Champions League: Schwacher FC Liverpool verliert Achtelfinal-Hinspiel bei Galatasaray Istanbul

Champions League: Schwacher FC Liverpool verliert Achtelfinal-Hinspiel bei Galatasaray Istanbul

Zwischen Himmel und Hölle: »Willkommen in der Hölle«, verkündete ein Transparent auf Englisch vor Spielbeginn im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League, und: »Hier seid ihr allein.« Am You’ll-never-walk-alone-Selbstverständnis des FC Liverpool schien das nicht zu nagen. Im Istanbuler Hexenkessel wurde es allein in den Anfangsminuten mehrfach brandgefährlich, immer wieder ließen sich Galatasarays Aufbauspieler den Ball abjagen, Florian Wirtz schoss knapp daneben (2. Minute).

DFB-Spielmacher Florian Wirtz verpasste einen frühen Torerfolg

DFB-Spielmacher Florian Wirtz verpasste einen frühen Torerfolg


Foto: Nick Potts / PA Wire / dpa

Dann aber schenkte Liverpool einen ersten Eckball her. Und der brachte sofort die Führung für Gala: Sturmkoloss Victor Osimhen wuchtete sich in die zweite Etage empor und hatte die Übersicht, per Kopf für Mario Lemina aufzulegen, der sich im Fünfmeterraum Stirn voran in die Vorlage schmiss und den frühen Sturmlauf der Gäste jäh unterbrach (7.). Die Liverpooler Knie waren nun weicher, zum Rhythmus der Anfangsminuten sollte das Team von Trainer Arne Slot nicht mehr zurückfinden.

Das Ergebnis: 1:0 (1:0) setzt sich Galatasaray Istanbul im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Liverpool durch. Es geht also mit einem kleinen Vorsprung an die Anfield Road für den Süper-Lig-Spitzenreiter, der seine Konkurrenzfähigkeit schon beim Playoff-Erfolg über Juventus unter Beweis gestellt hatte.

Kein Sanétag: Bei der Weltmeisterschaft im Sommer wird Leroy Sané eine Rolle beim DFB spielen, vielleicht sogar eine große. Das ließ Julian Nagelsmann zuletzt dem »Kicker« gegenüber durchblicken: »Er macht es auch bei Galatasaray gut«, lobte der Bundestrainer. Das mag in der Liga zutreffen. In der Königsklasse fand der Rechtsaußen sich jetzt aber schon zum dritten Mal in Folge zunächst auf der Bank wieder, musste Barış Alper Yılmaz den Vortritt lassen.

Warnung genug? Für beide Mannschaften war es ein Wiedersehen. Schon in der Ligaphase war Liverpool nach Istanbul gereist, damals hatte ein Osimhen-Strafstoß die Partie entschieden. Auf die leichte Schulter nehmen konnte der Favorit aus England dieses Gastspiel also keinesfalls.

Eine neue Qualität: Auch, wenn man es bei Bankdrückern wie Sané oder İlkay Gündoğan vermuten könnte: Im Jahr 2026 erfüllt Galatasaray nur noch bedingt das Klischee des Schwellenklubs, bei dem gut bezahlte Altstars ein bisschen Champions League als Touristen genießen dürfen. Vielmehr ist der Club mit Profis wie Osimhen oder Gabriel Sara mittlerweile auch in der Spitze brandgefährlich besetzt. So war Gala dem 2:0 näher als Liverpool dem Ausgleich: Alisson-Vertreter Giorgi Mamardashvili musste einen tückischen Flankenaufsetzer parieren (21.), rettete mit einem Reflex gegen Davinson Sánchez (24.) und hatte Glück, dass Osimhen seinen Schuss nach Patzer von Ibrahima Konaté übers Tor jagte (29.).

Mittelstürmer Victor Osimhen: Einer, um den Galatasaray auch in den Topligen viele beneiden

Mittelstürmer Victor Osimhen: Einer, um den Galatasaray auch in den Topligen viele beneiden


Foto: Yasin Akgul / AFP

König ohne Klasse: Offensiv bekleckerte sich kein Liverpool-Angreifer mit Ruhm. Besonders desolat geriet der Abend für Klublegende Mohamed Salah: Der »Egyptian King« wurde regelmäßig vom Ex-Kölner Ismail Jakobs im Zweikampf kaltgestellt. Nach einer Stunde nahm Slot seinen Starspieler vom Feld, ohne dass dieser ein einziges erfolgreiches Dribbling abgeschlossen hatte.

Den Versuch war’s wert: Nach dem Seitenwechsel boten sich Liverpool vereinzelt Ausgleichschancen. Dominik Szoboszlai mit einer schlecht platzierten Kanonenkugel aus dem Rückraum (46.), Alexis Mac Allister nach einem Eckball (47.) und Hugo Ekitiké, der im Eins-gegen-eins an Keeper Ugurcan Çakir hängen blieb (66.), verpassten Liverpooler Ergebniskosmetik.

Liverpools Erlöser heißt Jesús: An der beteiligte sich dann zur Erleichterung der Gäste immerhin Schiedsrichter Jesús Gil Manzano. Der erkannte nämlich einen Galatasaray-Treffer ab, den man gut und gern auch als regelkonform hätte stehen lassen können: Vor Osimhens vermeintlichem 2:0 hatte Yılmaz zwar im Abseits gestanden, aber nicht aktiv eingegriffen (62.). Gil Manzano ordnete aber offenbar die bloße Anwesenheit des Flügelstürmers als Irritation für die Abwehrspieler ein.

Schiedsrichter Jesús Gil Manzano im Gespräch mit Ibrahima Konaté und Arne Slot (v.l.)

Schiedsrichter Jesús Gil Manzano im Gespräch mit Ibrahima Konaté und Arne Slot (v.l.)


Foto: Tolga Bozoglu / EPA

Keine Hand Gottes in der Hölle: Wenig später gab es dann eine VAR-Intervention auf der anderen Spielfeldseite: Nach einem Eckball-Tohuwabohu lag der Ball im Gala-Tor. Liverpool feierte ob der Undurchsichtigkeit zwar keinen Torschützen, aber zumindest den Ausgleich. Allerdings nicht lange: Konaté hatte den Ball im Fünfmeterraum mit der Hand gespielt, spätestens die fünfte Kameraeinstellung bekam das auch aufgedröselt (72.).

Nicht mehr allein: So entkommt ein weitgehend dysfunktionales Liverpool mit einem nach Verletzungspause unauffälligen Florian Wirtz der selbst ernannten Hölle des Bosporus mit einem blauen Auge. Kommenden Mittwoch (21 Uhr) steigt das Rückspiel in England. Zumindest allein werden Salah und Co. dann nicht mehr sein.

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