb toten Menschen. Dann riskiert er selbst sein Leben

Lebensretter Wörle: »Den linken Fuß anheben. Atmen. Den rechten Fuß anheben. Wieder atmen, wieder auf das GPS schauen«

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Foto:

w8less consulting OG


Ein pakistanischer Höhenträger liegt auf über 8000 Metern im Schnee. Eine Seilschaft zieht vorbei, ohne zu helfen. Lukas Wörle aber hält an und startet eine Mission, die ihn an seine Grenzen bringt .

Was heute weniger wichtig ist


Foto: Matt Roberts-ICC / ICC / Getty Images

Hüftplattengold: Sänger Ricky Martin, heute 54, gelang 1995 mit »María« ein weltweiter Charterfolg. Die Zeile »Un, dos, tres, un pasito p’alante, María« ließ jede halbwegs bewegliche Hüfte zucken. Wäre es nach seiner Plattenfirma gegangen, hätte er den Song allerdings gar nicht veröffentlicht, wie er jetzt der Nachrichtenagentur dpa erzählte: »Ein Produzent sagte zu mir: ›Ricky, das ist das Ende deiner Karriere.‹«

Mini-Hohlspiegel

Aufschrift auf einer Duftkerzenverpackung in einem dm-Drogeriemarkt in Köln

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Schauspieler Ejiofor in »Backrooms«: Eine Art »Blair Witch Project« im M.-C.-Escher-Gemälde

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Foto:

Asterios Moutsokapas / Constantin Film


Drei Vorschläge: Sie könnten …

  • WM gucken. Um 19 Uhr spielt Portugal gegen die Demokratische Republik Kongo und um 22 Uhr England gegen Kroatien. (Alles Wichtige in unserem Liveblog .)

  • etwas kochen, vielleicht sommerliche Bohnen mit Zucchini-Soße. Mein Kollege Sebastian Maas feiert mit diesem »leichten, sommerlichen Gericht«, wie er sagt, die Zucchini-Saison. (Hier das Rezept .)

  • ins Kino gehen und »Backrooms« gucken. Der Film startet offiziell morgen, läuft aber schon hier und dort. Wie viele ambitionierte Horrorfilme der vergangenen Jahre verarbeitet der erst 20-jährige Regisseur Kane Parsons »die Traumata seiner Hauptfiguren, hier ist es etwa der Verlust des eigenen Zuhauses und die Unfähigkeit, dieser Verletzung auf gesunde Art zu begegnen«, schreibt mein Kollege Anton Rainer. (Hier mehr dazu .)

Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Abend. Herzlich

Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion

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