Inside America: Trump und der Traum von der Ewigkeit

Inside America: Trump und der Traum von der Ewigkeit

Drei epochale Ereignisse stehen in diesem Jahr in den USA an. Neben seinem einjährigen Amtsjubiläum am Dienstag und dem 80. Geburtstag des großen Vorsitzenden im Weißen Haus im Juni, gibt es da noch den  250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten.

Und natürlich lässt Donald Trump sich einiges einfallen, um den wichtigsten der drei Termine zu würdigen. In Washington findet sich schon jetzt kaum ein Ort, der nicht trumpisiert ist. Sein Name schmückt die Fassade des amerikanischen Friedensinstituts, es heißt jetzt „Donald J. Trump Institute of Peace“. Ebenso umbenennen ließ der Präsident das John F. Kennedy Center. „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ steht jetzt in riesigen Lettern auf dem Prachtgebäude am Potomac.

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Die treuen Parteianhänger des Präsidenten erwägen sogar, aus dem Washingtoner Flughafen Dulles den „Trump Airport“ zu machen,  die Metro der Hauptstadt in „Trump Train“ umzubenennen oder  Benjamin Franklin, einen der Gründerväter des Landes, vom 100-Dollar-Schein zu verbannen und durch den amtierenden Präsidenten zu ersetzen.

Dass ein Bundesgesetz es verbietet, Lebende auf Banknoten und Münzen zu verewigen? Na, wenn schon. Auch Recht und Gesetz fristen ihr Dasein inzwischen als Unterabteilung der Exekutive, allenfalls im Keller des Weißen Hauses angesiedelt. Im Oktober bereits hatte das Finanzministerium erste Entwürfe einer Ein-Dollar-Münze lanciert, auf der Trump Vorder- und Rückseite schmückt. Was denn sonst? Den Trump-Memecoin gibt es ja schon, ebenso eine Trump-Bibel übrigens, deren Absatz die Privatkonten des Präsidenten füllt.

Kein Gebäude, kein Flughafen, keine Münze ist mehr sicher. Alles, was nicht flüchten kann, trägt bald den Namen des Präsidenten. Auch wenn es durchaus eine gängige Herrschaftsgeste von Autokraten ist, ihren Namen auf alles zu kleben – Trump setzt auch hier Maßstäbe.

Was bleibt da noch? Sicherlich hätte Trump nichts dagegen, wenn einer seiner Untertanen als Überraschung an seinem Geburtstag verkünden würde, dass das Konterfei des größten Präsidenten aller Zeiten am Mount Rushmore in den Fels gehauen wird. Gleich neben den anderen Säulenheiligen der amerikanischen Demokratie: Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln.

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Das wäre zumindest ein kleiner Trost für den Präsidenten, den das schwedische Komitee bei der Vergabe des Friedensnobelpreises schon wieder übergangen hat. Bislang muss er sich ja mit dem Friedenspreis der FIFA begnügen. Sie erinnern sich, das war jene pompöse Veranstaltung im Kennedy-Center, wo Trump sich die Medaille selbst umhängte. Auch hier gibt es bekanntlich eine historische Analogie – Napoleon hatte sich schließlich auch selbst die Kaiserkrone aufgesetzt.

Apropos Frieden, warum nicht auch den Begriff gleich umetikettieren? „Frieden“ hieße dann „Trump“. Schließlich hat der größte Friedensstifter aller Zeiten nach eigenem Bekunden acht Kriege „im Handumdrehen“ beendet. Auch das kann nur einer.

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