Ukraine: Wolodymyr Selenskyj übt erneut Kritik an Vitali Klitschko

Ukraine: Wolodymyr Selenskyj übt erneut Kritik an Vitali Klitschko

Die Regierung habe die Lage in Kyjiw, Odessa, Dnipro, Krywyj Rih und Charkiw besprochen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. »Wir sehen, dass viel gemacht worden ist – insbesondere in Charkiw, wo sich die lokalen Behörden vorbereitet haben«, sagte er. »Kyjiw hat leider deutlich weniger getan. In der Hauptstadt wurde sehr wenig unternommen.« Auch jetzt gingen die Reparaturarbeiten dort nicht schnell genug voran, sagte er.

Der neue Energieminister Denys Schmyhal lobte ebenfalls Charkiw und kritisierte die Hauptstadt. Kyjiw habe sich »überhaupt nicht vorbereitet. Deshalb muss man jetzt zu Notfallmaßnahmen greifen«, sagte Schmyhal im Parlament.

In Kyjiw und anderen Städten müssten noch mehr Aufwärmpunkte eingerichtet werden, sagte der Präsident. Geprüft werde, die nächtliche Ausgangssperre zu lockern, damit Bürger jederzeit diese Anlaufstellen erreichen könnten. In diesen sogenannten »Punkten der Unbeugsamkeit« können Menschen sich aufwärmen, ihre Geräte aufladen und heiße Getränke bekommen. Allein in Kyjiw gibt es 1.200 solcher Stellen.

Klitschko spricht von schwierigster Lage seit Kriegsbeginn

Klitschko gestand bei einer Krisensitzung mit seiner Verwaltung ein, dass die Hauptstadt in der schwierigsten Lage seit Kriegsbeginn sei. Anfangs habe es in 6000 Wohnblocks, der Hälfte des Bestands, keine Heizung gegeben, sagte er. Immer noch seien 400 Wohnblocks unbeheizt. Man hoffe aber, sie bald wieder ans Fernwärmenetz zu bekommen. Bei 12 Grad Frost tagsüber und 18 Grad Frost in der Nacht kühlen ungeheizte Häuser schnell aus.

Für die meisten Bürger gebe es immer nur drei Stunden Strom. Dann zehn oder mehr Stunden wieder nicht, berichtete Klitschko. Die städtischen Dienste arbeiten rund um die Uhr, um alles zu reparieren. Die Kritik des Präsidenten wies er zurück. Das sei »ununterbrochener Hass.«

Die Versorgungsnetze von Kyjiw waren bei einem russischen Luftangriff am vergangenen Freitag außer Gefecht gesetzt worden, was für Hunderttausende Menschen den Ausfall von Heizung, Strom und Wasser bedeutete. Auch andere ukrainische Städte erlitten durch russische Attacken auf ihre Energieversorgung einen Blackout. Die Angriffe zielen nach Auffassung der Ukraine darauf ab, die Städte im Frost unbewohnbar zu machen.

Weiterlesen

Weitere Nachrichten