Trainieren für den Ernstfall auf Grönland: Dänen-General warnt vor Russen in der Arktis
Ein Interview des Axel Springer Global Reporters Networks
Generalmajor Søren Andersen (60) leitet das Arktis-Kommando der dänischen Streitkräfte
Nuuk – Kisten mit gepackten Lunchpaketen stapeln sich im Eingangsbereich des Arktis-Kommandos in der grönländischen Hauptstadt Nuuk, entlang der Wand sind Tarnrucksäcke aufgereiht. Vor dem Hintergrund der US-Drohungen, Grönland notfalls mit militärischer Gewalt zu erobern, betont Generalmajor Søren Andersen (60), der das dänische Arktis-Kommando hier seit 2023 leitet, die Wichtigkeit der internationalen Truppen in Grönland. Und er warnt vor Russland.
Trotz der heftigen Drohungen aus Washington, die am Samstag zu landesweiten Demonstrationen in Dänemark und Grönland führten, arbeitet Dänemark weiterhin mit dem US-Militär zusammen. „Vergangene Woche war ich auf der Pituffik Space Base, dem amerikanischen Stützpunkt im Norden, wo ich ebenfalls Personal stationiert habe. Daran hat sich nichts geändert“, sagte Andersen im Interview mit dem Axel Springer Global Reporters Network, zu dem auch BILD gehört.
Andersen hält einen amerikanischen Angriff auf die Insel für unwahrscheinlich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Nato-Land ein anderes Nato-Land angreift“, so der General, dessen Aufgabe es im Ernstfall wäre, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänemark zu schützen. Er hofft aber, „dass wir künftig US-Soldaten gemeinsam mit deutschen, französischen oder kanadischen Kräften hier trainieren sehen werden“.
In der grönländischen Hauptstadt Nuuk demonstrierten am Samstag Einwohner gegen die Drohungen von US-Präsident Donald Trump. Auf Bannern steht „Wir gestalten unsere Zukunft“ und „Nicht zum Verkauf“
Größte Gefahr ist Russland nach dem Ukraine-Krieg
Die von Donald Trump (79) immer wieder genannte Bedrohung durch China oder Russland in der Arktis sieht Andersen derzeit nicht. „Aber wir betrachten potenzielle Bedrohungen, und dafür trainieren wir. Mein Fokus liegt auf Russland“, so der General deutlich.
Andersen warnt: „Mit Blick auf die Lage und das aggressive Verhalten Russlands, das wir in der Ukraine und an anderen Orten sehen, gehen wir davon aus, dass Russland nach dem Ende des Krieges in der Ukraine – hoffentlich mit einem guten Ergebnis für die Ukraine – einen Teil seiner Ressourcen und Fähigkeiten in andere Einsatzräume verlagern wird. Zum Beispiel in den Ostseeraum, aber auch in die Arktis.“
Um auf diese Situation vorbereitet zu sein, „müssen wir schlicht nachlegen, wir müssen trainieren“, so Andersen.
Für den Ernstfall: Training im eisigen Grönland
Der Zweck der „Operation Arctic Endurance“ („Operation Arktische Ausdauer“) sei genau das. „Die Verteidigung Grönlands zu trainieren, aber auch die Verteidigung der nördlichen Nato-Flanke. Denn wenn man hier in der Arktis nicht trainiert, ist man im Ernstfall nicht in der Lage, das zu leisten“, so der General.
„Nur sehr wenige Nationen verfügen über maritime Fähigkeiten, die aufgrund der Eisverhältnisse hier oben einsetzbar sind. Gleiches gilt für alle Luftmittel – Drohnen, Aufklärungsflugzeuge, Kampfjets. (…) Genau das ist die Chance, die wir mit diesen Übungen bieten: hierherzukommen, in der Arktis zu trainieren und zu sehen, was möglich ist“, so Andersen.
Auch das Bundeswehr-Team, das mit 15 Soldaten nach Nuuk gekommen ist, will hier vor allem herausfinden, wie die deutsche Truppe in Zukunft in den eisigen Temperaturen in Grönland trainieren kann. Andersen verrät außerdem: Das Bundeswehr-Team hat sich aufgeteilt. Einige bleiben in Nuuk, andere werden nach Kangerlussuaq (an der Westküste Grönlands; d.Red.) gehen, um zu sehen, welche Möglichkeiten es dort für Übungen gibt.
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