Zuwanderung: Wirtschaftstreiber Migration? Diese Grafiken geben Aufschluss
Geflüchteter mit Ausbilder: Hoher Nutzen von Zugewanderten für die Wirtschaft. Foto: imago images / photothek
Aus wirtschaftlicher Sicht ist das AfD-Konzept allerdings kontraproduktiv. Mehrere aktuelle Studien ergeben, dass Zuwanderung bereits heute stark auf Beschäftigung, Unternehmensgründungen und regionale Entwicklung wirkt. Das Fazit: Der Zuzug von Flüchtlingen schafft zusätzliche Nachfrage und Arbeitsplätze.
Die folgenden Grafiken zeigen, wo Migration die Wirtschaft stützt – und an welchen Stellen Politik und Unternehmen entscheiden, ob aus Zuwanderung ein dauerhafter Standortvorteil wird.
Zuzug schafft Arbeit – oft indirekt
Demnach zieht ein Anstieg von 100 Geflüchteten pro 10.000 Einwohner durchschnittlich sieben zusätzliche Gewerbeanmeldungen mit 27 neuen Arbeitsplätzen nach sich. Die neuen Unternehmen werden zwar nicht von Flüchtlingen oder anderen Ausländern, sondern überwiegend von Deutschen gegründet.
Durch den Zuzug von Geflüchteten entstehe aber vielerorts „Bedarf für neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel im Bereich Gesundheit oder Finanzdienstleistungen“, sagt Ifo-Forscher Sebastian Schirner.
Unter Migrantinnen gibt es großes Potenzial an Fachkräften
Studienautorin Lydia Malin erkennt großes Potenzial, auch für Engpassberufe wie die Alten-, die Gesundheits- und die Krankenpflege sowie die Kinderbetreuung und -erziehung. Da Ausländerinnen durchschnittlich jünger sind als deutsche Frauen, könnten sie zudem dazu beitragen, die Folgen des demografischen Wandels abzumildern.
Migration entscheidet über das Schicksal ganzer Regionen
Die Bevölkerung in Deutschland wird sich bis 2035 regional sehr unterschiedlich entwickeln. Die Folgen hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie ermittelt. Während einige Städte deutlich zulegen, verlieren viele ländliche Regionen und Ostdeutschland Einwohner und Erwerbspersonen. Dem IW zufolge ist Migration der entscheidende Faktor, der die Gesamtbevölkerung stabil hält.
Ohne jährliche Nettozuwanderung von rund 300.000 Menschen würde Deutschland spürbar schrumpfen. Für Regionen bedeutet das: Wo Zuwanderung ausbleibt, fehlen Fachkräfte, Investitionen und Unternehmensnachfolger.
Aufstieg im Arbeitsmarkt für Zugewanderte besonders schwer
Die Lohnlücke zwischen Zugewanderten und der inländischen Bevölkerung bei Eintritt in den Arbeitsmarkt liegt demnach bei 43 Prozent. Zum Vergleich: Im OECD-Schnitt lag sie bei 34 Prozent. Auch arbeiten Eingewanderte in Deutschland länger in schlecht bezahlten Jobs als in anderen OECD-Ländern.
Hauptgrund ist die Konzentration in niedrig entlohnten Branchen und Betrieben. Wer zunächst in prekären, schlecht bezahlten Jobs arbeitet, hat geringe Chancen auf Weiterbildung und Aufstieg. Für die Wirtschaft bedeutet das: Qualifikationen werden nicht ausgeschöpft, Produktivität bleibt unter dem möglichen Niveau.
Fazit: Migration wirkt
Die Studien zeigen: Migration stützt Beschäftigung, Wachstum und regionale Stabilität. Doch ob daraus ein dauerhafter wirtschaftlicher Vorteil entsteht, hängt von Integration, Aufstiegschancen und Akzeptanz ab. Ohne diese Faktoren bleibt Migration allerdings ein kurzfristiger Effekt.



