Die konservative Volkspartei PP hat bei der Regionalwahl im südspanischen Andalusien ihre absolute Mehrheit eingebüßt und ist zum Regieren auf die rechtspopulistische Vox angewiesen. Unter ihrem Spitzenkandidaten, dem Regionalregierungschef Juanma Moreno, kam die PP auf 53 Sitze im Parlament in Sevilla, wie die Wahlkommission nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen mitteilte. Das sind fünf Sitze weniger als vor vier Jahren. Die absolute Mehrheit liegt bei 55 Sitzen.
Vox konnte den Angaben zufolge einen Sitz hinzugewinnen und verfügt damit künftig über 15 Abgeordnete im Regionalparlament in Sevilla. Die Sozialisten (PSOE) des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez kamen in ihrer früheren Hochburg auf nur noch 28 Sitze, noch zwei weniger als bei ihrem historisch schlechten Ergebnis bei der Wahl 2022. Das linke regional-nationalistische Bündnis Adelante Andalucía verbesserte sich von bisher zwei auf acht Sitze, das linke Wahlbündnis Pro Andalucía stellt erneut fünf Abgeordnete.
Der Verlust der absoluten Mehrheit für die PP bedeutet einen Rückschlag für Juanma Moreno, der weniger konfrontativ und aggressiv als die konservative Partei auf nationaler Ebene auftritt. Ähnlich war es auch seinen Parteifreunden bei den Wahlen in der Extremadura (Dezember 2025), Aragón (Februar) und Kastilien und León (März) ergangen. Auch dort wurde die PP zwar jeweils stärkste Kraft, ist aber auf die Stimmen von Vox angewiesen. Eine Koalition zwischen PP und PSOE ist bisher wegen der scharfen Gegensätze sehr unwahrscheinlich.
Im Wahlkampf ging es unter anderem um die wieder anziehende Inflation auch infolge des Irankriegs, Defizite im Gesundheitswesen und die Arbeitslosenquote, die in Andalusien bei knapp 15 Prozent und damit etwa fünfeinhalb Prozentpunkte höher als im Durchschnitt Spaniens liegt. Darüber hinaus spielten fehlender Wohnraum sowie die Einwanderung über das Mittelmeer eine Rolle.
Andalusien ist mit mehr als zehn Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste autonome Gemeinschaft Spaniens, jedoch mit einem niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen als der Durchschnitt des Landes. Der Tourismus und die Landwirtschaft sind die wichtigsten Wirtschaftszweige, aber auch die Industrie und die Erzeugung von Sonnenstrom gewinnen an Bedeutung. Kulturell prägt Andalusien Spaniens internationales Image durch Flamenco, Stierkampf und das maurische Erbe wie etwa die Alhambra in Granada oder die Moschee-Kathedrale in Córdoba.



