Berlin. Die seit knapp vier Monaten amtierende Bahnchefin Evelyn Palla nennt erstmals einen festen Betrag, den sie durch ihren angekündigten Stellenabbau in der Konzernleitung einsparen will. „Die deutliche Kostensenkung in der Konzernleitung wird einen substanziellen Beitrag leisten, der bis zu 500 Millionen Euro im Jahr ausmachen wird“, erklärte sie am Montagabend in Berlin vor Journalisten.
Die Nachfolgerin des vorzeitig entlassenen DB-Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz hatte bereits Mitte Dezember angekündigt, die Stellen in der Konzernleitung um 1000 auf dann 2500 zu verringern – eine Zahl, die Aufsichtsratschef Werner Gatzer vor wenigen Tagen bestätigte. Der Staatskonzern hatte in dem zuletzt veröffentlichten Geschäftsjahr 2024 vor Zinsen und Steuern einen Verlust von 333 Millionen Euro ausgewiesen.
Einen Teil der anstehenden Aufgaben hat Palla bereits erledigt. Den Konzernvorstand verkleinerte sie auf sechs Personen, indem sie die Posten für Infrastruktur und Technik/Digitalisierung auflöste. Die fünf Konzernbevollmächtigten, eine Zwischenebene oberhalb der ersten Führungsebene, verloren ihre Jobs, während die erste Führungsebene 21 ihrer 43 Organisationseinheiten aufgeben muss.
Detailarbeit beim Umbau der Güterbahntochter
Auch die defizitäre Güterbahntochter DB Cargo, die bereits unter der vormaligen Spartenchefin Sigrid Nikutta einen massiven Stellenabbau begonnen hatte, werde man sich noch einmal ansehen, kündigte Palla an. Noch sei man beim Konzernumbau in der „Detail-Konzeptionsphase“, erläuterte sie. Im Sommer sei mit tiefgreifenden Veränderungen zu rechnen.
Der Konzern wolle mit 50 Prozent weniger Top-Führungskräften auskommen, heißt es bei der Deutschen Bahn. Und das nicht allein aus Kostengründen. „Wir verlagern die Verantwortung für die Qualitätssteuerung von der Konzernleitung in die operativen Geschäftsbetriebe“, sagte Palla am Montag. Damit wolle man möglichst nah am Kunden sein.
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Was dies bedeutet, wird besonders deutlich bei der Schienen- und Bahnhofstochter InfraGO. Dort wechselt die Verantwortung für Schienenbau, Wartung und Fahrplan von drei auf nur noch einen Manager. Zuletzt hatten DB-Mitarbeitende gegenüber dem Handelsblatt beklagt, dass die zusätzlichen Milliarden für die Schienensanierung den Bauverantwortlichen eine derart starke Stellung im Konzern verschafften, dass Einwände aus der Fahrplan-Abteilung kaum noch Gehör fanden.
Damit soll nun offenbar Schluss sein. Wer künftig Bauarbeiten plant, muss dabei gleichzeitig auch den Fahrplan im Auge behalten. So sollen Baustellen schneller abgeschlossen werden.
Weniger Kennzahlen
Zudem wird sich die Bahn laut Palla vom „Dschungel an Kennzahlen“ trennen, nach denen Führungskräfte ihre Boni erhalten. So hatten Vorstände vor zwei Jahren trotz hoher Konzernverluste und schwacher Pünktlichkeitswerte der Bahn üppige Sonderzahlungen erhalten, weil sie im Konzern die Frauenquote und die Umweltfreundlichkeit verbessert hatten.
„Künftig gibt es nur noch zwei Kennziffern“, sagte Palla am Montag: „die Pünktlichkeit und das operative Ergebnis“. So soll etwa auch die punktgenaue Bereitstellung von Fernverkehrszügen finanziell belohnt werden, um die Verspätungen zu reduzieren. Eine dritte Kennziffer wird es allein für die Spitzenkräfte von InfraGO geben. Hier will man zusätzlich den baulichen Zustand des Schienennetzes berücksichtigen.
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Gleichzeitig will man sich laut Palla bei der Deutschen Bahn nur noch auf Funktionen fokussieren, die im Schienenverkehr die Qualität unterstützen. „Vom Rest werden wir uns verabschieden“, sagte sie. Mehrere Konzernmanager berichteten dem Handelsblatt in der vergangenen Woche, dass zu den Verkaufsobjekten voraussichtlich auch das Auslandsgeschäft der DB zählen wird, mit dem der Staatskonzern unter anderem Züge in Indien, Uruguay und Ägypten betreibt.
Doch pünktlicher wird die Deutsche Bahn, deren Fernverkehrszüge im vergangenen Jahr zu 40 Prozent mehr als sechs Minuten verspätet ankamen, trotz allem vorerst wohl nicht. „Im Januar hatten wir durch die Wintersituationen einen schlechten Start ins neue Jahr“, ließ Palla durchblicken. Hinzu komme, dass für 2026 deutschlandweit 28.000 Baustellen geplant seien – und damit 2000 mehr als im vergangenen Jahr. „2026 wird es bei der Pünktlichkeit schwierig bleiben“, sagte sie.



