Wintersturmtief Elli entfacht Schnee-Debatte in Deutschland

Wintersturmtief Elli entfacht Schnee-Debatte in Deutschland

Sturmtief „Elli“: Was das Wetter mit der BILD-Redaktion macht

Robert Schneider nimmt den Winter auf die Schneeschippe

„Früher nannten wir das Winter“: Nichts geht mehr am Hauptbahnhof von Hannover

„Früher nannten wir das Winter“: Nichts geht mehr am Hauptbahnhof von Hannover

In den vergangenen 48 Stunden hat das Wintersturmtief „Elli“ ordentlich Schnee über Deutschland geblasen – und hitzige Debatten in die BILD-Redaktion. Plötzlich waren wir alle Wetteranen. Denn wir Menschen neigen ja nur zu gern dazu, die Vergangenheit zu verklären. Das ist bei BILD-Redakteuren nicht anders.

„Endlich Winter“, ruft eine Kollegin zu Beginn der Morgenkonferenz. „Ich find’ das gar nicht lustig“, klagt der Nächste, die Bahn fahre schließlich nicht, und er wolle doch am Wochenende nach Hamburg. Und: „Wenn’s um Winter geht – also um das Konzept ‚kalt, weiß, von oben‘ –, dann sind wir als Nation ungefähr so belastbar wie ein Butterkeks im Fußbad.“

Kollege Tiede, der die Ostsee noch zugefroren kennt, hat inzwischen sein Handy ausgepackt und zeigt ein Werbevideo der Deutschen Bahn von 1966. Zu sehen: Autos im Schnee-Stau und im Gegenschnitt eine fahrende Lok. Die Botschaft: „Alle reden vom Wetter. Wir fahren immer!“ Ja, früher!

Werbespot der Deutschen Bundesbahn: „Alle reden vom Wetter, wir nicht!”

Quelle: Deutsche Bundesbahn, 1966

BILD-Redakteur Schneider, der seit Tagen nach einem Schneeunfall mit gebrochenem Wadenbein im Rollstuhl sitzt, hat natürlich Mitleid mit allen Kletteropfern, wundert sich aber, dass die Wetterdienste vor 40 Zentimeter hohen Schneewehen warnen: „Bei mir fängt eine Schneewehe bei einem Meter an“, sagt er empört und erzählt die Geschichte , wie er als Kind kilometerlang über Feld und Schnee ins Nachbardorf stapfen musste, weil ständig der Schulbus ausfiel.

Schnee und Schule, Riesenthema! Eine Kollegin zitiert aus dem Klassenchat ihres Sohnes: „Morgen wegen Wetterlage keine Präsenzpflicht.“ Dazu die Bitte, doch „einheitlich zu verfahren und die Jugendlichen zu Hause zu lassen“. Darauf antwortet ein Vater: „Als Eltern können wir in dieser Angelegenheit sicher nicht einheitlich verfahren. Unsere Tochter wird zur Schule gehen.“ „Viiieeel zu gefährlich!“, so die nächste Mutter. „Aber es gibt Schulpflicht!“, beschwört ein Vater. Kollege Niehus stimmt zu und erzählt, wie schwer es war, seine Tochter zur Schule zu bewegen: „Schatz, was da draußen passiert, nannten wir früher Winter!

Nun liest Marion eine WhatsApp-Nachricht vor: „In gefühlt all meinen Chats wird der Umgang mit der aktuellen Wetterlage als großes Versagen von Deutschland und der Gesellschaft interpretiert. Nach dem Motto: Sind wir so verweichlicht, dass wir nicht mal mehr Schnee können? Sehe das Thema bei euch noch nicht, dachte aber, es ist vielleicht ein spannender Impuls.“ Und noch eine: „Sobald der erste ernst zu nehmende Schnee fällt, passiert etwas Merkwürdiges: Deutschland bekommt diesen Blick. Den ,Was soll das jetzt?!‘-Blick. Als wäre Schnee eine neue, freche Start-up-Idee aus Skandinavien, die niemand bestellt hat. Und plötzlich tun wir so, als hätte uns jemand den Winter heimlich in die AGB geschmuggelt.“

Weiß-heiten wie diese schneien in der BILD-Konferenz jetzt im Sekundentakt rein. Kollege Rosin erzählt von seinem 90-jährigen Vater, der in Husum seit dem Morgen Schnee schippt und das „als Fitnessprogramm“ sähe, woraufhin eine Kollegin ihren Weg zur Arbeit wiedergibt: „Bei Schnee gibt es nur zwei Fahrstile – entweder: ‚Ich bin ein Eisbär, ich kann alles‘, oder: ‚Ich bin ein Reh auf Laminat.‘ Dazwischen liegt eine deutsche Unmöglichkeit: angemessen.“

Apropos angemessen: Wir Wetteranen hinterfragen noch mal unsere Seite-1-Schlagzeile vom Donnerstag: „Lebensgefahr! Bleiben Sie heute Abend zu Hause.“ War die nicht ein bisschen zu alarmistisch? Ja, sagen einige Kollegen. Nein, sagen natürlich diejenigen, die als Reporter das Wetter betreuen: „Wir haben uns das ja nicht ausgedacht. Schließlich kam die Warnung von Wetterdiensten.“

Nun, publiziert ist publiziert. Und nach dem Winter wird’s wärmer. Und im Sommer fragen wir zum x-ten Mal: Ist das nur Wetter oder schon Klima?

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