Der frühere Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich hat nach 35 Jahren Mitgliedschaft seinen Austritt aus der Linkspartei erklärt. Das hat Liebich dem SPIEGEL bestätigt. Der 53-Jährige galt lange Zeit als realpolitischer Kopf der Linken und war im Berliner Abgeordnetenhaus wie im Bundestag ein Brückenbauer zu SPD und Grünen. Nun wolle er sich auf sein Leben in den USA konzentrieren, schreibt er in einem Abschiedsbrief.
»Ich plane mit meiner US-amerikanischen Familie meine Zukunft hier«, zitiert die »taz« aus dem Schreiben. »Ab Januar 2026 werde ich in meiner neuen Heimat versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen und die Demokraten zu unterstützen.« Bei New Yorks neuem Bürgermeister Zohran Mamdani falle ihm das leicht, »bei anderen Parteimitgliedern etwas schwerer. (Ihr kennt das).«
Er wolle künftig »nicht auf zwei Partys tanzen« und trete aus der Partei aus, »in einer Zeit, in der es ihr gut geht. Deutschland braucht eine Partei des demokratischen Sozialismus.« Im Rückblick lobte er die historische Anpassungsleistung der aus der DDR-Staatspartei SED hervorgegangenen PDS, die sich 2005 mit der WASG zur Linkspartei vereinte. »Keine andere Partei musste den Bruch mit dem Stalinismus als System vollziehen und hat daher schmerzhaft gelernt, dass sie weder ein Monopol auf die Wahrheit hat, noch Avantgardepartei ist.«
Liebich galt in der Linken als Reformer, der stets dafür warb, regierungsfähig zu sein. Entsprechend schreibt er nun auch in seinem Abschied an die Ex-Partei: Die Linke solle »an Mitte-links-Mehrheiten arbeiten, damit es eine Alternative zu Schwarz-Blau gibt, wenn die Brandmauer fällt.«



