Experte über Trump: „Habe nicht gedacht, dass es so durchgeknallt wird“

Experte über Trump: „Habe nicht gedacht, dass es so durchgeknallt wird“

Trump-Versteher gibt zu: „Habe nicht gedacht, dass es so durchgeknallt wird“

Regiert so laut wie kaum ein Präsident vor ihm: Donald trump (79)

Regiert so laut wie kaum ein Präsident vor ihm: Donald Trump (79)

Berlin – Fast jeden Tag bestimmt US-Präsident Donald Trump die Schlagzeilen. Fast jeden Tag prescht er mit neuen Forderungen, Ankündigungen, Drohungen vor. Wo ist Trump gefährlich? In welchen Punkten hat er womöglich recht? Und wie könnten wir Deutschen das Verhältnis zu den USA verbessern?

Darüber sprach BILD-Vize Paul Ronzheimer in seinem Podcast mit zwei USA-Experten: Trump-Kritiker Rüdiger Bachmann (51), Wirtschaftsprofessor an der University of Michigan – und Republikaner-Netzwerker Armin Petschner-Multari, Politikwissenschaftler und Gründer der Denkfabrik „TheRepublic“.

  • Gibt es etwas, das der Trump-Kritiker an Trump gut findet?

Bachmann: „Es gibt Dinge, bei denen die Analyse von Trump zumindest einen Kern von Wahrheit enthält.“ Zum Beispiel: Dass in Universitäten auf sogenannte Diversität gesetzt wurde und nicht mehr auf Leistung, das sei „unbestreitbar und ist inzwischen auch relativ anerkannt“.

Hintergrund: Trump kritisierte, dass u.a. Menschen im Bildungssystem vor allem nach Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Identität bewertet wurden, weniger nach Leistung und Qualifikation.

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  • Hat sich der Trump-Versteher schon oft in Trump geirrt?

Petschner-Multari: „Ich habe nicht gedacht, dass die zweite Amtszeit doch so durchgeknallt wird, wie es jetzt teilweise doch der Fall ist.“ Zwar sei klar gewesen, dass die zweite Amtszeit anders werde, weil „viele der mäßigenden Charaktere“ wie Ex-Vizepräsident Mike Pence nicht mehr an Bord sind. Das habe er unterschätzt. „Und ich habe mich auch ein bisschen darin getäuscht, wie sehr sich da große Teile der Republikaner einfach mitnehmen lassen, obwohl sie hinter vorgehaltener Hand sagen: ‚Wir wissen, dass das so nicht richtig ist.‘“

„So hat auch die Gestapo funktioniert“

  • Sind die teils brutalen Abschiebungen durch die ICE-Behörde eine neue Stufe der Gewalt?

Petschner-Multari: „Es ist kein neues Phänomen in Amerika, dass man schlecht ausgebildete Sicherheitsbehörden hat.“ Dies sei teils auch im normalen Polizeidienst so, auch dort sei Fehlverhalten an der Tagesordnung. Besonders sei die Tötung Renée Good durch einen ICE-Beamten vor allem durch die Politisierung des Falls.

Bachmann: Besonders problematisch sei, dass Vizepräsident JD Vance dem ICE-Beamten nach den tödlichen Schüssen „absolute Immunität“ zugesprochen habe. „Das ist letztlich – sprechen wir es mal offen aus – Gestapo. So hat auch die Gestapo funktioniert. Das geht nicht. Das ist völlig absurd.“

„Deutschlandbild ist stark AfD-geprägt“

  • Hat auch Deutschland Fehler im Umgang mit Trump gemacht?

Petschner-Multari: Die CDU und die CSU haben „die Republikaner lange sträflich vernachlässigt“. Das Problem: „Es kommen Republikaner in Amt und Würden, die mit unserem klassischen alten republikanischen Establishment, zu dem wir immer einen guten Draht hatten, gar nichts mehr zu tun haben.“ Die Folge: „Wenn die Union halt eine Leerstelle lässt, dann ist halt die AfD da reingerutscht. Und leider ist das Deutschlandbild und das Europabild sehr stark AfD-geprägt. Und da müssen wir schauen, dass wir da wieder rauskommen.“

Ist die US-Kritik an der Meinungsfreiheit in Europa angebracht?

Petschner-Multari: „Wir haben schon auf beiden Seiten des Atlantik eine gewisse Scheinheiligkeit, was den Umgang mit Meinungsfreiheit angeht. In Amerika sind es jetzt von rechts getriebene Einschränkungen, (…) in Europa von links. Ich halte dieses ganze System mit den Meldestellen und Staatsanwaltschaften, die sich dann um Anzeigen von Spitzenpolitikern und dergleichen kümmern, für völlig absurd.“

Bachmann redet die Probleme in Europa nicht weg, sagt aber: Die US-Regierung geht selbst „gegen die Meinungsfreiheit, gegen die Pressefreiheit, gegen die Wissenschaftsfreiheit, gegen die Kunstfreiheit“ vor. Daher habe sie die Europäer auch nicht zu belehren.

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