Sieben Spiele ohne Sieg

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Nach sieben sieglosen Spielen steigt der Frust bei den Fans des 1. FC Köln – und der anfangs gefeierte Trainer Lukas Kwasniok steht in der Kritik. Die „Bild“-Zeitung schreibt am Dienstag von zwei Endspielen für den 44-Jährigen. Demnach hätten Teile der Kabine das Vertrauen in Kwasniok verloren, welcher wiederum eine Aussprache mit dem Mannschaftsrat bestätigte. Sportdirektor Thomas Kessler stärkte dem Coach derweil den Rücken und berichtete von einem Treffen mit den Fans.
Es herrscht zweifelsfrei Unruhe dieser Tage rund ums Geißbockheim. Am Samstag nach dem 2:2 beim Tabellenvorletzten 1. FC Heidenheim wurde die aufkommende Ablehnung unter den Fans gegen Kwasniok für alle sichtbar. Anhänger platzierten ein Banner mit der Aufschrift „KWASNI YOK“. Das Wort „yok“ kann dabei aus dem Türkischen ins Deutsche mit „nein“ übersetzt werden. Der Frust richtet sich gegen mehrere Entscheidungen des Trainers, der anfangs noch dafür gefeiert wurde, dass er beispielsweise im Trikot an der Seitenlinie coachte. Mittlerweile halten ihm einige Selbstdarstellerei vor und vor allem falsche Personalentscheidungen. Kwasniok würde zu viel rotierten, verdiente Spieler außen vor lassen und Top-Talent Said El Mala zu wenig Spielzeit geben. Intern soll zudem ein angeblich vom Coach untersagter Teamabend während des Trainingslagers in Spanien für Unmut gesorgt haben – was Kwasniok am Dienstag von sich und auf eine Aussprache hinwies.
Kwasniok über angeblich verbotenen Teamabend: „Kokolores“
„Das ist Kokolores. Ich bin 19 Jahre Trainer und ich bin einer, der Teamabende quasi zur Pflicht ausruft“, wird der Trainer in der „Bild“ zitiert. Er habe eine Aussprache im Mannschaftsrat mit Kapitän Marvin Schwäbe, Vizekapitän Ron-Robert Zieler, Marius Bülter und Jan Thielmann gesucht. „Es gab ein einziges Thema und das war der Teamabend und die Frage, ob da irgendetwas missverstanden worden ist. Die Jungs sind damals raus und das Einzige, was ich gesagt habe, war wortwörtlich: Es wäre schon gut, wenn ihr nicht um halb drei heimkämet und mir einer auf den Schuh erbricht, wenn ich dann vielleicht gerade durch die Katakomben oder durchs Hotel gehe.“
Danach sei alles in geregelten Bahnen abgelaufen. „Sie haben gut gegessen. Dann waren sie wieder da und am nächsten Tag haben sie ordentlich gearbeitet. Es ist ein ganz normales Vorgehen innerhalb einer Mannschaft“, so Kwasniok, der mit Blick auf den anschließenden Austausch im Blatt attestierte: „Am Ende hat Ron-Robert gesagt: ‚Fokus auf Bayern!‘ Und damit ist alles gesagt.“

„Die Arbeit mit der Mannschaft ist top, top, top. Ich bin gerne Trainer dieser Mannschaft und stolz auf die Jungs“, bekräftigte der im Sommer von der Pader an den Rhein gewechselte Fußballlehrer. Die Negativserie selbst belaste ihn weniger. „Das gehört nun leider zu einem Aufsteiger dazu. Solche Phasen, in denen du dann ruhig bleiben musst, fokussiert bleiben und einfach auf deine Leistung schauen musst.“ Dass seine Mannschaft dabei auch an Grenzen stoße, sei normal. „Deswegen ist man ja Aufsteiger“, sagte Kwasniok bei „sport.de“ und ergänzte, dass ihn die Situation dennoch nicht ganz unberührt lasse: „Der Verein hatte schon immer eine Wucht, anfangs war es eine positive Wucht und jetzt kommt etwas mehr Kritik. Das hat schon ein bisschen was mit mir gemacht.“
Kessler über Treffen mit Fans: „Was besprochen wurde, bleibt intern“
„Ein Negativlauf ohne Sieg, da wird der Kölner von Haus aus ein bisschen nervöser aufgrund des Erlebten der letzten Jahre“, verkündete FC-Sportdirektor Kessler beschwichtigend bei „sport.de“. Dennoch nahm der Bundesliga-Aufsteiger deswegen Kontakt zu den Fans auf. Vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Bayern München trafen sich die Vereinsbosse extra zur Aussprache mit einigen Anhängern der aktiven Fanszene. Es sei dabei „konstruktiv miteinander gesprochen“ worden, sagte Kessler. Der Tenor sei, „dass wir alle den Fokus auf die sportliche Situation richten wollen“. Mehr Details nannte er nicht: „Das, was da besprochen wurde, bleibt intern.“
Der Sportchef stärkte dem Coach des Weiteren den Rücken. „Wir stehen in einer Tabellenregion, die ist für uns völlig vernünftig, und die Punktzahl ist vernünftig“, meinte Kessler: „Wir sind sehr froh, dass wir Lukas als unseren Trainer haben. (…) Ich nehme ihn sehr kommunikativ wahr mit der Mannschaft. Mir geht es auch um den Prozess im Training, und den sehe ich jeden Tag.“ Das sehen einige anders, obwohl der Aufsteiger vor dem 17. Spieltag solider Tabellenelfter ist. Der kommende Gegner FC Bayern ist sicherlich nicht der Gradmesser für die Kölner, aber das Heimspiel am Samstag gegen den Tabellenletzten FSV Mainz 05. „Wir haben am Mittwoch und am Wochenende die Chance, wieder etwas draufzulegen. Und dann wird sich auch die sportliche Situation wieder entspannen“, erklärte Kessler und Kwasniok gab zu Protokoll: „Die Mannschaft wird sich den Allerwertesten aufreißen und versuchen, den Bayern weh zu tun.“



