UniCredit macht Ernst: Offenes Übernahmeangebot für Commerzbank
Die italienische Großbank UniCredit hat ein formales Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Damit ignoriert das Unternehmen Widerstände von Management, Gewerkschaft und Bundesregierung.
Die UniCredit hat ihre Expansionspläne in Deutschland konkretisiert und legt den Commerzbank-Aktionären ein öffentliches Umtauschangebot vor. Besitzer von Commerzbank-Anteilen sollen demnach 0,485 neue UniCredit-Aktien für jeden ihrer Anteile erhalten – das entspricht einem Kurs von etwa 30,80 Euro pro Commerzbank-Aktie. Das Angebot soll Anfang Mai offiziell vorgestellt werden, mit einer Annahmefrist von vier Wochen.
Die mailändische Bank versucht damit, die gesetzlich vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden, ohne dabei die volle Kontrolle zu beanspruchen. UniCredit ist bereits größter Anteilseigner des Frankfurter Geldhauses, nachdem der Bund seine Beteiligung 2024 teilweise abgebaut hat. Konzernchef Andrea Orcel argumentiert, dass nur größere europäische Banken im weltweiten Wettbewerb bestehen können und sieht erhebliche Synergiepotenziale zwischen den beiden Instituten.
Dem Übernahmezug widersetzt sich allerdings ein breites Bündnis: Commerzbank-Vorständin Bettina Orlopp verteidigt die Unabhängigkeit ihres Hauses energisch und kündigte massive Sparmaßnahmen an, um die Rendite zu erhöhen. Die Gewerkschaft Ver.di warnt vor großflächigen Jobabbau – als abschreckendes Beispiel wird die UniCredit-Übernahme der Hypobank 2005 genannt. Auch die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz lehnt einen Zusammenschluss ab und pocht auf eine starke, eigenständige Commerzbank.