Jeffrey Epstein: Neue Epstein-Akten bringen Handelsminister in Erklärungsnot
US-Handelsminister Howard Lutnick (m.): Laut den Akten war er noch Jahre nach dem angeblichen Kontaktabbruch zu Epstein auf dessen Skandal-Insel. Foto: Bloomberg
Washington. Die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zum Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein belegen falsche Angaben von Handelsminister Howard Lutnick. Aus E-Mails geht hervor, dass Lutnick zu Besuch auf Epsteins Privatinsel war, was der Minister zuvor bestritten hatte.
Auch Präsident Donald Trump taucht in Hunderten der veröffentlichten Unterlagen auf, die unter anderem Fragen zum Zeitpunkt des Kontaktabbruchs zwischen den beiden Männern aufwerfen.
Am Freitagabend hatte das Justizministerium weitere über drei Millionen Seiten, 2000 Videos und 180.000 Bilder freigegeben. Damit sei die von der Regierung geplante Aktenfreigabe abgeschlossen, sagte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche.
Treffen Jahre nach angeblichem Kontaktabbruch
Den E-Mails zufolge verabredeten sich Lutnick und Epstein am 23. Dezember 2012 zum Mittagessen auf der Karibikinsel Little Saint James. Lutnicks Ehefrau kündigte die Ankunft per Boot an, woraufhin Epsteins Assistentin später eine Nachricht ihres Chefs mit dem Inhalt „Schön, euch zu sehen“ weiterleitete.
Dies steht im Widerspruch zu früheren Aussagen Lutnicks. Der Minister hatte im vergangenen Jahr in einem Podcast erklärt, er habe den Kontakt zu seinem damaligen Nachbarn Epstein bereits um das Jahr 2005 abgebrochen, nachdem dieser eine anzügliche Bemerkung gemacht habe. Ein Sprecher des Handelsministeriums teilte nun mit, Lutnick habe nur begrenzte Kontakte mit Epstein im Beisein seiner Frau gehabt und sei nie eines Fehlverhaltens beschuldigt worden.
Auch Präsident Trump wird in den Unterlagen vielfach erwähnt. Eine E-Mail aus dem Jahr 2012 wirft die Frage auf, was Epstein davon halte, nach Weihnachten Trumps Club Mar-a-Lago zu besuchen – Jahre nachdem Trump angeblich die Freundschaft beendet hatte.
Demonstrationen in Washington im November: US-Amerikaner wollen Klarheit über Trumps Verbindungen zu Epstein. Foto: Mehmet Eser/ZUMA Press Wire/dpa
Zudem findet sich eine Nachricht von Melania Trump an Epsteins Partnerin und spätere Mitverschwörerin Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2002, in der sie einen Artikel über Epstein lobt. Die Akten enthalten auch interne Mails von Bundesermittlern aus dem August 2025 zu Vorwürfen gegen Trump. Diese ergaben jedoch keine Hinweise auf bestätigte Anschuldigungen; die Ermittler stuften mehrere Anklägerinnen als nicht glaubwürdig ein.
Bill Gates bestreitet Behauptungen aus E-Mails
Neben Politikern tauchen auch Wirtschaftsgrößen in den Dokumenten auf. Der Name von Microsoft-Gründer Bill Gates kommt in zwei E-Mails vor, die 2013 offenbar von Epstein an sein eigenes Konto geschickt wurden, wie US-Medien berichten. Darin gibt Epstein an, Gates Medikamente besorgt zu haben, „um mit den Folgen von Sex mit russischen Mädchen fertig zu werden“.
In einer Stellungnahme, aus der mehrere Medien zitieren, sagte ein Gates-Sprecher: „Diese Behauptungen – von einem erwiesenen, verärgerten Lügner – sind absolut absurd und völlig falsch.“
Die reine Nennung oder Abbildung in den Epstein-Akten ist kein Hinweis auf ein Fehlverhalten. Viele der bereits früher identifizierten Personen stritten eine Verstrickung in Epsteins kriminelle Machenschaften stets ab.
Auch der ehemalige Trump-Berater Elon Musk fragt in einer Mail nach geplanten Partys, lehnte aber eine Einladung auf die Insel ab. Musk erklärte dazu auf der Plattform X, er habe nur wenig Kontakt zu Epstein gehabt. Er sei sich bewusst gewesen, „dass einige E-Mail-Korrespondenzen mit ihm falsch interpretiert und von Kritikern dazu benutzt werden könnten, meinen Namen zu beschmutzen“.
Die oppositionellen Demokraten kritisierten unterdessen, dass viele der über drei Millionen Seiten stark geschwärzt seien und das Ministerium nicht alle potenziell relevanten Unterlagen freigegeben habe.
Foto von Prinz Andrew mit junger Frau
Die neuen Akten scheinen auch Einblick in Epsteins Korrespondenz mit dem früheren britischen Prinzen Andrew (65) zu geben. Britische Medien stürzten sich auf zahlreiche E-Mails und mehrere Bilder, die Andrew auf allen Vieren gebeugt über eine junge Frau, deren Gesicht geschwärzt ist, zeigen sollen.
Wegen seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal waren dem Ex-Prinzen zuletzt alle Titel, Ehren und Auszeichnungen entzogen worden. Er heißt nur noch Andrew Mountbatten-Windsor, die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Epstein-Skandal weist er zurück. Auch bei den vergangenen Veröffentlichungen kam er bereits – etwa mit Bildern – vor.
Aus einem E-Mail-Verlauf aus dem Jahr 2010 scheint etwa hervorzugehen, dass Epstein für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelte – kurz nachdem der US-Amerikaner seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte. Andere Mails legen nahe, dass es sich bei einem mysteriösen Kontakt der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell namens „The Invisible Man“ (Der unsichtbare Mann) um Andrew handeln könnte.
Mette-Marit lieh sich Epsteins Palm Beach Haus
Die jüngst veröffentlichten Akten im Missbrauchsskandal um den gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein werfen auch ein negatives Licht auf die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit. Mehrere hundertmal wird die 52-Jährige Medienberichten zufolge in den am Freitag veröffentlichten Dokumenten erwähnt. Bereits vor Jahren wurde bekannt, dass Mette-Marit Kontakt zu Epstein hatte.
Für besonders viel Aufsehen sorgte etwa ein Mail-Verkehr, in dem es um einen Besuch auf Epsteins Anwesen in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida im Jahr 2013 geht. Dem Sender NRK bestätigte der Palast, dass Mette-Marit das Haus von Epstein über einen gemeinsamen Freund geliehen habe. Die Kronprinzessin habe dort vier Tage lang gemeinsam mit einer Freundin gewohnt, teilte die Sprecherin des norwegischen Königshauses, Guri Varpe, demnach mit.
Es ist einfach peinlich.
Mette-Marit
Norwegische Kronprinzessin
Während dieses Besuchs habe sie Epstein auch getroffen. Auf der Privatinsel des Multimillionärs, Little Saint James, habe sie sich allerdings nie aufgehalten. Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. 2019 kam er im Alter von 66 Jahren in einer Gefängniszelle zu Tode.
Noch am Freitagabend entschuldigte sich die Kronprinzessin: Sie habe „Epsteins Hintergrund nicht besser geprüft“, erklärte sie in einer Stellungnahme, die mehreren norwegischen Medien vorliegt. Sie habe ein „schlechtes Urteilsvermögen“ bewiesen und bedauere, „überhaupt Kontakt zu Epstein gehabt zu haben“. „Es ist einfach peinlich“, heißt es weiter. Den Opfern des Sexualstraftäters sprach sie ihr „tiefes Mitgefühl“ und ihre Solidarität aus.
Ermittler wirft Zweifel an Suizid Epsteins auf
Unter den Dokumentenseiten, die das Ministerium am Freitag veröffentlichte, finden sich auch E-Mails, die Ermittler austauschten, nachdem Epstein im Jahr 2019 tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden wurde. Enthalten ist die Einschätzung eines Ermittlers, dass die letzte Kommunikation Epsteins nicht wie ein Abschiedsbrief wirke.
Die US-Behörden sind in mehreren Ermittlungen zu dem Schluss gelangt, dass der Finanzier, der jahrelang systematisch Minderjährige missbrauchte, Suizid beging.
In den Akten wird auch beschrieben, wie Gefängnismitarbeiter Medienvertreter täuschten, um den Leichnam Epsteins aus der Haftanstalt zu bringen. Demnach nutzten sie Kartons und Decken, um den Eindruck eines Körpers zu erwecken, die sie dann in ein Fahrzeug luden, das laut Aufschrift der Gerichtsmedizin gehörte. Journalisten folgten dem Wagen, während der echte Leichnam Epsteins die Haftanstalt „unbemerkt“ in einem schwarzen Fahrzeug verließ, wie es in Stellungnahmen heißt, die in den Dokumenten enthalten sind.
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