Pharma: Eli Lilly schließt Milliarden-Deal mit deutschem Start-up

Pharma: Eli Lilly schließt Milliarden-Deal mit deutschem Start-up

Pharma: Eli Lilly schließt Milliarden-Deal mit deutschem Start-up

Die Dresdener Firma Seamless Therapeutics baut für den US-Konzern das Geschäft jenseits der Abnehmspritze aus. Die Kooperation ist für ein Biotech-Start-up im Frühstadium außergewöhnlich.Helena Smolak 28.01.2026 – 13:00 Uhr
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Symbolbild der Gen-Sequenzierung: Mit präziser Gentechnologie will Seamless neue Therapien gegen genetische Krankheiten entwickeln. Foto: imago images/Cavan Images

München. Der US-Pharmakonzern Eli Lilly investiert bis zu 1,12 Milliarden Dollar in eine Partnerschaft mit dem deutschen Gentechnologie-Start-up Seamless Therapeutics. Gemeinsam wollen die Partner neue Therapien gegen genetisch bedingten Hörverlust entwickeln.

Investitionen von US-Pharmakonzernen in deutsche Biotech-Unternehmen im Frühstadium sind in dieser Größenordnung selten. Vergleichbare Milliardenpartnerschaften gab es bislang nur bei wenigen Ausnahmen wie Biontech, Immatics oder Evotec, die aber börsennotiert sind und umfangreiche Entwicklungsprogramme betreiben.

Für Lilly ist der Deal ein Schritt, das Geschäft über die boomenden Abnehmmedikamente hinaus auszubauen und stärker auf Hilfe bei genetischen Erkrankungen zu setzen. Eli Lilly hat Investitionen in Therapien gegen Hörverlust in den letzten Jahren deutlich erhöht, unter anderem durch die 487-Millionen-Dollar-Übernahme des US-Gentherapie-Spezialisten Akouos sowie eine 2025 geschlossene Partnerschaft mit der südkoreanischen Biotech-Firma Rznomics.

Getrieben vom Erfolg seiner Abnehmspritzen hat der Konzern inzwischen eine Bewertung in Höhe von rund einer Billion Dollar erreicht. In diesem Jahr will Lilly zudem in den USA eine Abnehmpille auf den Markt bringen und damit den Wettbewerb mit dem dänischen Rivalen Novo Nordisk verschärfen.

Das 2022 gegründete Unternehmen Seamless befindet sich noch in der präklinischen Phase, die Therapien werden bislang nur im Labor und in Tiermodellen getestet. Seamless beschäftigt derzeit etwas mehr als 20 Mitarbeiter in Europa und den USA.

Die Technologie stammt aus einem Forschungslabor der Technischen Universität Dresden. Sie basiert auf sogenannten Rekombinasen – Enzymen, mit denen sich DNA extrem präzise verändern lässt. Lange galten sie als ungeeignet für Therapien, weil sie nur an DNA-Stellen binden, die im menschlichen Erbgut nicht vorkommen.

Auch an Therapien für Leber- und Stoffwechselerkrankungen wird gearbeitet

Dem deutschen Mitgründer Felix Lansing gelang es jedoch, die Enzyme so umzuprogrammieren, dass sie gezielt gewünschte Stellen im menschlichen Genom verändern können. Dies gilt als Durchbruch für neue Gentherapien.

Der Vorteil der Plattform ist, dass sich die Technologie auch auf andere genetische Erkrankungen anwenden lasse, sagte Seamless-Chef Albert Seymour im Gespräch mit dem Handelsblatt. Neben Hörverlust arbeitet das Unternehmen intern bereits an Therapien für Stoffwechsel- und Lebererkrankungen.

Preisdruck und Patentausläufe: 2026 wird zum Schlüsseljahr für die Pharmaindustrie

Eli Lilly wurde durch Vorträge von Seamless auf wissenschaftlichen Fachkonferenzen auf das Unternehmen aufmerksam, sagte Seymour. Seit rund zwei Jahren stehen beide Seiten im engen Austausch. „Wir bringen die Gen-Editing-Expertise ein, Lilly das Know-how bei Hörverlust.“ Lilly übernimmt in der Kooperation die präklinische und klinische Entwicklung sowie die spätere Vermarktung der Therapien.

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„Dass wir sowohl in Europa als auch in den USA präsent sind, ist eine bewusste strategische Entscheidung – wir wollten das Beste aus beiden Welten verbinden“, sagte Seymour. Der Standort Boston soll Nähe zu Investoren und Biotech-Firmen schaffen. Seymour bringt langjährige Erfahrung im Umgang mit US-Investoren mit.

Finanziert wird Seamless bislang ausschließlich von europäischen Geldgebern, darunter Forbion aus den Niederlanden, Wellington Partners aus München und UCB Ventures aus Brüssel.

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