Frankfurt. Der US-Bezahldienst Paypal baut seine Position in Deutschland aus. Rund ein Dreivierteljahr nach Angebotsstart haben sich 7,6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland für das Bezahlen per Smartphone-App an der Ladenkasse registriert. Diese Zahl nannte Alexander Bellabarba, der bei Paypal das weltweite Produktgeschäft steuert, auf einer Konferenz in Frankfurt.
Damit erhöht der US-Konzern seine Bedeutung in Deutschland just zu einer Zeit, in der der neue europäische Bezahldienst Wero versucht, sich zu etablieren. Wero ist Ende 2025 als Onlinebezahldienst gestartet. Dieses Jahr will er als Bezahlmethode an der Ladenkasse loslegen. Handy-zu-Handy-Zahlungen sind seit Mitte 2024 möglich.
Paypal ist in Deutschland die beliebteste Bezahlmethode beim Onlineshopping. Der Marktanteil liegt, gemessen am Umsatz, bei rund 30 Prozent, wie das EHI, ein Forschungsinstitut des Handels, erhoben hat.
Die Gesamtzahl der aktiven Kundenkonten beträgt hierzulande laut Paypal derzeit rund 39 Millionen, eine Million mehr als ein Jahr zuvor. Der Großteil davon, schätzungsweise 36 Millionen, sind Paypal-Konten von Verbrauchern, der Rest Händlerkonten. Paypal ist sowohl Bezahldienst für Verbraucher als auch Zahlungsdienstleister für Onlinehändler.
Europäischer Bezahldienst Wero will Paypals Dominanz brechen
Die starke Paypal-Nutzung ist ein Beispiel für die Dominanz von US-Konzernen in Teilen des europäischen Zahlungsverkehrs. Dem möchten Banken aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden mit dem neuen Bezahldienst Wero etwas entgegensetzen. Zu den Wero-Anbietern gehören die deutschen Sparkassen und Volksbanken, sowie Deutsche Bank, Postbank, ING Deutschland und Revolut. Nach langem Zögern schließt sich nun auch die Commerzbank Wero an.
Parallel dazu bereitet die Europäische Zentralbank mit dem digitalen Euro eine Digitalwährung für Privatleute vor. Er soll Europas Souveränität im Zahlungsverkehr stärken. Der Aufbau des digitalen Euros benötigt allerdings noch die Zustimmung der EU-Gesetzgeber.
Die Dominanz von Paypal beispielsweise in Deutschland steht in Kontrast zum schwachen Aktienkurs. So hat die Paypal-Aktie seit ihrem Hoch im Jahr 2021 rund 85 Prozent an Wert verloren. Auch die Kurse anderer Zahlungsdienstleister sind nach einem Höhenflug während der Corona-Pandemie eingebrochen.
Anfang Februar hatte Paypal die Investoren unter anderem mit seinem Ausblick enttäuscht. Zudem gibt es einen Wechsel an der Konzernspitze: An die Stelle von Alex Chriss tritt ab März der bisherige Chef des PC-Herstellers HP.
Ende August 2025 war Paypal in Deutschland in die Schlagzeilen geraten. Damals kämpfte das Unternehmen mit einer größeren Panne, bei der es Lastschriften in ungewöhnlicher Höhe gab. In dem Zuge hatten einige große Banken Paypal-Lastschriften vorübergehend gestoppt oder vermehrt geprüft. Für Nutzerinnen und Nutzer von Paypal hatte das mitunter zur Folge, dass ihre Zahlungen für Onlineeinkäufe oder an andere Paypal-Nutzer zurückgewiesen wurden.



