Fußball-Bundesliga: Der HSV lässt sich diesmal nicht vom FC Bayern demütigen. Im Gegenteil

Fußball-Bundesliga: Der HSV lässt sich diesmal nicht vom FC Bayern demütigen. Im Gegenteil
HSV-Profis bejubeln das 1:0 durch Vieira

HSV-Profis bejubeln das 1:0 durch Vieira


Foto: Sven Heidmann / STEINSIEK.CH / IMAGO

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Zwischenstand des Spiels: Nach 29 Minuten stand es 0:0 zwischen dem Hamburger SV und dem FC Bayern im Volksparkstadion. Klingt unspektakulär, ist es aber nicht. Im Hinspiel war das Bundesligaspiel zu diesem Zeitpunkt längst entschieden, bereits 4:0 führte der Fußball-Rekordmeister damals, der gerade erst in die erste Liga zurückgekehrte HSV war Statist in seiner eigenen Demütigung und verlor zum Schluss gar 0:5. Doch jetzt, beim Wiedersehen am 20. Spieltag, wehrten sich die Hamburger gegen den Tabellenführer. Und dann, in der 30. Minute, die Überraschung: Elfmeter für den HSV.

Trick des Spiels: Joshua Kimmich hatte Nicolai Remberg mit einem minimalen Kontakt zu Fall gebracht, offenbar genug für den Strafstoß. Albert Sambi Lokonga legte sich den Ball zurecht, während Manuel Neuer den HSV-Profi fixierte, ihn aus nächster Nähe musterte, noch einmal an ihm vorbeiging. Plötzlich trat Lokonga zurück, überließ Fábio Vieira die Bühne. Neuer schrie auf der Linie, hüpfte, und als Vieira den Ball präzise ins linke Eck schob, war der Kapitän der Bayern machtlos. 1:0 für den Tabellen-14. nach 34 Minuten.

Ergebnis des Spiels: Zehntausende Fans im Volkspark träumten kurz vom Unmöglichen, vom ersten HSV-Sieg über den FC Bayern seit 2009, seit 17 Jahren. Am Ende wurde es »nur« ein 2:2 (1:1), Das fühlte sich aber trotzdem einigermaßen historisch an: Es war das erste Unentschieden des HSV gegen die Bayern seit 2014. Die Tabellenführung der Münchner bleibt weiter völlig ungefährdet, während der HSV auf Platz 13 springt.

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Torarmut: 0:0 im Stadtderby gegen den FC St. Pauli, davor ein torloses Remis gegen Borussia Mönchengladbach, der HSV spielt bei seiner Bundesliga-Rückkehr ordentlich, nur treffen will kaum jemand. Eigentlich sollte Winterleihgabe Damion Downs das Problem lösen. Der Angreifer wartet nach drei Einsätzen aber noch auf sein erstes Tor und fehlte nun mit einer Wadenverletzung. Der HSV ging also in diesen Abend mit bisher 17 Bundesligatreffern, die Bayern übrigens mit 72 Toren.

Nur Mut: Doch auch ohne den neuen Stürmer präsentierte sich der HSV gegen den FC Bayern angriffslustig. Luka Vuskovic verpasste in der 6. Minute nach einer Ecke knapp die Führung, Nicolás Capaldo scheiterte in der 24. Minute mit einem flachen Schuss aus kurzer Distanz. Der HSV hatte offenbar aus dem Hinspiel gelernt: Er blieb selbst aktiv, lief viel und traf dann per Elfmeter.

Díaz: eingewechselt und Tor

Díaz: eingewechselt und Tor


Foto: Marcus Brandt / dpa

Bayern ist Bayern bleibt Bayern: Das Volksparkstadion bebte noch nach dem verwandelten Elfmeter, da war Harry Kane acht Minuten später schon zur Stelle, 1:1, es war das 22. Saisontor des Engländers, also hatte er zu diesem Zeitpunkt vier Treffer mehr als der gesamte HSV.

Schneller Schock: Während HSV-Co-Trainer Loïc Favé in der Halbzeitpause noch bei Sky am Mikrofon stand und versprach, »weiter dagegenzuhalten«, ging die Partie auch schon fast weiter. Und es ist ungewiss, ob Favé rechtzeitig zurück auf der Bank war, um das 1:2 zu sehen: Wiederanpfiff, 42 Sekunden später, Michael Olise auf den gerade eingewechselten Luis Díaz und der Kolumbianer traf zur Führung für die Bayern. Würde es doch wieder eine Demütigung geben?

Talent und Torschütze: Vuskovic lässt sich feiern

Talent und Torschütze: Vuskovic lässt sich feiern


Foto: Eibner-Pressefoto / Marcel von Fehrn / Eibner / IMAGO

Das Talent: Die gab es nicht. Aber wir müssen noch einmal zurück zum Hinspiel. Damals gab Luka Vuskovic sein Bundesliga-Debüt und war an den fünf Münchner Treffern nicht unbeteiligt. Inzwischen, gut viereinhalb Monate später, hat sich der 18-Jährige enorm entwickelt. Vuskovic, der jüngere Bruder von Mario Vuskovic (Sie wissen schon, der HSV-Profi mit Dopingsperre) und Leihgabe der Tottenham Hotspur, gilt längst als eines der spannendsten Talente der Liga. Dass er bei Flanken gefährlich wird, hat sich herumgesprochen, vermutlich auch in München. Geholfen hat es den Bayern nicht: In der 53. Minute stieg Vuskovic am höchsten und köpfte zum 2:2 ein.

Rettungstat des Spiels: Kam von Alphonso Davies. Bei einem Konter hatte der HSV den herauseilenden Manuel Neuer überlupft. 1:0-Torschütze Vieira musste den Ball aus vollem Lauf nur noch ins leere Tor schießen. Er traf den Ball gut, doch dann grätschte Davies das Hamburger 3:2 noch ab (74.). Der FC Bayern musste sich gegen den vielleicht besten HSV seit dessen Rückkehr in die Bundesliga mächtig wehren.

Letzter Aufreger: Hand oder Brust? In der Nachspielzeit wehrte Daniel Elfadli im Strafraum einen Schuss von Kimmich ab. Die Frage war, ob er das mit der Hand oder mit dem Oberkörper tat. Die Szene wurde überprüft, war selbst auf den TV-Bildern schwer zu erkennen und letztlich blieben die Proteste der Bayern unerhört. Es gab keinen Elfmeter und auch keinen späteren Bayern-Siegestreffer.

Dompé: Zukunft beim HSV ungewiss

Dompé: Zukunft beim HSV ungewiss


Foto: Benedict Christ / STEINSIEK.CH / IMAGO

Der Suspendierte: Jean-Luc Dompé spielt seit 2022 für den HSV, hat die Jahre in der zweiten Liga mitgemacht, sich mit seinen Dribblings und Sololäufen einen festen Platz erarbeitet. Doch neben dem Rasen schreibt der Franzose an einer weniger rühmlichen Geschichte. Schon 2023 war Dompé in einen Autounfall verwickelt, flüchtete vom Unfallort, kassierte eine Geldstrafe vom Klub und einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft. Nun, im Januar 2026, ein weiterer Fall: Nach einer Verkehrskontrolle stellte die Polizei bei Dompé 1,4 Promille Atemalkohol fest, der HSV suspendierte ihn vor dem Bayern-Spiel. Und als wäre das nicht genug, soll Dompé nach seiner Entlassung aus dem Polizeigewahrsam mit einem E-Scooter davongefahren sein. »Zu beiden Fällen laufen nun strafrechtliche Ermittlungen«, bestätigte die Polizei.

Ausblick I: Am kommenden Wochenende wartet auf den HSV kein Tabellenführer, sondern das Schlusslicht: das Schlüsselspiel im Abstiegskampf beim 1. FC Heidenheim. Gerade in solchen Partien wird sich zeigen, ob der Aufsteiger seine Rückkehr in die Bundesliga auch sportlich verstetigen kann.

Ausblick II: Die Bayern dagegen treffen auf die Mannschaft der Stunde: die TSG Hoffenheim. Die Kraichgauer haben 2026 bislang alle fünf Bundesligaspiele gewonnen und stehen überraschend auf Rang drei. Ob sie den Münchnern wirklich ebenbürtig sind? Eigentlich unwahrscheinlich. Doch vielleicht hat der Rekordmeister angesichts seiner enormen Bundesliga-Dominanz nur noch die Champions League im Kopf.

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