Sturm-Tief »Elli«: Was tun bei einem Schneesturm?

Sturm-Tief »Elli«: Was tun bei einem Schneesturm?
Räumfahrzeug in Düsseldorf

Räumfahrzeug in Düsseldorf


Foto: Ying Tang / NurPhoto / picture alliance

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»Elli« sorgt in Deutschland für Chaos. Das Sturmtief bringt heftigen Wind, Schnee und Eis mit sich. In der Nacht auf Freitag wird es wohl noch ungemütlicher. Alle aktuellen Entwicklungen können Sie in unserem Live-Update verfolgen.

Besonders betroffen sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) Ostdeutschland, der Harz und die Region zwischen Bremen und Hamburg. Dort soll es zu kräftigen Schneefällen und Schneeverwehungen kommen. »Sturmtief Elli übernimmt die Regie in einem echten Wetterkrimi«, kündigt DWD-Experte Adrian Leyser Sturm an. Auch im Süden und Westen stürmt es: Dort schneit es zwar nicht so heftig, aber der DWD warnt vor gefrierendem Regen und Glatteis.

Winter is coming, aber wie groß ist die Gefahr wirklich?

Wie gefährlich ist es draußen?

Der Katastrophenschutz spricht von einem Extremwetter – nicht von einer Ausnahmesituation. René Funk ist Vizepräsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Er rät dazu, das Haus besser nicht zu verlassen. »Solange es kein explizites Verbot in der Kommune gibt, darf sich natürlich jeder frei bewegen«, sagt er. »Aber bei Extremwetter aller Art sollte man nur im Notfall rausgehen.« Das gelte nicht nur für den bevorstehenden Schneesturm.

Auch wenn es verlockend ist: Zugefrorene Seen oder andere gefrorene Gewässer können täuschen. Wenn die Eisdecke nicht dick genug ist, besteht die Gefahr, einzubrechen und zu ertrinken. Am Donnerstagvormittag war schon ein Mädchen auf einem See eingebrochen, konnte aber gerettet werden.

Wie viel Panik ist angemessen?

Mit Alarmismus sei niemandem geholfen, sagt Funk. »Panik ist ein ganz schlechter Ratgeber.« Mit der richtigen Vorsorge können sich alle für Notfälle wappnen und müssen nicht in Panik verfallen. Wer vorbereitet sei, hat »in der Krise eine Handlungssicherheit und kommt gut über die ersten Stunden und Tage«, sagt der Bevölkerungsschützer.

Dabei appelliert er an jeden, auch wenn noch kein Notfall besteht. Für Funk ist Vorsorge gelebte Verantwortung: »Wenn sich viele selbst versorgen, können sich die Einsatzkräfte auf die vulnerablen Gruppen konzentrieren und es wird keine Zeit verschwendet.« Wer sich selbst helfen kann, solle das auch tun – »aus Verantwortung gegenüber allen anderen«, findet Funk.

Zudem solle sich die Bevölkerung lokal informieren, ob per Radio oder Warnapps wie Nina. Auch der DWD liefert regionale Informationen zur Wetterlage. Funk sagt: »Die lokalen Hinweise sind besser, denn bei solchen Extremwettern sind die regionalen Unterschiede oft groß.« Wer sich informiert, kann die Lage besser einschätzen.

Schnee im Siegerland

Schnee im Siegerland


Foto: Rene Traut / picture alliance

»Man kann nicht wissen, wann der Notfall kommt«, sagt Funk. Das Leben ändere sich damit von einem auf den anderen Tag, aber »mit der Vorsorge kann man sich in den ersten Stunden aushelfen«.

Wie voll muss die Vorratskammer sein?

Die Vorsorge sieht laut dem Bevölkerungsschutz bestenfalls so aus: Für zehn Tage soll man sich und seine Familie autonom versorgen können. »Wir wissen aber«, räumt Funk ein, »dass das nicht mit der Lebensrealität vieler Menschen in Einklang zu bringen ist«.

Vorrat für drei Tage sollte aber drin sein. Zur Notfall-Ausstattung gehören:

  • 1,5 Liter Wasser pro Person und Tag,

  • ausreichend Lebensmittel, die ungekühlt haltbar sind,

  • Medikamente und Hygieneartikel,

  • Kurbelradio,

  • Streichhölzer und Kerzen.

Da es durch den Schnee auch zu einem Stromausfall kommen kann, müssen die Speisen bestenfalls nicht gekocht werden. Müsli mit H-Milch, Trockenfrüchte, Dosenfisch, Riegel, Zwieback – all das kann auf der Einkaufsliste stehen. Zu all diesen Vorräten rät das BBK aber grundsätzlich, nicht nur für das aktuelle Extremwetter. »Aber nicht hamstern«, ermahnt Funk.

Wer muss Schnee schippen?

Der Bund beziehungsweise die Gemeinden sind dafür zuständig, Straßen, Autobahnen und Haltestellen bei Schneefall zu räumen. Auf den Gehwegen ist das anders, Hausbesitzer selbst sind dort verpflichtet. Einheitliche Vorschriften gibt es nicht, je nach Gemeinde ist das Wann und Wie anders geregelt. Mehr dazu lesen Sie hier .

Schippen im Ruhrgebiet

Schippen im Ruhrgebiet


Foto: Revierfoto / ddp

In Hamburg etwa muss jede und jeder vor der eigenen Haustür umgehend schippen: Anlieger müssen Gehwege entlang des Grundstücks unverzüglich nach Schneefall räumen und notfalls streuen. Die meisten Gemeinden verbieten Streusalz, zum Schutz von Tieren und Umwelt. Stattdessen wird oft Split genutzt (weitere Alternativen finden Sie hier ).

Wie bereiten sich Bund und Länder vor?

Die Zuständigkeit bei solchen Extremwetterlagen liegt offiziell bei den Ländern und Kommunen. Freiwillige Feuerwehren und das Technische Hilfswerk (THW) unterstützen die Menschen in Not.

Das BBK ist besonders im Vorfeld dabei. »Eine Naturkatastrophe ist auch Krisenmanagement«, sagt Funk. Und genau dafür bietet das BBK immer wieder Fortbildungen an, damit die Entscheidungsträger in den Ländern und Kommunen gut vorbereitet sind und etwa Krisenstäbe einberufen können. »Für Verwaltungsbeamte ist das ja auch eine Ausnahmesituation, auf die sie vorbereitet sein müssen«, sagt Funk.

Wer ist im Notfall erreichbar?

Für die Bürgerinnen und Bürger sind die Einsatzkräfte immer die erste Anlaufstelle. Polizei und Feuerwehr können helfen, »aber sie können auch nicht sofort überall sein«, meint Funk. Wegen der Witterung können Helfende auch später eintreffen, außerdem könne es länger dauern – weil viele Menschen gleichzeitig Unterstützung benötigen.

Wie schützt man das Haus? Stürzt das Dach vielleicht ein?

Vorsicht ist auch für Fußgänger geboten. Wenn sich viel Schnee auf dem Dach sammelt, können sich Lawinen lösen und auf den Gehweg stürzen. Bei den Minusgraden können sich an den Regenrinnen auch Eiszapfen bilden, die Gefahr von oben ist also nicht unerheblich.

Hohe Schneelasten können zudem die Statik von Gebäuden gefährden. In solchen Fällen kann die Feuerwehr helfen, das Dach zu räumen.

Wie wirkt sich »Elli« in Deutschland aus? Alle Entwicklungen lesen Sie hier in unserem Live-Update.

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