Jamal Musiala ist zurück: »Allein schon, dieses Lächeln zu sehen«
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David Hammersen / dpa
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Im Bayern-Fanblock brandete Jubel auf, und selbst auf den Tribünen des Leipziger Stadions erhoben sich Menschen, um dem soeben eingewechselten Fußballer zu applaudieren, obwohl der beim Münchner Gegner spielte. Es lief die 87. Minute beim Bundesligaduell zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern, und Jamal Musiala gab sein Comeback. Nach mehr als sechsmonatiger Verletzungspause war einer der beliebtesten deutschen Fußballer zurück.
Und dann dauerte es kaum 90 Sekunden bis zum Torjubel. Mit seinem allerersten Ballkontakt war Musiala an einem Treffer beteiligt, indem er den Ball zu Torschütze Michael Olise beförderte. Ob bewusst oder unbeabsichtigt, das war nicht eindeutig zu sagen. Mit geradezu kindlicher Freude feierte Musiala dann aber dieses 5:1 gegen RB, er hüpfte und lachte und quatschte mit Olise wie Jugendliche auf dem Schulhof.
Musiala ist wieder da. Er will Spaß haben mit dieser Mannschaft, die in seiner Abwesenheit so viele Spiele gewann und Tore schoss; er will sie prägen.
So kurz dieses Comeback auch war: Der Anfang lief vielversprechend. Zwar wird sich manches finden müssen mit Musiala im Münchner Offensivspiel, aber seine Freude über diese Rückkehr wirkte ansteckend.
»Allein schon, dieses Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen, als er auf dem Platz stand«, sagte Teamkollege Harry Kane nach dem Spiel und lächelte selbst.
Musiala in Leipzig: »Der Junge hat lange gekämpft«
Foto: Matthias Schrader / AP
Atlanta im Juli des vergangenen Jahres. Im Mercedes-Benz-Stadion jagt Musiala bei der Klub-WM dem Ball hinterher, als ihn der gegnerische Torhüter abräumt. Gianluigi Donnarumma, 1,96 Meter hoch, 90 Kilo schwer, kracht mit all seiner Masse auf Musialas linkes Bein und bricht es. Die Bilder des in unnatürlichem Winkel vom Bein abstehenden linken Fußes sorgen für Entsetzen.
Von einem »Trauma für die ganze Mannschaft« sprach Bayern-Trainer Vincent Kompany am Samstagabend in Leipzig. »Der Junge«, sagte er weiter, habe »lange gekämpft«, um es zurück auf den Fußballplatz zu schaffen.
Mehrfach sprach Kompany in den vergangenen Wochen über die Kraft, die von Musialas Comeback auf das Team ausstrahle.
»Wenn du rauskommst aus diesem dunklen Tunnel, dann sind auf einmal auch die kleinen Sachen toll«, hatte er vor dem Leipzig-Spiel gesagt. »Vergiss nie, wie sich das anfühlt«, dies sei sein Rat an Musiala und andere Verletzte im Team.
Kompany weiß, wovon er spricht. Als Spieler verletzte er sich über 30-mal, oft schwerwiegend. Stets kämpfte er sich zurück. Jemand, der Kompany seit vielen Jahren eng begleitet, sagte dem SPIEGEL einmal: »Vince würde wohl sagen, dass er eine große Karriere wegen und nicht trotz seiner Verletzungen hatte.«
Über Musiala und den ebenfalls lange fehlenden Alphonso Davies sagte Kompany nun, dass sie körperlich weiter seien als vor ihren Ausfällen. Sie hätten an ihrer Muskulatur gearbeitet, seien dadurch stabiler als vor ihren Verletzungen. Für derlei Training sei im Profialltag mit all den Spielen keine Zeit.
»Wie er jetzt auf dem Platz läuft, ist er ein richtiger Athlet!«, sagte Kompany nach dem 5:1-Erfolg.
Vor seiner Vorlage legte Musiala einen Sprint über das halbe Spielfeld zurück. Kurz darauf schmiss er sich in der eigenen Hälfte nacheinander in zwei Zweikämpfe und grätschte den Ball ab.
Musiala wirkte tatsächlich gierig und kraftvoll. Und er deutete an, dass er nichts an Mobilität eingebüßt hat. Seine markanten schlängelnden Bewegungen, die für Verteidiger so unberechenbar sind, sie sind zurück.
Für die Bayern kommt Musialas Rückkehr zur rechten Zeit. Es mag absurd klingen angesichts des Münchner Starts ins Jahr 2026, der aus drei Siegen und 16:3 Toren besteht, aber: Die Mannschaft muss für diese Erfolge schwer schuften.
Leipzig hatte sich zur Pause einen Expected-Goals-Wert von 2,45 erspielt, sich also etliche gute Chancen erarbeitet, aber bloß eine genutzt. Der Höchstwert, den der FC Bayern in dieser Bundesligasaison zugelassen hatte, lag bis dahin bei 1,37 Expected Goals, entstanden im Oktober gegen Dortmund. In 90 Minuten, wohlgemerkt. In Leipzig waren es am Ende 3,02.
Gerade in der ersten Hälfte fehlte es den Münchnern an Energie, Leipzig wirkte frischer und aggressiver. Erst als sich das nach der Pause grundlegend änderte, drehten die Bayern das Spiel. Sechs Kilometer mehr als Leipzig sei man in der zweiten Halbzeit gelaufen, sagten die Münchner hinterher mit einigem Stolz.
Aber wer immer so viel läuft und ständig spielt, dem droht die Energie auszugehen. Auch deshalb kommen die Rückkehrer Musiala und Davies zur richtigen Zeit. Weil sich die Belastung auf mehr Profis verteilt. Und weil die kindliche Freude und die Gier dieser Spieler eine ansteckende Wirkung haben kann. Plötzlich sind Kleinigkeiten wie eine gelungene Grätsche wieder etwas Besonderes.
Trainer Kompany hat es geschafft, dass die Münchner Fußballer fast immer mehr laufen und arbeiten als die Gegner. Um dies selbst jetzt noch aufrechtzuerhalten, wo die Bayern elf Punkte vor Platz zwei liegen, benötigt er eine Erzählung, die bei den Spielern verfängt. Diese Erzählung ist der Hunger von Musiala und Davies. Die, die ihren Kollegen bislang beim Siegen zuschauen mussten, sollen ihnen nun zum Vorbild werden.
Als er vor dem Leipzig-Spiel über Musiala und Davies sprach, verwies Kompany noch einmal auf sich selbst. So oft er auch verletzt gewesen sei: »In den letzten 15 Spielen einer Saison war ich immer dabei.« Dann also, wenn die wichtigen Entscheidungen anstehen. Wenn es um Titel geht.
»Bisher haben diese Spieler noch keinen unvergesslichen Moment verpasst.«
Von Kimmich angeschoben
Foto: Matthias Schrader / AP
Das war Kompanys Botschaft an seine Rückkehrer: Viele Siege mögen sie verpasst haben, aber die entscheidenden Saisonmomente können sie noch immer prägen. In den K.-o.-Spielen im Pokal und in der Champions League. So versucht der Trainer, ihren Hunger noch größer werden zu lassen. Und den der anderen Bayern gleich mit.
Nach dem Abpfiff, als die Bayern in Richtung ihres Fanblocks liefen, wurde Musiala von Joshua Kimmich überrumpelt. Dieser griff sich den Rückkehrer und schob ihn mit beiden Händen vorwärts, direkt vor die Anhänger, damit er und er allein gefeiert werden konnte.
Musiala wirkte ein wenig verloren. Dabei war er genau dort angekommen, wo er so viele Monate lang hinwollte.
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