Kolumne „Inside America“: Was die Amazon-Doku „Melania“ über die US-Elite verrät

Kolumne „Inside America“: Was die Amazon-Doku „Melania“ über die US-Elite verrät

Kolumne „Inside America“: Was die Amazon-Doku „Melania“ über die US-Elite verrät

Eine der teuersten Dokumentationen aller Zeiten verspricht einen intimen Einblick in Trumps White House. Bereits ihre Premiere geriet allerdings zur Posse.Philipp Alvares de Souza Soares 01.02.2026 – 14:09 Uhr
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Philipp Alvares de Souza Soares berichtet für das Handelsblatt aus San Francisco. Foto: HB, Getty

Wer sich von der neuen Dokumentation „Melania“ Überraschungen oder gar Skandale erhofft hatte, ging am Freitag leer aus. Seitdem läuft die Amazon-Produktion, die einen intimen Blick in das Leben der aktuellen First Lady der USA verspricht, im Kino. Später will der Internetkonzern sie auch auf seinem Streamingdienst Prime veröffentlichen.

Der Film zeigt Melania Trump beim Videocall mit Brigitte Macron oder auch, wie sie eine ehemalige Geisel der Hamas tröstet. Man erfährt, dass „Billie Jean“ von Michael Jackson einer ihrer Lieblingssongs ist und dass ihr Mann sie mitunter für „schwierig“ hält.

Viel Werbung, wenig Erkenntnis

Auch sonst geriet das Werk erwartungsgemäß werblich. Die First Lady höchstpersönlich hatte weitgehende Mitspracherechte und sogar noch in die Postproduktion eingegriffen. So erfährt man zwar, dass Melania Trump ihren Mann offenbar tatsächlich für einen „Versöhner“ hält, der die verhärteten Pole der USA wieder einen wolle. Seine dunklen Seiten werden derweil ausgeblendet.

Trotzdem zahlte Amazon, dessen Gründer Jeff Bezos die Trump-Regierung zur Umsetzung seiner Raketen- und Weltraumträume braucht, Trump rund 40 Millionen Dollar für die Lizenz des Films. Nicht nur das Honorar war ungewöhnlich hoch: In Washington wie in der Tech-Industrie blieb kritischen Beobachtern nicht verborgen, dass Amazon zusätzlich satte 35 Millionen Dollar für dessen Promotion ausgab. Solche Summen sind für Dokumentationen mindestens unüblich.

„Nichts ist perfekt“ – Trumps neuer Grenzschützer in Minnesota verspricht Verbesserungen

Wie sehr sich die Standards in Teilen der US-Elite mittlerweile verschoben haben, zeigte auch ein anderer Vorgang. Donald Trump inszenierte die Erstvorführung des Films am Donnerstag im Washingtoner Kennedy Center wie einen Staatsakt. Statt eines roten wurde ein schwarzer Teppich ausgelegt. Die Teilnahme war für seine Minister „obligatorisch“, hieß es Medienberichten zufolge aus der Regierung. Natürlich lobten sie bei der Gelegenheit Melania und ihren Gatten.

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Interessant ist, wer „Melania“ noch früher exklusiv zu sehen bekam. Bereits am Samstag zuvor hatten die Trumps zu einer feierlichen Vorführung im Ostflügel des Weißen Hauses geladen. Es kamen Apple-Chef Tim Cook, Amazon-Boss Andy Jassy und Zoom-CEO Eric Yuan. Teilnehmer berichteten dem „Hollywood Reporter“ von einer Militärkapelle, die Filmhits spielte. Zum Abschied durften die Gäste Melanias Autobiografie und Melania-Kekse mit nach Hause nehmen. Offen blieb, wer die Sause finanzierte.

Nur wenige Stunden zuvor hatten Bundesbeamte in Minnesota den Intensivpfleger Alex Pretti erschossen, der gegen das Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE protestiert hatte. Tech-Größen wie Cook rangen sich erst Tage später dazu durch, ihr Bedauern darüber auszudrücken – nicht ohne gleichzeitig den Präsidenten zu loben.

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